"Ich liebe Politik": Neos-Chef Strolz tritt zurück

Matthias Strolz zieht sich Ende Juni als Parteichef und im Herbst als pinker Klubchef zurück. In einer "persönlichen Erklärung" kündigte er eine "geordnete Übergabe" an. Laut "Presse"-Informationen gilt Wiens Neos-Chefin als aussichtsreichste Nachfolgekandidatin.

Matthias Strolz gibt seinen Rücktritt bekannt
Matthias Strolz gibt seinen Rücktritt bekannt
Matthias Strolz gibt seinen Rücktritt bekannt – REUTERS

„Heute ist der Tag, an dem ich als Gründungsvorsitzender von Neos die schrittweise, geordnete Übergabe meiner politischen Verantwortungen einleite.“ Mit diesen Worten begann Matthias Strolz am Montag seine „persönliche Erklärung“. Er tue das nach Abschluss „unserer erfolgreichen Aufbauphase“ und gebe damit den Auftakt zur nächsten „Wachstumsetappe“ der Pinken, so der 44-Jährige. Parteiintern war übrigens stets vereinbart gewesen, dass er nach zwei erfolgreichen Nationalratswahlen nicht für eine dritte Spitzenkandidatur zur Verfügung stehen wird.

Dann holte der bisherige Parteichef weit aus: Schon in der Kindheit habe ihn die Politik fasziniert, schilderte er. Vor Jahren habe er ein Buch geschrieben und wollte es „Ich liebe Politik“ nennen – der Titel sollte es nicht werden, stattdessen sollten die drei Worte den ersten und letzten Satz des Buches bilden. Erst später, so Strolz nun, habe er begriffen, dass es sich dabei schon um eine „Handlungsanleitung“ zur Parteigründung gehandelt habe. Bald darauf sollte im Oktober 2012 die Geburtsstunde der Neos schlagen.

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„Wir hatten kein Geld, wir hatten keine Promis“, so Strolz, „doch wir hatten Herz“. Man habe innerhalb von sechs Jahren an rund 30 Wahlen teilgenommen und sitze mittlerweile nicht nur im Nationalrat, in den Landesparlamenten und in Städten: „Die Österreicherinnen und Österreicher haben entschieden: Sie wollen Neos.“ Mehr noch: Man sei „europaweit ein gefragter Partner“ für politische Kooperationen, zählte Strolz auf. „Und mit der Salzburg-Wahl ist unsere Pionierphase zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Alles, was wir ab jetzt machen, machen wir nicht mehr zum ersten Mal“, so Strolz.

Man glaube an „das schöpferisches Wesen Mensch und an ein solidarisches Miteinander“, wurde Strolz denn philosophisch. „Wir gehen gemeinsam Wege, um das Chaos zu ordnen.“ Weiters prognostizierte der Vorarlberger eine „umfassende Bildungswende von unten“, ebenso wie ein „Flexi-Pensionsmodell“. „Wir wollen Schritt für Schritt für Schritt – nur Unkraut wächst schnell – bis 2030 eine prägende Kraft in diesem Land werden. Wir haben das Potenzial für eine 20-Prozent-Kraft für diese Republik.“

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„Ich war nie ein Sesselkleber“, betonte Strolz. „Ich bin nicht Passagier, ich bin der Pilot meines Lebens“, das sei ein pinkes Motto und danach agiere er: Mit Ende Juni 2018 werde er den Parteisitz im Rahmen einer Mitgliederversammlung abgeben, dann soll auch ein Nachfolger gewählt werden. Übermorgen, Mittwoch, sollen die Details bei einem erweiterten Parteivorstand besprochen werden. Danach gehe es an die Übergabe seiner parlamentarischen Tätigkeit – wohl im Herbst werde er seine Klubobmannschaft dort abgeben. Letztlich werde er auch den Nationalrat verlassen. „Freilich werde ich auch nach den Übergaben uns Neos treu bleiben.“ Was er persönlich machen werde? „Das ist offen und ich will es zu diesem Zeitpunkt auch offen lassen.“

Er freue sich auf mehr Zeit mit der Familie, habe einige Buchprojekte im Kopf. Und: „Ich möchte sagen, dass ich dankbar bin, dass das Leben mir … diese Aufgaben mit auf den Weg gegeben hat“, sagte er nach einer langen Pause und mit Tränen in den Augen. „Ich bin dankbar für die vielen Begegnungen, die mein Leben auch reich gemacht haben in den letzten sieben Jahren.“ Mit bebender Stimme beendete er seine Erklärung mit den Worten: „Auf ein Wiedersehen.“

Meinl-Reisinger aussichtsreichste Nachfolgekandidatin

Mögliche Nachfolgekandidaten sind Wiens Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, der geschäftsführende Klubchef im Parlament, Nikolaus Scherak, sowie - mit Außenseiterchancen - Salzburgs Landtagsspitzenkandidat Sepp Schellhorn und Veit Dengler, Mitbegründer der Neos und international erfolgreicher Medienmanager. Hinter vorgehaltener Hand wird auch Irmgard Griss, ehemalige Höchstrichterin und Präsidentschaftskandidatin, genannt.

Erst vor wenigen Wochen hatte Strolz in einem Gespräch mit Journalisten der "Presse" seinen Rücktritt erstmals anklingen lassen. "Ich komme als Politiker jetzt ins siebente Jahr. Aber ich weigere mich, mich dem Zynismus hinzugeben", meinte er dabei. Er beobachte, "dass das die gängigste Bewältigungsstrategie für einige Berufskollegen ist, wenn sie länger in diesem Berufsstand leben, dass sie Jahr für Jahr tiefer in den Zynismus hineinschreiten. Nur so halten sie es aus." Zwar sei Zynismus per se nichts Schlechtes, "aber wenn jemand zynisch bei Fragen von Leben und Tod dem Tod den Vorrang gibt und das Leben verhöhnt, dann schaltet es bei mir ab", spielte er in der Unterhaltung auf die Diskussion um die Abschaffung des Rauchverbots durch Türkis-Blau an. "Da sage ich: So will ich nie werden." Nachsatz: "Ich werde den richtigen Zeitpunkt für die Übergabe nicht versäumen, das verspreche ich."

Nach ihrer Gründung im Oktober 2012, erhielten die Neos bei der Nationalratswahl exakt 5 Prozent und zogen damit bei ihrem ersten Antritt ins Parlament ein. Im Oktober 2017 legten sie auf 5,3 Prozent zu. In Salzburg stehen sie derzeit mit der ÖVP und den Grünen in Regierungsverhandlungen.

Zur Person

Matthias Strolz, geboren am 10. Juni 1973 in Bludenz, aufgewachsen in Dalaas, machte erste politische Gehversuche als Landesschulsprecher. An der Universität Innsbruck brachte er es später zum Vorsitzenden der örtlichen Hochschülerschaft. Beruflich war Strolz als Trainer und Berater tätig, in die Parlamentspolitik schnupperte er als Mitarbeiter des ÖVP-Abgeordneten Karlheinz Kopf. Seine unternehmerischen Tätigkeiten stellte der heute 44-Jährige promovierte Wirtschaftswissenschaftler ein, als er sich der Gründung der Neos im Jahr 2012 widmete. Strolz ist verheiratet und Vater von drei Töchtern.

(no/hell)

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