Zehntausende bei ÖGB-Demo - Gewerkschafter ruft zum Sturz der Regierung auf

In Wien gingen Gegner der Ausweitung der Höchstarbeitszeit auf die Straße. Die Demo verlief friedlich. Doch zum Abschluss waren ungewöhnlich scharfe Worte zu hören.

APA/HANS PUNZ

Mit einer machtvollen Demonstration reagiert der ÖGB auf die Pläne der Regierung zur Ausweitung der Höchstarbeitszeit. Bei bestem Demo-Wetter, also Sonnenschein bei trotzdem moderaten Temperaturen, versammelten sich Zehntausende Samstagnachmittag am Wiener Westbahnhof, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.

Für den ÖGB ungewöhnlich scharfe Worte waren dann bei der Abschlusskundgebung zu hören. Der Vorsitzende der Postgewerkschaft Helmut Köstinger rief dazu auf, die unsoziale und ungerechte Regierung "zu stürzen".

Seiner Meinung nach greift die Koalition den Menschen nicht nur in die Tasche, sie spiele auch mit der Gesundheit der Arbeitnehmer. Ähnlich sieht das die Vorsitzende der Gewerkschaftsjugend Susanne Hofer: "Die Regierung scheißt auf uns", konstatierte sie auf der Festbühne. Der Chef der "younion" Christian Meidling sprach an, dass mit Anfahrtszeiten Kinder bis zu 14 Stunden auf ihre Eltern warten müssten: "Geht's noch liebe Regierung?"

Der Demonstrationszug zehntausender vom Westbahnhof durch sechsten und siebenten Wiener Gemeindebezirk in die Innenstadt war dafür außerordentlich friedlich verlaufen. Mit Trillerpfeifen und diversen Transparenten, z.B. "Basti glaubst du an ein Leben nach der Arbeit?", wurde aber stets deutlich gemacht, was man von den Regierungsplänen in Sachen Arbeitszeit hält. Als Devise hatten sich die Organisatoren: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freizeit klaut" ausgesucht. Unterstrichen wurde das mit "Nein zum 12-Stunden-Tag" bzw. "Nein zur 60-Stunden-Woche"-Stickern, T-Shirts und Luftballons.

Das Who is Who der Gewerkschaft marschiert mit

Gekommen war das Who is Who der Gewerkschaft ergänzt um die sozialdemokratische Spitzenpolitik, repräsentiert an der Spitze durch Bundesparteichef Christian Kern (SPÖ) und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Auch zahlreiche Abgeordnete der SPÖ, Mitglieder der Wiener Landesregierung und der niederösterreichische SP-Chef Franz Schnabl scheuten den Marsch Richtung Heldenplatz nicht.

Im Mittelpunkt standen freilich die Gewerkschafter, und da auch die Christgewerkschafter. Deren Vorsitzender Norbert Schnedl versicherte zu Beginn der Demo, dass man sich nicht auseinanderdividieren lasse: "Nur gemeinsam können wir etwas bewegen." Auch AK-Präsidentin Renate Anderl äußerte in einer kurzen Ansprache ihre Solidarität mit den Gewerkschaftsfreunden und ärgerte sich, dass die Regierung das Gesetz durchpeitschen wolle. Dies würden sich die Menschen nicht gefallen lassen.

 

Die Kritik wurde teilweise auch etwas derb formuliert.
Die Kritik wurde teilweise auch etwas derb formuliert.
Die Kritik wurde teilweise auch etwas derb formuliert. – APA/HANS PUNZ

Genauso sieht das Alt-Kanzler Kern. Gegenüber Journalisten meinte der SP-Chef: "Die Menschen präsentieren der Regierung jetzt die Rechnung." Das zahlreiche Erscheinen der Kundgebungsteilnehmer sei eine Botschaft direkt an Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Wie viele Teilnehmer gekommen waren, konnten vorerst weder Organisatoren noch Polizei sagen. Wenige waren es definitiv nicht. Rasch hatte der Zug die gesamte Mariahilfer Straße gefüllt.

(APA)

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