Neue Kritik an Ministeriums-Theaterstück über "guten" und "bösen" Flüchtling

Das von Wolfgang Sobotka (ÖVP) initiierte Schultheaterstück habe "Indoktrinierungsabsicht", heißt es in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten. Die Ehefrau eines Darstellers meldete sich zu Wort.

NATIONALRAT: SOBOTKA
NATIONALRAT: SOBOTKA
Wolfgang Sobotka, mittlerweile Nationalratspräsident, hatte das Schultheaterstück noch als Innenminister initiiert. (Archivbild) – APA/ROLAND SCHLAGER

Zu dem vom damaligen Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) initiierten Schultheaterstück, in dem das Thema Asyl beispielhaft an einem "guten" und einem "bösen" Flüchtling dargestellt wird, gibt es nun offene Briefe von Theaterschaffenden sowie von der Ehefrau eines Darstellers. Es geht dabei um den "Verdacht der Indoktrinationsabsicht" sowie um die Bedingungen, unter denen das Stück zustande gekommen sei.

In aller Kürze erzählt das Stück von zwei Flüchtlingen, einem Syrer und einem "Afrikaner", der eine legal, der andere illegal, der eine mustergültig in den Integrationsbemühungen, der andere radikalisiert, der eine mit positivem Asylbescheid, der andere straffällig. Rundherum würde "kein Klischee, kein Vorurteil, keine Diffamierung ausgelassen", heißt es in einer "offenen Anfrage" an Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP), die von zahlreichen Theaterschaffenden und Kulturwissenschaftern unterzeichnet wurde.

Unter anderem wollen die Absender wissen, wie die "Haltungen in diesem Stück mit den Zielen in den Lehrplänen übereinstimmen", warum es nicht zu einer Ausschreibung oder zu einer Abstimmung mit den bestehenden Einrichtungen für Jugendtheater gekommen sei und ob weitere derartige Projekte in Planung seien.

"Boot ist voll" als eindeutige Botschaft?

Darüber hinaus hat sich auch die Ehefrau des Darstellers des "bösen" Flüchtlings, die Afrikanistin Kerstin Agalassinger-Nyalusi, in einem Brief an Bundespräsident Alexander Van der Bellen gewandt. Sie berichtet darin von dem Casting für das Stück, bei dem Regisseur Edmund Emge erklärt habe, dass das Stück die Botschaft "Das Boot ist voll" an die Schüler vermitteln solle.

Sie selbst halte das Stück "für politisch motiviert, voll von stereotypen Bildern und geschichtlichen Unwahrheiten, sowie sexistischen, klischeehaften Rollenbildern und Karikaturen". Wissen wolle sie unter anderem, warum ein Theaterstück an Schulen vom Innenministerium in Auftrag gegeben werde - und welche Rolle Bildungs-und Familienministerium dabei spielen würden, und warum am Institut für Afrikawissenschaften "nach 'schwarzen' Amateurschauspielern gesucht, nicht jedoch um Expertenmeinung gebeten" worden sei.

Zusätzlich stellte Agalassinger-Nyalusi die Frage nach der Finanzierung und den arbeitsrechtlichen Bedingungen - ihr Mann, der mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen sei, habe jedenfalls nie einen Vertrag unterschrieben.

"Welt in Bewegung" nennt sich das Stück, das die Agentur "Acting Power" auf Auftrag des Innenministeriums verfasst hat, um kostenlos an Schulen gezeigt zu werden. Nach scharfer medialer Kritik, die im Wesentlichen auf dem bekannt gewordenen Textbuches basierte, war eine öffentliche Aufführung im Weltmuseum Wien im vergangenen März abgesagt worden. Autor und Regisseur Edmund Emge zeigte sich "erschüttert darüber, dass es in Österreich möglich ist, ein Stück zu verurteilen, das man nicht kennt", wie er von der Recherche-Plattform "Addendum" zitiert wird. Andere Beteiligte gaben damals an, sich "völlig missverstanden" zu fühlen.

(APA)

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