Künstler verteidigen Ambros gegen FPÖ, "Schifoan" auf Platz 1

Liedermacher Ambros ortete "viele braune Haufen in der FPÖ", diese konterte mit Kritik am "abgehalfterten Musiker". Fans des Musikers initiierten eine "#ambroschallenge".

Wolfgang Ambros bei einem Konzert in Kufstein 2016
Wolfgang Ambros bei einem Konzert in Kufstein 2016
Wolfgang Ambros bei einem Konzert in Kufstein 2016 – (c) imago/Roland Mühlanger (imago stock&people)

Am bislang heißesten Tag des Jahres erreichte der Song "Schifoan" von Wolfgang Ambros Platz eins der österreichischen iTunes-Charts. Das Revival des 1976 veröffentlichten Lieds könnte jedoch weniger mit Hitze als mit dem medial ausgetragenen Schlagabtausch zwischen dem Musiker und der FPÖ zu tun haben.

Alles Begann mit einem Interview, das Ambros mit der "Süddeutschen Zeitung" führte und das am 6. August veröffentlicht wurde. Darin hatte Ambros "viele braune Haufen in der FPÖ" geortet. Ihm werde "Angst und Bange", wenn er daran denke, "was die österreichische Regierung in den nächsten drei Jahren noch so alles anstellen wird", sagte er.

Die Aussagen lösten Kritik in den freiheitlichen Reihen aus: Generalsekretär Christian Hafenecker bezeichnete Ambros und dessen Kollegen Rainhard Fendrich als "abgehalfterte Musiker", die in der Kritik an der Regierung "wetteifern". Kritik von Künstlern, so Hafenecker weiter, stamme "einzig vonseiten diverser 'Systemgünstlinge', die wohl im fortgeschrittenen Alter um ihre Altersvorsorge in Form von Aufträgen bangen müssen, denn der Lebenswandel in den 70er und 80er Jahren dürfte nicht viel übergelassen haben". Abschließend bot Hafenecker Ambros noch an, sich mit ihm auf ein Bier und ein Gulasch zu treffen, um sachlich zu diskutieren - eine Einladung, die nicht angenommen wurde.

Aufstieg in Austro-iTunes-Charts

Am Mittwoch meldete sich schließlich Ambros' Management zu Wort. "Herr Ambros bezog in den letzten 47 Jahren keine einzige staatliche Subvention", so Manager Peter Fröstl in einem offenen Brief an FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Durch "das politische Wirken Ihresgleichen" würden zudem "Hass und Hetze eine Aufschwung erleben". Außerdem kritisierte Fröstl, dass Ambros neben der blauen Kritik auch Opfer wüster Beschimpfungen via E-Mail und Postkarten geworden sei. 

In den Sozialen Netzwerken wurde daraufhin von Ambros-Fans eine "#ambroschallenge" initiiert, mit dem Ziel, durch möglichst viele Downloads "Schifoan" auf Platz eins der Austro-iTunes-Charts zu pushen. Ein Ziel, das am Donnerstagnachmittag erreicht wurde - und jeden Fan einen knappen Solidaritäts-Euro kostete.

Dolezal: "Lasse mir Kaiser des Austropop nicht anrotzen"

Abgeschlossen ist die Causa damit noch nicht: Am Freitag melden sich weitere Künstler zu Wort. "Wolfgang Ambros hat im SZ-Interview genau das gesagt, wofür er mit seinen Liedern seit fast einem halben Jahrhundert steht. Wenn das jetzt dazu führt, dass sich Menschen zwischen diesen Liedern und einer - tatsächlich unzählige Male braun auffällig gewordenen - Partei entscheiden müssen, dann mache ich mir um den Wolfgang keine Sorgen", sagte Liedermacher Ernst Molden dem "Standard". Und weiter: "Ein paar Nazis könnten sich nach dieser Geschichte schon einsamer fühlen, das wohl."

Produzent Rudi Dolezal meinte in der Tageszeitung "Österreich": "Ich lasse mir den Kaiser des Austropop nicht von inakzeptablen FPÖ-Politikern anrotzen. Wolferl ist so erfolgreich, das wäre so, als ob die FPÖ 40 Jahre lang jede Wahl gewinnt. (...) Was in Österreich nicht passieren darf, ist, dass Künstler und Entrepreneure in der derzeitigen Situation die Gosch'n halten."

>>> Molden im "Standard"

>>> Dolezal in "Österreich"

(APA/Red.)

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