Polizei-Recruiting durch "Events in Zeltfestmanier" - ohne Wirkung?

Die unkonventionellen Rekrutierungsmethoden des Innenministeriums sorgen für Kritik - auch deshalb, weil das Niveau bei den Polizei-Aufnahmeprüfungen enorm gesunken ist.

Die Werbeaktion der Polizei auf der Maturareise "X-Jam" stand unter dem Motto "Mach mit uns die Reise deines Lebens". Das Presseteam des Innenministeriums dokumentierte selbst.
Die Werbeaktion der Polizei auf der Maturareise "X-Jam" stand unter dem Motto "Mach mit uns die Reise deines Lebens". Das Presseteam des Innenministeriums dokumentierte selbst.
Die Werbeaktion der Polizei auf der Maturareise "X-Jam" stand unter dem Motto "Mach mit uns die Reise deines Lebens". Das Presseteam des Innenministeriums dokumentierte selbst. – (c) BMI/Gerd Pachauer

Die Rekrutierungsmaßnahmen der Polizei geraten immer weiter in die Kritik. Neben einer halben Million Euro, die das Innenministerium zur Bewerbung des Polizeidienstes in Inserate investiert hat, stößt auch die Art der Rekrutierungsmaßnahmen nicht nur bei der Opposition sauer auf - sondern auch innerhalb der Polizei. Das berichtet die Tageszeitung "Kurier".

So entstünden "Events in Zeltfestmanier", wie SPÖ-Sicherheitssprecherin Angela Lueger gegenüber der Zeitung die Rekrutierungsveranstaltungen beschreibt, auf denen für den Polizeidienst laut "Kurier"-Bericht mit Luxusfahrzeugen, Gratiszeitungs-Gewinnspielen für eine Fahrt in einer "KTM-Funkstreife", Motocross-Stunts und dem Polizei-Logo zwischen Schnaps- und Kondommarken geworben werde.

In Luegers Augen sei dies "wohl nicht geeignet, das Berufsbild der modernen Polizei mit seinen hohen Standards zu repräsentieren". Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sieht das offenbar anders. Ein "perfektes Rekrutierungsumfeld" sei das, heißt es in der Beantwortung einer parlamentarische Anfrage der Neos-Abgeordneten Stephanie Krisper zum Polizei-Recruiting auf der Maturareise "X-Jam" - perfekt offenbar deswegen, "weil die Veranstaltung mit rund 10.000 Maturantinnen und Maturanten österreichischer Schulen" aufwarten kann. Eine "Partyreise" sei das nicht gewesen, sagte der Kommunikationschef des Innenministeriums dem "Kurier" - immerhin war er mit einer Mitarbeiterin persönlich vor Ort gewesen, wie schon die "Kleine Zeitung" berichtet hatte. Ein "24-Stunden-Dienst" sei das gewesen, sagte er der "Kleinen" damals.

Inserate in Magazin mit "Verschwörungstheorien"

Für Kritik sorgt auch die Inseratenpolitik des Innenministerium für die Polizei. Das Ressort war zuletzt schon wegen seiner Inseratplatzierungen in der Kritik gestanden. So wurde im Mai bekannt, dass das Innenministerium Anzeigen in der rechten Zeitschrift "Alles roger?" schaltete. Dieses Inserat hat 3024 Euro gekostet.

Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage Krispers hervor. Die Neos kritisieren, "dass hier seit Jahren Millionenbeträge für Inserate ausgegeben werden, das aber offensichtlich nichts gegen den Personalmangel bringt". Sie fordern, stattdessen in bessere Arbeitsbedingungen und Ausbildung zu investieren sowie Polizisten von administrativen Aufgaben, für die sie überqualifiziert sind, zu entlasten.

"Für eine solche Stärkung der Basisstrukturen der Polizei sollte der Innenminister das Steuergeld ausgeben anstatt für medienwirksame, aber sinnlose Taskforces wie Puma", meint Krisper, die das Inserat in "Alles roger?" als "höchst problematisch" kritisiert: "Wieso inseriert das Innenministerium ausgerechtet in einem Medium, das Verschwörungstheorien und Fehlinformationen verbreitet? Und zwar ausgerechnet für den für unsere Sicherheit so wichtigen Polizeidienst?"

Niveau bei Aufnahmetests enorm gesunken

Der "Kurier" berichtete kürzlich, dass der Anspruch bei der Aufnahme neuer Polizisten weiter gesenkt worden sei. Demnach sind beim Aufnahmetest 982 Punkte das Maximum. Normalerweise liegt der schlechteste Aufgenommene bei etwa 400 bis 500 Punkten. Bei der aktuellen Aufnahmewelle sollen schon 200 Punkte gereicht haben.

Der sozialdemokratische Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger (FSG) übte zuletzt Kritik an den Rekrutierungsmethoden des Ressorts und zweifelte an, dass "das Resultat dem Aufwand entspricht".

An der mangelnden Werbung dürfte die schwierige Personalsuche jedenfalls nicht liegen, von Jänner bis Ende Mai wurden 476.752 Euro für Inserate ausgegeben. Das meiste Geld (rund 124.000 Euro) ging wie schon 2017 an die Tageszeitung "Österreich", gefolgt von der "Kronen Zeitung" (ca 93.000) und "Heute" (ca. 85.000). Mit einer halben Million in den ersten fünf Monaten liegt man im Schnitt der letzten Jahre. 2017 flossen 1,4 Millionen in Rekrutierungswerbung, 2016 waren es 600.000 Euro, 2015 waren es 1,25 Millionen Euro.

>> Bericht im "Kurier"

>> Bericht in der "Kleinen Zeitung"

(Red./APA)

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