Barrierefreiheit: Fast jeder Siebte ist im Alltag eingeschränkt

15 Prozent der der Österreicher sind im Alltag eingeschränkt - überraschend viele. Volksanwaltschaft und Behindertenanwalt Hansjörg Hofer fordern deshalb die Umsetzung der tatsächlichen Barrierefreiheit.

Rollstuhlfahrerin vor einer Treppe (Symbolbild)
Rollstuhlfahrerin vor einer Treppe (Symbolbild)
Rollstuhlfahrerin vor einer Treppe (Symbolbild) – Die Presse

Volksanwältin Gertrude Brinek (ÖVP) und Behindertenanwalt Hansjörg Hofer haben bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstagvormittag die Umsetzung der Barrierefreiheit bemängelt. Laut einer repräsentativen Umfrage sind 15 Prozent der österreichischen Bevölkerung im Alltag davon betroffen. Die Vertretungen verlangen die Umsetzung der geltenden rechtlichen Bestimmungen.

Für Brinek ist es "allerhöchste Zeit für einen Sinneswandel". Die rechtlichen Grundlagen seien mit dem Behindertengleichstellungsgesetz von 2006 und der UN-Behindertenrechtskonvention von 2008 längst gegeben. Spätestens seit dem 1. Jänner 2016 müssten demnach öffentlich verfügbare Dienstleistungen gleichberechtigt und "ohne jegliche fremde Hilfe" zugänglich sein. Dass dieser Standard oft nicht erfüllt wird, zeige die Zunahme der Beschwerden, insbesondere in den Bereichen öffentlicher Verkehr, Bauen und Wohnen. Probleme gibt es aber auch bei Kulturinstitutionen wie Museen, Universitäten und Gemeindezentren.

"Selbst überrascht, dass es so viele sind"

Laut Hofer bezeichnen sich 15 Prozent der österreichischen Bevölkerung als im Alltag eingeschränkt. Er war "selbst überrascht, dass es so viele sind", gibt aber zu bedenken, dass von Barrieren im Alltag nicht nur als Behinderte anerkannte Personen betroffen sind, sondern auch solche, die zum Beispiel auf Gehhilfen wie Rollatoren angewiesen sind. Diesbezüglich gelte es auch die demografische Entwicklung der Bevölkerung zu bedenken, denn der Anteil der Betroffenen würde dadurch steigen.

Brinek und Hofer stimmen überein, dass Inklusion im Alltag weniger eine Frage der Kosten, denn eine des Bewusstseins sei. Bei umsichtiger Planung wären die Mehrkosten oft minimal und auch in Hinblick auf den Denkmalschutz ließen sich gute Lösungen finden. Die Erfahrung zeige leider, dass sinnvolle Lösungen oftmals an Ignoranz gegenüber den Betroffenen scheitern. Schlimmstenfalls würden in guten Absichten bauliche Maßnahmen gesetzt, die später wieder rückgängig gemacht werden müssen. Diesbezüglich kritisierte Hofer auch, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Barrierefreiheit für Studenten der Architektur freiwillig ist.

(APA)

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