"Vertragswidrig, unsachgemäß": Kanzleramt prüft Causa Gemälde

"In der SPÖ-Zentrale befindet sich nach wie vor wertvolles Eigentum des Bundes, das dorthin ohne jede Berechtigung als Fotokulisse verbracht wurde", kritisiert das Kanzleramt. heute wurde das Bild an das Belvedere zurückgegeben.

Archivbild: Blick vom Oberen auf das Untere Belvedere in Wien
Archivbild: Blick vom Oberen auf das Untere Belvedere in Wien
Archivbild: Blick vom Oberen auf das Untere Belvedere in Wien – (c) REUTERS (Herwig Prammer)

Bundeskanzleramt und Belvedere machen sich an die Aufarbeitung der Gemälde-Affäre um SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda. Der frühere Kulturminister hatte, wie die "Presse" berichtete, eine Leihgabe des Belvederes an das Kanzleramt nach seinem Ausscheiden aus der Regierung in den SPÖ-Klub und in die SPÖ-Parteizentrale mit übersiedelt. Laut Angaben der SPÖ ist das Gemälde "Im Raum drinnen II" des Künstlers Kurt Kocherscheidt heute, Dienstag, an das Belvedere zurückgegangen. "Das Bild wurde abgeholt", teilte die Partei mit.

Das staatliche Museum wurde von Bundeskanzleramt-Generalsekretär Dieter Kandlhofer inzwischen beauftragt, eine Überprüfung des Kunstwerks auf etwaige Beschädigungen durch Restauratoren vornehmen zu lassen, ein weiterer Restaurator wurde vom Bundeskanzleramt mit der Prüfung des 19.000-Euro-Werkes betraut. Das Gemälde diente in der SPÖ-Parteizentrale als Foto-Hintergrund für Interviews (siehe unten) des neuen Bundesgeschäftsführers. Im Bundeskanzleramt vermutet man eine "unsachgemäße" Behandlung des Bildes, "indem es einfach auf den Boden gestellt wurde".

Thomas Drozda vor dem geliehenen Gemälde.
Thomas Drozda vor dem geliehenen Gemälde.
Thomas Drozda vor dem geliehenen Gemälde. – (c) Clemens Fabry (Presse)
Völlig unklar sei auch, ob die Transporte vom Bundeskanzleramt in den SPÖ-Klub und von dort in die SPÖ-Parteizentrale sachgemäß durchgeführt wurden. "Vertragswidrig wurden diese nicht durch von einer vom Belvedere zu bestimmenden, auf Kunsttransporte spezialisierten und zertifizierten Spedition durchgeführt", hieß es aus dem Kanzleramt. Daher sei es notwendig, unverzüglich den Zustand des Bildes feststellen und dokumentieren zu lassen - "auch zur Abwendung allfälliger weiterer Schäden".

Kanzleramt verfasst Protokoll der Causa

Das Bundeskanzleramt hat unter dem Titel "Mehrmaliges, unerlaubtes Verbringen von Bundeseigentum und unsachgemäßer Umgang mit dem Werk" ein Protokoll der Causa angefertigt. Laut dieser Darstellung wurde am 26. Juni 2016 zwischen Belvedere und Bundeskanzleramt ein Leihvertrag für die Dauer von fünf Jahren mit Ausstellungsort Bundeskanzleramt abgeschlossen. In der Schlussphase der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ wurde das Belvedere von einer persönlichen Mitarbeiterin Drozdas darüber informiert, dass der Minister eine Leihgabe mit ins Parlament nehmen möchte. Die zuständige Sektion bzw. Abteilung im Bundeskanzleramt wurde darüber nicht in Kenntnis gesetzt, heißt es in der Unterlage.

Als neuer Vertragspartner für die Leihe wurde dem Belvedere am 11. Dezember 2017, wenige Tage vor der Bildung der neuen türkis-blauen Regierung, Mag. Thomas Drozda angekündigt. "Ein neuer Leihvertrag wurde jedoch nie abgeschlossen, der gültige Vertrag mit dem Bundeskanzleramt niemals verändert. Eine direkte Verleihung an Privatpersonen ist nicht möglich. Trotzdem wird das Werk aus dem BKA entwendet", hält das Kanzleramt zur Causa fest. "Es gibt weiterhin einen aufrechten Leihvertrag zwischen dem Belvedere und dem Bundeskanzleramt." Ob die Übersiedlung des Kunstwerkes von einer auf Kunsttransporte spezialisierten und zertifizierten Spedition durchgeführt und angemessen versichert war, sei weder dem Belvedere noch der zuständigen Sektion im Kanzleramt bekanntgegeben worden. Auch über den Transport in die SPÖ-Parteizentrale im Oktober 2018 wurden Belvedere und die damit befasste Abteilung im Bundeskanzleramt nicht informiert. Dies obwohl der "einzig gültige Vertrag nach wie vor" zwischen Bundeskanzleramt und Belvedere bestehe.

Fazit des Bundeskanzleramts: "In der SPÖ-Zentrale befindet sich nach wie vor wertvolles Eigentum des Bundes, das dorthin ohne jede Berechtigung als Fotokulisse verbracht wurde." Etwaige rechtliche Folgen wollte man im Kanzleramt nicht kommentieren. Drozda selbst betonte zuletzt, dass die Übersiedlung des Gemäldes in den SPÖ-Parlamentsklub mit dem Belvedere abgesprochen, der Transport in die Parteizentrale aber ein Fehler gewesen sei, den er bedauere. Das Bild werde umgehend zurückgegeben, so Drozda.

(APA/Red.)

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