Skinhead Philipp: "Jeden Tag einen Hunderter bekommen"

Philipp, die Hauptperson in der "Am Schauplatz"-Reportage kritisiert die Polizei und die FPÖ. "Heil Hitler" habe niemand gerufen, auch wäre dafür kein Geld geboten worden. Allerdings gab es 100 Euro pro Drehtag.

Skinhead Philip Jeden einen
Skinhead Philip Jeden einen
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Der 19-jährige Philipp, der Hauptprotagonist der "Am Schauplatz"-Reportage über den rechten Rand, betont, dass während der Dreharbeiten nichts abgesprochen war. Weder mit dem Kamerateam noch dem ORF-Redakteur Eduard Moschitz sei vereinbart gewesen, was er vor der Kamera sagen werde. In einem Interview mit der Austria Presse Agentur gibt er aber an, für jeden Drehtag 100 Euro bekommen zu haben. Hier das Interview (redigiert und gekürzt):


Sie haben die fertige Sendung ja gesehen, nehme ich an. Haben Sie das Gefühl, dass das der Realität entspricht?

Philipp: "Ein bisschen etwas war schon "'druckt". Das mit zwei Jahr' Heim und so und Papa nie gesehen, das ist ja a Blödsinn. Ich habe ihn schon öfters gesehen und wir waren nur eineinhalb Jahre im Heim. Aber sonst hat es gepasst."

Entspricht das Ihrem Leben, was hier gezeigt wurde?

Jaja.

Mich würde grundsätzlich einmal interessieren, wie Sie den Redakteur Eduard Moschitz und das "Am Schauplatz"-Team kennengelernt haben.

Ich bin nach Hause gekommen und im Nebenhof war irgendwas mit Wiener Wohnen und der Moschitz war da auch dabei. Und ich habe gerufen: "Scheiß Wiener Wohnen". Dann bin ich nach Hause gegangen. Drei Monate später steht der Moschitz vor der Tür und fangt an: 'He, du hast einen schönen Hund. Was macht der? Und können wir das verfilmen? Willst du da mitmachen bei dem Schauplatz? Und da hab ich dann mitgemacht.

Und dann haben Sie die "Am Schauplatz"-Folge über die Kampfhunde gedreht. Wie ist es zu aktuellen Sendung gekommen?

Er hat gemeint: 'Philipp, du bist ja ein bisserl ein Rechter. Könnten wir das auch verfilmen?' Dann haben wir halt weitergedreht.

Wie heben Sie den Dreh erlebt? Wie funktioniert das. Haben Sie genau besprochen, was Sie reden werden, oder was Sie sagen sollen?

Nein, nein. Ich hab das gesagt, was ich sagen will. Da wurde vorher nichts besprochen.

Wie viele Drehtage haben Sie Ihrer Erinnerung bei der zweiten "Am Schauplatz"-Folge nach gehabt?

Vier, fünf, vielleicht auch sechs

Haben Sie Geld dafür gekriegt?

Ja. Immer am Ende des Tages, einen Hunderter. Ich zumindest. Der Kevin war nicht immer dabei.

Ist das irgendwie begründet worden?

Ich hab einen Zettel bekommen zum Unterschreiben, aber die hat halt niemand. Die hat er immer mitgenommen, der Herr Moschitz.

Wurde das Geld überwiesen oder haben Sie es bar auf die Hand bekommen?

Auf die Hand

Der ORF sagt, dass nur einmal hundert Euro für die Abgeltung der Persönlichkeitsrechte gezahlt wurden.

So wurde das nie besprochen, dass ich nur einmal hundert bekomme und dann nie wieder. Ich habe einfach immer einen Hunderter bekommen. Entweder ist es vom ORF selber oder von seiner Kasse. Das weiß ich nicht. Ich habe immer was unterschrieben und habe einen Hunderter bekommen. Insgesamt drei, vierhundert. Ein Mal war es ein Fünfziger.

Kevin sagt im Interview mit dem "Kurier", Sie hätten hundert Euro pro Drehtag plus Spesen bekommen.

Das war zwar nie ausgemacht das Ganze. Auch nicht die hundert Euro pro Tag. Am Anfang hat es geheißen: 'Da kannst du ein Geld verdienen. Philipp, machst du mit?' Schon beim Hund (der Reportage über Kampfhunde, Anm.) hat es geheißen: 'Machst du mit, kannst ein Geld verdienen.' Das mit Essen und so, das ist automatisch gekommen: Wenn du kein Geld einstecken hast und der Moschitz sagt: "Gehen wir Mittagessen, machen wir Pause.' Wie willst du das zahlen? Das zahlt auch er.

"Kevin war beim Einkaufen nicht dabei"

Kevin sagt "Kurier"-Interview auch, dass Sie vom "Am Schauplatz"-Team eingekleidet worden seien.

Er kann das gar nicht sagen, weil er war gar nicht dabei, als wir einkaufen waren. Einmal waren wir einkaufen. Da habe ich schon fünfzig Euro gekriegt, da hab ich mir zwei Leiberl gekauft und eine Fahne.

Es war aber nicht so, dass er gesagt hat: "Das und das zieht ihr euch an"?

Wir haben es uns halt aussuchen können. Es wurde nicht bestimmt ausgedrückt, was ich anziehen soll.

Wodurch der Wirbel entstanden ist, war der Umstand, dass Sie zu der FPÖ-Parteiveranstaltung nach Wiener Neustadt gefahren sind. Wer hat die Idee dafür gehabt?

Das habe ich gesagt und nicht der Moschitz. Ich habd zu ihm gesagt: Mach dich schlau, wo wird die nächste Veranstaltung sein? Und er hat gesagt ja, das können wir machen.

Auf wie vielen Parteiveranstaltungen mit dem FPÖ-Chef waren Sie schon?

Auf zwei insgesamt. Am Viktor-Adler-Markt 2009 und in Wiener Neustadt.

Haben Sie das Gefühl, dass diese Stelle, bei der Sie auf dieser FPÖ-Veranstaltung in Wiener Neustadt waren, in irgendeiner Form eine Inszenierung darstellt? Oder hat das "Am Schauplatz"-Team eingefangen, was dort realistisch passiert wäre, wenn Sie ohne ORF hingefahren wären?

Das wäre auch so gewesen, halt ohne den Stress mit dem Strache. Das wäre normal: Wir gehen hin, wir reden und sagen ihm unsere Meinung. Untereinander, das muss ja nicht jeder hören. Und dann wären wir wieder gegangen. Auf ein Bier am Schluss und nach Hause.

Nie "Sieg Heil" oder "Heil Hitler" gerufen

Strache behauptet, Sie hätten bei der Begegnung "Sieg Heil" oder "Heil Hitler" gerufen. Hat einer von Ihnen beiden irgendetwas in der Form gesagt?

Nein. Niemand hat es gesagt, niemand hat es gehört. Strache behauptet, es gehört zu haben. Alle anderen seiner Freunde sagen, sie haben es gehört. Wie soll es jeder gehört haben, wenn es niemand gesagt hat?

Hat Sie der "Am Schauplatz"-Redakteur in irgendeiner Form aufgefordert, neonazistische Sprüche zu sagen?

Nein, das hat er uns nicht vorgeschlagen. Und auch keine 80 Euro pro Wort oder so. Das ist auch ein Blödsinn, das haben sie erfunden.

Wie ist die Einvernahme bei der Polizei verlaufen? Wann sind Sie einvernommen worden?

Beim Kevin war es angeblich so: Die sind mit ihm am Montag danach vom zehnten Bezirk hinaus nach Vösendorf in eine Polizeizentrale gefahren und haben ihn dort vier Stunden einvernommen. Am Montag hat mich der Kevin angerufen und hat gesagt: 'Die Polizei ist jetzt auf dem Weg zu Dir'. Am Montag oder Dienstag hat die Polizei bei mir um 21.30 Uhr angeklopft und gesagt, ich wäre Zeuge. Danach hat es geheißen, ich bin Beschuldigter.

Die Polizei ist mit uns in den zwölften Bezirk zu einer Polizeistation gefahren. Da haben sie zuerst meine Freundin einvernommen, was eine Stunde und 20 Minuten gedauert hat. Nach einer Stunde habe ich mich schon gewundert, warum das so lange dauert. Dann ist ein Beamter herausgekommen hat gesagt: 'Deine Freundin war am Anfang schwer zu knacken, sie wollte nicht reden.' Mir wollten sie Sachen unterjubeln, die nicht stimmen. Ich sollte etwas aussagen, was nicht stimmt. Das haben sie beim Kevin gemacht und bei meiner Freundin auch. Die hat fast zum Weinen angefangen. Weil sie gesagt haben, ich bekomme zehn Jahre und so, wenn sie nicht zustimmt. So haben sie das zwar nicht ausgedrückt, aber sie haben sich einfach wiederholt. Sie haben gesagt: 'Deine Aussage kann nicht stimmen, weil das und das und das.' Dann hat sie nur mehr 'Ja, Ja, Ja und Ja' gesagt. Damit ist ihre Aussage und die vom Kevin falsch. Aber mit den protzen jetzt alle. Sie protzen mit einer Aussage, die falsch ist.

Was haben Sie ausgesagt?

Ich habe das Gegenteil ausgesagt: Dass wir nicht pro Sager Geld kriegen, dass wir nicht nur dorthin gefahren sind, um Stress zu machen. Dass ich das 'Wort' (gemeint ist ein neonazistischer Sager, Anm.) nicht gehört habe und auch selbst nicht gesagt habe. Dann haben sie gesagt: 'Ja, aber das kann nicht sein, wir wissen was anderes. Deine Aussage stimmt nicht überein mit den anderen.' Aber das passt, das soll auch nicht übereinstimmen, weil die Aussagen von den beiden erzwungen sind, und meine ist die Wahrheit. Danach wollten wir gleich zur nächsten Polizei gehen und die anzeigen.

"Die Partei gehört verboten"

Wie beurteilen Sie das, was die FPÖ behauptet?

Das sind einfach "falsche Hund'". Die Partei gehört verboten. Alle Politiker gehören verboten. Die ganzen Gerüchte kommen ja hauptsächlich von ihnen. Und da weiß man schon, wer falsch ist. Und zwar ist die FPÖ falsch.

Glauben Sie, dass der ORF die Tonspur manipuliert hat?

Nein. Hat er nicht. Kann nicht sein, weil es keinen Grund dazu gäbe. Für den Vorfall in Wiener Neustadt gibt es keinen Grund, weil das nicht gesagt worden ist.

 

(APA (Philipp Wilhelmer))

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