"Kein Geld, aber Herzblut": Grüne wählen Kogler und Wiener zu EU-Kandidaten

Die Grünen haben auf dem Bundeskongress am Samstag Werner Kogler zu ihrem EU-Spitzenkandidaten gewählt. Die TV-Köchin Sarah Wiener tritt als Listenzweite an. Der grüner Bundessprecher will die EU-Wahl zur "Klimawahl" machen.

BUNDESKONGTESS DER GRUeNEN: KOGLER
BUNDESKONGTESS DER GRUeNEN: KOGLER
Werner Kogler beim Bundeskongress der Grünen. – APA/HERBERT PFARRHOFER

Die Grünen haben beim Bundeskongress am Samstag wie erwartet ihren Bundessprecher Werner Kogler zum Spitzenkandidaten für die EU-Wahl im Mai gekürt. Kogler, der ohne Gegenkandidaten für Platz eins der Liste kandidiert hatte, wurde von 98,6 Prozent der Delegierten gewählt.

Kogler bekam 216 von 223 abgegeben Stimmen. Vier Stimmen waren ungültig. "Ja, ich nehme die Wahl an. Ich setze auf euch. Ich werde mir nicht jeden Finger ausreißen, aber ziemlich viele. Das erwarte ich auch von der Bewegung", sagte er nach Bekanntgabe des Ergebnisses.

Als Listenzweite haben die Grünen Sarah Wiener gekürt. Die bekannte TV-Köchin, die als einzige für den zweiten Platz kandidiert hatte, wurde mit 95 Prozent Stimmanteil der Delegierten gewählt.

Wiener begründete ihre Kandidatur für die Grünen damit, dass diese "ja wohl die einzige Bewegung sind, wo es wirklich um den Menschen geht". Sie könne sich nicht vorstellen, dass so eine Partei nicht im EU-Parlament sein könnte oder nur knapp auf einem halben Fuß. "Ich finde sowieso, unser Ziel muss sein, drei Mandate mindestens."

Sie trete für eine Lebensmittelwende und eine nachhaltige Landwirtschaft ein. Wiener plädierte außerdem dafür, nicht mehr vom "Klimawandel" zu sprechen. "Sondern es ist eine Klimakatastrophe, die wie ein Komet auf uns zustürzt", sagte sie. Aber auch einer möglichen "Zersplitterung" Europas wolle sie entgegentreten.

"Kein Klimaschutz ist teuer"

Zuvor hatte Kogler in seiner Rede wenig überraschend den Umweltschutz in den Mittelpunkt gestellt. "Machen wir die Wahl zur Klimawahl", sagte er in seiner rund einstündigen Ansprache, für die er Standing Ovations erntete.

"Wir lassen uns diesen Planeten nicht von den Rechten fladern", sagte Kogler. "Wenn sie schon mit Fehdehandschuhen herumschmeißen, die Schmissigen, dann nehmen wir ihn doch", meinte er launig in Anspielung auf den blauen Spitzenkandidaten Harald Vilimsky, der dem ÖVP-Kandidaten Othmar Karas in einer Rede den "Fehdehandschuh" hingeworfen hatte.

Die Wahlen zum Europäischen Parament seien eine der wichtigsten in Sachen Klimaschutz. Es geht um nicht weniger als um den Umstieg vom Fossilzeitalter auf das Solarzeitalter. "Wenn argumentiert wird, Klimaschutz ist teuer, können wir nur antworten: Kein Klimaschutz ist noch viel teurer", betonte er.

Kogler kritisierte auch die österreichische Bundesregierung für Versäumnisse in der Klimapolitik: "Das ist Unterlassungstäterschaft, nicht weniger werfen wir der türkis-blauen Bundesregierung vor." Er frage sich, wie es dazu kommen könne, "dass wir so einen jungen Kanzler haben, der so zukunftsvergessen ist".

Auch die europäischen Werte wie Freiheit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Menschenrechte und Minderheitenschutz seien "einem mehrfachen Angriff" ausgesetzt: "Von den alten Nationalisten, die wieder hervorkriechen. Und dazu gesellen sich die neuen Rechtsextremen", warnte Kogler. "Es wird eine Gegenbewegung geben, die versucht, Europa zu schützen", versprach er. "Wir haben kein Geld, wir haben wenig Mitarbeiter, aber wir haben Herzblut und Überzeugung."

(APA)

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