Herbert Kickl: Vom langjährigen FPÖ-General zum Kurzzeitminister

Herbert Kickl mischte in jedem blauen Wahlkampf mit, hielt als Generalsekretär die Zügel in der Hand und nahm zuletzt im Innenministerium Platz - markige Sprüche inklusive.

Aufgewachsen in einer eher unpolitischen Arbeiterfamilie in Kärnten wurde er als Redenschreiber von Jörg Haider bekannt. Als Heinz-Christian Straches Mastermind wurde er sodann politisch groß – so groß, dass er zuletzt im Innenministerium Platz nahm: Die Rede ist von Herbert Kickl, der - als Folge des "Ibiza-Skandals" um Strache - sein Ressort räumen muss. Geschlagen geben will er sich deswegen aber nicht - und auch die FPÖ halt an ihrem langjährigen General fest.

Ein Blick auf den Werdegang des Freiheitlichen.

imago images / SKATA

Seit Strache in den Wirren der BZÖ-Gründung die FPÖ übernommen hatte, war Kickl aus dem freiheitlichen Führungszirkel nicht mehr wegzudenken. Keine der Wahlkampagnen ("Daham statt Islam" oder "Pummerin statt Muezzin") seither trug nicht den Stempel des reimfreudigen Kärntners, keine Personalentscheidung und keine strategische Weichenstellung wurde ohne sein Zutun gefällt. War einmal Unerfreuliches zu erledigen, etwa die Salzburger FPÖ-Spitze abzusetzen, exekutierte Kickl gemeinsam mit dem bisherigen Parteivize Norbert Hofer (der nun statt Strache an die Parteispitze nachrückt) die entsprechenden Beschlüsse der Parteispitze.

REUTERS

Seine Zeit (seit Dezember 2017) im Innenministerium nutzte Kickl sodann, um den Weg für eine berittene Polizei zu ebnen, die Grenzkontrollen zu verlängern, Erstaufnahmezentren für Flüchtlinge in Ausreisezentren umzuwandeln und die Asylbestimmungen zu verschärfen.

Wobei er auch um markige Sprüche nicht verlegen war, etwa, wenn er davon sprach, Flüchtlinge "konzentrieren" zu wollen oder er konstatierte, dass das Recht der Politik folgen müsse.

APA/ROBERT JAEGER

Am meisten Aufsehen erregte Kickl während seiner kurzen Amtszeit mit der sogenannten BVT-Affäre, die in einer später rechtlich für illegal erklärten Hausdurchsuchung im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung gipfelte. Versuche, Behördenchef Peter Gridling aus dem Amt zu bekommen, scheiterten. Der internationale Ruf des österreichischen Verfassungsschutzes litt ungeachtet dessen gehörig. Ausländische Dienste reduzierten offenbar die Zusammenarbeit auf das Notwendigste.

REUTERS

Ebenfalls umstritten war Kickls Entscheidung, seinen Vertrauten Peter Goldgruber als Generalsekretär im Ressort einzusetzen. Der Versuch, Goldgruber im Mai noch zum Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit zu befördern, scheiterte jedoch: Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterzeichnete die Ernennung nicht.

APA/HANS PUNZ

Zurück zum Thema Flüchtlinge/Migration: Wiewohl Kickl in der Ausländerpolitik immer den blauen Kurs teilte, zählte er nicht zum Ideologen-Flügel der FPÖ. Speziell die Burschenschafter in den freiheitlichen Reihen waren ihm tendenziell suspekt. Dafür hatte er keine Berührungsängste zu Rechtsaußenparteien auch auf internationalem Feld. So war Kickl im Jahr 2016 Gastredner bei einem Kongress der "Verteidiger Europas" in Linz, ein Auftritt, der ihm bis heute gerne von politischen Gegnern vorgeworfen wird.

APA/ROLAND SCHLAGER

Zur Person:

Herbert Kickl, geboren am 19. Oktober 1968 in Villach, verheiratet, ein Sohn. Studium der Philosophie, Geschichte, Publizistik, Politikwissenschaft, kein Abschluss. Geschäftsführer der Freiheitlichen Akademie von 2002-2006. Generalsekretär der FPÖ seit 2005, ab 2006 Nationalratsabgeordneter. Mit Dezember 2017 Innenminister.

breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Aufgewachsen in einer eher unpolitischen Arbeiterfamilie in Kärnten wurde er als Redenschreiber von Jörg Haider bekannt. Als Heinz-Christian Straches Mastermind wurde er sodann politisch groß – so groß, dass er zuletzt im Innenministerium Platz nahm: Die Rede ist von Herbert Kickl, der - als Folge des "Ibiza-Skandals" um Strache - sein Ressort räumen muss. Geschlagen geben will er sich deswegen aber nicht - und auch die FPÖ halt an ihrem langjährigen General fest.

Ein Blick auf den Werdegang des Freiheitlichen.

imago images / SKATA

Seit Strache in den Wirren der BZÖ-Gründung die FPÖ übernommen hatte, war Kickl aus dem freiheitlichen Führungszirkel nicht mehr wegzudenken. Keine der Wahlkampagnen ("Daham statt Islam" oder "Pummerin statt Muezzin") seither trug nicht den Stempel des reimfreudigen Kärntners, keine Personalentscheidung und keine strategische Weichenstellung wurde ohne sein Zutun gefällt. War einmal Unerfreuliches zu erledigen, etwa die Salzburger FPÖ-Spitze abzusetzen, exekutierte Kickl gemeinsam mit dem bisherigen Parteivize Norbert Hofer (der nun statt Strache an die Parteispitze nachrückt) die entsprechenden Beschlüsse der Parteispitze.

REUTERS

Seine Zeit (seit Dezember 2017) im Innenministerium nutzte Kickl sodann, um den Weg für eine berittene Polizei zu ebnen, die Grenzkontrollen zu verlängern, Erstaufnahmezentren für Flüchtlinge in Ausreisezentren umzuwandeln und die Asylbestimmungen zu verschärfen.

Wobei er auch um markige Sprüche nicht verlegen war, etwa, wenn er davon sprach, Flüchtlinge "konzentrieren" zu wollen oder er konstatierte, dass das Recht der Politik folgen müsse.

APA/ROBERT JAEGER

Am meisten Aufsehen erregte Kickl während seiner kurzen Amtszeit mit der sogenannten BVT-Affäre, die in einer später rechtlich für illegal erklärten Hausdurchsuchung im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung gipfelte. Versuche, Behördenchef Peter Gridling aus dem Amt zu bekommen, scheiterten. Der internationale Ruf des österreichischen Verfassungsschutzes litt ungeachtet dessen gehörig. Ausländische Dienste reduzierten offenbar die Zusammenarbeit auf das Notwendigste.

REUTERS

Ebenfalls umstritten war Kickls Entscheidung, seinen Vertrauten Peter Goldgruber als Generalsekretär im Ressort einzusetzen. Der Versuch, Goldgruber im Mai noch zum Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit zu befördern, scheiterte jedoch: Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterzeichnete die Ernennung nicht.

APA/HANS PUNZ

Zurück zum Thema Flüchtlinge/Migration: Wiewohl Kickl in der Ausländerpolitik immer den blauen Kurs teilte, zählte er nicht zum Ideologen-Flügel der FPÖ. Speziell die Burschenschafter in den freiheitlichen Reihen waren ihm tendenziell suspekt. Dafür hatte er keine Berührungsängste zu Rechtsaußenparteien auch auf internationalem Feld. So war Kickl im Jahr 2016 Gastredner bei einem Kongress der "Verteidiger Europas" in Linz, ein Auftritt, der ihm bis heute gerne von politischen Gegnern vorgeworfen wird.

APA/ROLAND SCHLAGER

Zur Person:

Herbert Kickl, geboren am 19. Oktober 1968 in Villach, verheiratet, ein Sohn. Studium der Philosophie, Geschichte, Publizistik, Politikwissenschaft, kein Abschluss. Geschäftsführer der Freiheitlichen Akademie von 2002-2006. Generalsekretär der FPÖ seit 2005, ab 2006 Nationalratsabgeordneter. Mit Dezember 2017 Innenminister.