"Missverständnis": Bierlein und ihr Kontakt zu Kurz

Erst meinte die Kanzlerin weder persönlichen noch telefonischen Kontakt mit Sebastian Kurz zu pflegen. Nun korrigiert sie sich: Sie stehe im „laufenden telefonischen Kontakt“.

Kanzlerin Brigitte Bierlein
Kanzlerin Brigitte Bierlein
Kanzlerin Brigitte Bierlein – (c) Reuters

Es hätte um die (Verwaltungs-)Arbeit der Übergangsregierung bis zu den Neuwahlen im Herbst gehen sollen. Tatsächlich drehte sich das erste  Hintergrundgespräch von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein mit österreichischen Chefredakteuren und Innenpolitikjournalisten am Dienstag dann aber doch vor allem um einen: Sebastian Kurz. Sie sei um Distanz zu dem ÖVP-Obmann und Ex-Regierungschef bemüht, ließ sie durchblicken - um, als die Medienvertreter Stunden später ihre Berichte verfasst hatten, von einem „Missverständnis“ zu sprechen.

Der Reihe nach: Bierlein wurde bei dem Hintergrundgespräch am Dienstag gefragt, ob sie Kontakt zu ihrem Vorgänger habe. „Nein“, antwortete sie. Weder persönlich noch telefonisch noch per SMS. Weshalb? „Ich wollte nicht, dass wir die türkis-blaue Regierung einfach nur fortführen“, lautete ihre Antwort. Ob sie Angst habe, es könnte der Eindruck entstehen, sie stünde unter der Kuratel von Kurz? Ja, so würde sie das auch formulieren, meinte die Bundeskanzlerin. Und: „Ich denke mir, diese Regierung ist nicht mehr vorhanden.“ 

Daher habe sie auch den bisherigen Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal durch Alexander Winterstein ersetzt, fügte Bierlein dann noch hinzu: „Er war das Gesicht der türkis-blauen Regierung, und das wollte ich vermeiden.“ Das war am Vormittag.

Gegen Mittag vermeldete die Austria Presse Agentur sodann, dass Bierlein Kurz nun doch „bald“ treffen werde. Und dass es, gemäß eines Sprechers der Regierungschefin, ein „konstruktives“ Verhältnis zum jungen Altkanzler gebe.

Und dann kam der Abend. Um 21:18 Uhr griff Bierlein das Thema neuerlich auf und ließ via Aussendung mitteilen, dass es sich bei den Berichten über ihr Verhältnis zu Kurz wohl um ein „etwaiges mediales Missverständnis“ handeln dürfte. Sie pflege nämlich ein „gutes Einvernehmen“ mit Kurz, wie auch zu allen anderen Parteichefs. Man werde „diesen Dialog fortsetzen“, wurde betont. Und angemerkt, dass die Kanzlerin mit Kurz „das erste Gespräch mit einem Parteienvertreter zur Regierungsbildung geführt“ habe.

Kameras abgelehnt

Vor ihrer Angelobung wurde überdies „eine professionelle Übergabe der Regierungsgeschäfte“ durchgeführt. Schlusssatz: „Die Bundeskanzlerin steht seitdem im guten laufenden telefonischen Kontakt und freut sich auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ 

Detail am Rande: Von der Amtsübergabe von Kurz an Bierlein gibt es keine TV-Bilder. Kameras, so erfuhr die „Presse“ aus dem Bundeskanzleramt, habe Bierlein nämlich abgelehnt.

(Red.)

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