Clubbing wie bei James Bond

Wo Vater und Sohn Pröll ein bisschen feierten, der Consigliere der Mafia nie wohnen durfte und sich Electric Indigo kurz alt fühlte. Nur kurz.

Clubbing James Bond
Clubbing James Bond
APA

Würde die Idee Schule machen, hätte Österreich womöglich irgendwann sogar ein modernes Image. Von Österreichs diplomatischem Dienst ganz zu schweigen. Österreichs Botschafter in Israel, Michael Rendi, öffnete am Mittwochabend seine Residenz in Tel Aviv und lud ein paar hundert mehr oder weniger Jugendliche zu einem Theodor-Herzl-Clubbing ein.

Hintergrund seiner Partyidee ist nicht nur, PR für Österreich in Sachen Tanz- und DJ-Kultur zu betreiben, sondern die dritte und vierte Generation von ursprünglich aus Österreich stammenden israelischen Familien zu erreichen. Diese jungen Israelis, die das Land ihrer Großeltern nur vom Hörensagen, in Zusammenhang mit der Flucht oder Ermordung ihrer Vorfahren in der NS-Zeit, kennen, sollen dabei das junge Österreich kennenlernen.

Da fühlte sich DJ Electric Indigo fast überfordert: „Ich bin doch längst nicht mehr jung, da gibt es ganz andere“, meinte die 44-Jährige, die mit „bürgerlichem“ Namen Susanne Kirchmayr heißt. An den Turntables merkte man davon später jedenfalls nichts.


Das Wiener DJ-Wunder kennen immerhin viele junge Israelis, auch Namen wie Kruder und Dorfmeister sind hier vielleicht die Spur bekannter als anderswo. Electric Indigo lächelte auch noch tapfer, als Josef Pröll für die Kameras den Ko-DJ mimte. Tanzen musste er nicht, oder besser: durfte er nicht, die Fußverletzung ist noch nicht sehr lange her.

Während man den Vizekanzler an Entourage und schwarzem Anzug leicht erkannte, ging es den Besuchern mit dem Botschafter nicht immer so. Im Casual Outfit stellte Rendi sich immer vor: „Guten Abend, unterhalten Sie sich gut. Ich bin übrigens der Botschafter hier.“

Pröll traf beim Clubbing auf seinen Sohn Alexander, der zeitgleich zum Staatsbesuch ein Flugticket zum 20.Geburtstag geschenkt bekommen hatte. (Andere 20-Jährige hätten unter Umständen ein Problem damit, eine Partyeinladung zu bekommen, auf der der eigene Vater als Ehrengast geführt wird. Pröll junior offenbar nicht.)

Ob Rendi für seine Residenz in Israel zu beneiden ist, hängt von der Sichtweise ab. Das von Mafia-Consigliere Meyer Lansky in Auftrag gegebene Haus in Herzlia schaut aus wie der ideale Schauplatz für einen „James Bond“. Einer von den ganz alten. Nachdem Meyer Lansky auf Druck der USA nicht in Israel leben durfte, kaufte die Republik Österreich Anfang der 70er diesen kleinen absurden Klassiker der Architektur-Moderne. Die exklusive Bauweise mit Beton und die Reduktion von Fensterfläche sorgen allerdings für Kälte im Winter und Hitze im Sommer – das aber nur nebenbei. Botschafter Rendi und seine Familie gehören definitiv zur Fraktion der Architekturanhänger.

Einen Wien-Flug gab es auch zu gewinnen: Die Teilnehmer an der Verlosung mussten Fragen zu Theodor Herzl beantworten. Nein, leider nicht, bei welcher Zeitung er schrieb, sondern etwa, wen er in der Früh in der Bäckerei in Wien anlächelte. Nein, nicht die Bäckerin, sondern Sigmund Freud, den Berggassengrätzel-Bewohner. Die drei Fragen hatten nur neun richtig beantwortet. Und Pröll und Co. mussten zugeben, dass sie sich ganz ohne Google auch nicht sicher dabei gewesen waren. Später kam ganz klassisch sogar kurz die Polizei zwecks besserer Musikdosierung vorbei. Nein, da war der Minister schon weg.

DJ Pröll: Staatsbesuch und Clubbing in Israel

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2010)

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