Kommende Köpfe in der Politik: Die Generation Rudas

31.12.2010 | 11:39 |  von Oliver PINK (Die Presse)

Laura Rudas' Einfluss wird weiter steigen – solange Werner Faymann SPÖ-Chef ist. In ihrem Gefolge könnten auch noch andere Karriere machen: Nikolaus Pelinka, Nedeljko Bilalic und Raphael Sternfeld.

Als Laura Rudas mit 18 Jahren daranging, die „Jungen Roten“ zu gründen, eine pragmatischere Spielart der Sozialistischen Jugend, die die Jugendlichen da abholen wollten, wo sie wirklich waren– in der Diskothek zum Beispiel –, bekam sie des Öfteren zu hören: „Mach's doch wie der David Brenner in Salzburg!“ (Siehe Porträt nebenan.)

Dieser hatte es in Salzburg so gemacht: raus aus den rein intellektuellen, mitunter etwas versponnenen Jugendzirkeln, in denen Karl Marx rauf und runter dekliniert wurde. Hinein in die Discos und Lokale. Nicht nur der Inhalt muss passen, sondern auch die Verpackung, sprich der Verkauf.

Laura Rudas hat das beherzigt. Und bis dato eine atemberaubende Karriere hingelegt. Und das wird so bleiben, solange Werner Faymann SPÖ-Chef ist. Denn ihr politisches Schicksal ist eng mit jenem des amtierenden SPÖ-Vorsitzenden verbunden. Im Nationalratswahlkampf 2008 hatte sie den neuen roten Spitzenkandidaten auf allen Wahlveranstaltungen quer durch Österreich begleitet. Wenig später wurde sie im Alter von nur 27 Jahren SPÖ-Bundesgeschäftsführerin.

Entdeckt wurde Laura Rudas von Faymanns Ehefrau Martina Ludwig, die damals in der Wiener SPÖ für den Jugendbereich zuständig war. Sie engagierte Rudas für Jugendprojekte. In der Folge wurde sie von Stadträtin Renate Brauner protegiert, auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl und der damalige Stadtrat Werner Faymann unterstützten sie. Mit 22 war Laura Rudas Gemeinderätin in Wien.

Ihre Basis hat sie im 15. Wiener Gemeindebezirk, von wo aus sie sich mit ihren „Jungen Roten“ zum (kurzen) Marsch durch die Institutionen aufmachte. Auch die Mitglieder der Rudas-Clique haben mittlerweile Karriere gemacht beziehungsweise werden dies in den kommenden Jahren noch verstärkt tun. Zu – eher zweifelhafter – Bekanntheit hat es bereits Nikolaus Pelinka gebracht. Wie Laura Rudas ebenfalls aus bekanntem politischen Haus, führt er in ihrem Auftrag am Küniglberg den roten Freundeskreis im ORF an. Geschickt hat Pelinka Schritt für Schritt sein Netzwerk erweitert und sich in jungen Jahren – er ist erst 24 – eine Machtposition in der Sozialdemokratie erarbeitet. Im ORF geht ohne Pelinka mittlerweile wenig. Frühere Kaliber wie Elmar Oberhauser werden dies aus leidvoller Erfahrung bestätigen können.

Vorzeige-Migrant. Auch Nedeljko Bilalic, mit Rudas in Rudolfsheim-Fünfhaus politisch großgeworden, steht noch nicht am Ende der Karriereleiter. Derzeit ist der umgängliche, sehr zielorientierte Sohn eines Bosniers und einer Serbin Kommunikationschef der Bundes-SPÖ. Er ist damit einer der Vorzeigebeispiele für aufstiegshungrige Migranten der zweiten Generation. „Der wird noch ordentlich Karriere machen“, prophezeit ein einflussreicher Sozialdemokrat.

Raphael Sternfeld, Sohn aus jüdischem Haus, ist ebenfalls viele Jahre mit Rudas und Pelinka netzwerkend und wahlkämpfend um die Häuser gezogen. 2006 organisierten sie die Jugendkampagne im Rahmen des „Change '06“-Wahlkampfs für Alfred Gusenbauer. Von diesem Trio ist Sternfeld – hierarchisch betrachtet – noch am wenigsten weit gekommen. „Aber er ist eine große Gegenwarts- und Zukunftshoffnung“, sagt Laura Rudas. Derzeit arbeitet Sternfeld im Internationalen Sekretariat der SPÖ in der Löwelstraße und ist Bezirksrat in der Josefstadt. Dort war er im heurigen Jahr auch Spitzenkandidat bei der Bezirksratswahl. Gewonnen hat allerdings die ÖVP-Kandidatin. Noch hören wird man möglicherweise auch von zwei anderen Laura-Rudas-Mitstreitern: dem Wiener SPÖ-Gemeinderat Peko Baxant und ihrer Büroleiterin Merja Biedermann.

Realistin, nicht wirklich links. Laura Rudas ist machtbewusst, aber selten wirklich unangenehm. Obwohl sie in der Öffentlichkeit mitunter wie ein trotziger Teenager wirkt, handelt sie bedacht und geschickt, spannt ihr Netzwerk ein und bleibt persönlich verbindlich. Sie ist keine selbstgerechte, linksintellektuelle Überfliegerin, sondern einigermaßen geerdet, dafür sorgt schon ihr großer, weit über die SPÖ hinausreichender Freundeskreis. Für linke Fantastereien – gerade auch in der Zuwanderungsfrage – hat sie wenig übrig, beim Kopftuch ist sie sogar relativ strikt. Dagegen nämlich. Obwohl sie das coram publico natürlich nie so deutlich artikulieren würde.

Die Generation Rudas in der SPÖ zeichnet sich durch einen deutlichen Hang zum Networking und Pragmatismus aus. Ideologie ist weitgehend Nebensache und kommt höchstens bei „antifaschistischen“ Sonntagsreden zum Ausdruck. Die Generation Rudas hat endgültig ihren Frieden mit dem Kapitalismus gemacht. Shopping ist nicht mehr verwerflich, Diskotheken sind kein Feindesland, Karrieredenken ist absolut erwünscht. „Der kommende Aufstand“, den radikale linke Denker in Westeuropa in ihrem gleichnamigen Pamphlet schon heraufdräuen sehen – oder sich dies zumindest wünschen –, lässt die Generation Rudas ziemlich kalt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2011)

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