Wikileaks: Was US-Beamte von Strache halten

Neue Wikileaks-Dokumente protokollieren Treffen mit einem "zynischen" FP-Chef und einem verärgerten Altkanzler Schüssel. Minister Darabos werde in den eigenen Reihen als "unfähig" bezeichnet.

Wikileaks USBeamte Strache halten
Wikileaks USBeamte Strache halten
(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Eine neue Welle an Wikileaks-Material wird in den nächsten Tagen über Österreich hereinbrechen. Dem Nachrichtenmagazin "News" wurden von Julian Assanges Enthüllungsplattform die US-Depeschen über Österreich zugespielt. Am Mittwoch veröffentlichte das Magazin erste Vorab-Meldungen. Neben Enthüllungen zu österreichischen Waffendeals mit dem Iran wird darin auch protokolliert, was die US-Beamte von heimischen Politikern halten - oder von ihnen erfahren haben.

  • Treffen mit Strache

Am 8. Dezember 2007 kam es demnach zu einem Treffen zwischen einer von Heinz-Christian Strache angeführten FPÖ-Delegation und US-Beamten.

Im Protokoll wird verzeichnet, dass der FP-Klubdirektor Norbert Nemeth "geschliffener und intellektueller" aufgetreten sei als der FP- Abgeordnete Harald Vilimsky, berichtet "News". Strache wiederum habe sich als "nationalkonservativer und zynischer Politiker" präsentiert. "Die FPÖ wird niemals das Recht eines Landes kritisieren, die Todesstrafe zu verhängen": Mit diesen Worten soll der FPÖ-Chef die US-Beamten begrüßt haben.

Dass Strache meinte, er habe eine "gemeinsame Position mit den USA zu den Muslimen", stieß den US-Beamten offenbar sauer auf, berichtet das Magazin. In ihrem Fazit schrieben die Beamten demnach, dass ein weiterer Dialog mit der FPÖ "wenig Gewinn bringend" sein werde. Speziell Vilimskys "formelhafte Wortmeldungen" würden belegen, dass es der Partei an qualifizierten Führungskräften mangle, zitiert "News" aus den Protokollen.

  • Schüssel beschwert sich

Ex-Kanzler Schüssel habe sich im April 2007 bei der damaligen US-Botschafterin Susan McCaw über die Anti-Eurofighter-Kampagne der SPÖ beschwert. Die Kampfflieger seien für ihn "eine Frage des Prinzips".

Er selbst habe im letzten Wahlkampf für dieses Prinzip "einen sehr, sehr hohen Preis
bezahlt". Schüssel bittet dann "nicht zitiert" zu werden und nennt Norbert Darabos "eine echte Enttäuschung als Verteidigungsminister".

  • "Darabos unfähig"

Darabos selbst wird von österreichischen Militärs, die Kontakt mit US-Beamten halten, in den Protokollen laut "News"-Vorabbericht angeschwärzt. Zitat: "Militärische Kontakte beschweren sich bei uns, dass er unfähig, vielleicht auch unwillig ist, das Budget für das Militär zu steigern. Er wird als ein ambitionierter Politiker beschrieben, der gegen seinen Willen auf einen in Österreich weniger wünschenswerten Ministerposten abgeschoben wurde."

(Red.)

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