Aus fünf mach sieben: Zwei Modelle für die „Krone“

Warum Verteidigungsminister Norbert Darabos sieben Bundesheer-Modelle durchrechnen ließ und warum jetzt nur noch von einem die Rede ist.

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(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Sieben Modelle für ein künftiges Bundesheer hat der Generalstab durchrechnen müssen. Die Arbeit hätte er sich sparen können. Seit der Präsentation Mitte Jänner wird nur noch über eines davon debattiert: das von SP-Minister Norbert Darabos favorisierte Modell 3, ein Berufsheer mit Freiwilligenmiliz.

Verwundern darf das nicht, waren die Modellvorgaben doch so ausgelegt, dass die anderen Modelle gar nicht infrage kommen konnten. Ein reines Berufsheer (Modell 2) beispielsweise musste mit einer Mannstärke von 55.000 berechnet werden, was eine geradezu absurde Vorgabe ist: Weder das heute existierende Heer (Modell 1) noch das Darabos-Modell 3 wären in der Lage, in der Realität eine derartige Mobilmachungsstärke zustande zu bringen. Die Variante Berufsheer fällt damit aber automatisch aus Kostengründen durch.

Auch die Modelle vier und fünf waren von Anfang an nicht sonderlich ernst gemeint: Da lautete die Annahme, dass sie keine Inlands- (Modell 4) bzw. keine Auslandsaufgaben (Modell 5) erfüllen müssen – eine Vorgabe, die aber nie ernsthaft zur Debatte stand.

Peinliche Medienpanne

Einigermaßen kurios ist dagegen die Entstehungsgeschichte der Modelle sechs und sieben: Sie waren im ursprünglichen Auftrag an den Generalstab gar nicht enthalten, wie sich auch aus dem Endbericht der Planer auf Seite 53 ablesen lässt. Grund für die Ausweitung soll, so Informationen aus dem Verteidigungsministerium, eine Medienpanne gewesen sein: Am 29 November erhielt die „Krone“, Kampagnepartner des Ministers in Sachen Wehrpflichtabschaffung, Details über die Modelle zugespielt – nur war da eben irrtümlich von sieben die Rede.

Also galt es, rasch nachzubessern. Zwei neue Modelle wurden erfunden: Modell 6 mit der völlig unrealistischen Annahme, es würden sich jährlich 10.000 Freiwillige finden, die zu heutigen Bedingungen, also mit einem minimalen Sold, einen Präsenzdienst ableisten. Und bei Modell 7 ging den Planern überhaupt die Fantasie aus: Modell 7 ist in Wahrheit Modell 3, mit minimal veränderten Parametern: Statt 9800 gibt es dort 11.070 Berufssoldaten, statt 5200 dafür nur 4300 Zeitsoldaten. Der Rest – etwa der Aufwand für die Miliz – ist exakt gleich.

 

E-Mails an: martin.fritzl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10. Februar 2011)

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