Das dichte Netzwerk des Herrn Spindelegger

Die Vertrauten des Neo-Vizekanzlers. Der neue starke Mann in der ÖVP setzt gern auf alte Bekannte. Von Weggefährten aus ÖAAB- und Nationalratszeiten bis zu„seinen“ Mödlingern und Landesparteikollegen.

(c) Michaela Bruckberger

Wien. Michael Spindelegger habe das größte Netzwerk von allen bisherigen ÖVP-Chefs, witzeln Freunde und Beobachter: Er könne nämlich „einfach mit allen“. Ganz falsch ist das nicht: Spindelegger ist bei allen Bünden, allen voran bei „seinem“ ÖAAB, gut angeschrieben. Selbst der Wirtschaftsbund, der gern Minister Reinhold Mitterlehner im ÖVP-Chefsessel gesehen hätte, ist nicht wirklich gegen den konzilianten Spindelegger, auch nicht die Wirtschaftskammer; Präsident Christoph Leitl soll ihn schätzen. Wen wundert's, hat Spindelegger im Ausland doch immer wieder gern die außen- oder richtiger: wirtschaftspolitischen Anliegen der Kammer vertreten – im Kampf für die Unternehmer, ihre Exportchancen und Arbeitsplätze.

Der 180.000 Mitglieder starke ÖAAB – dem Spindelegger bereits seit 20 Jahren angehört – wird weiter eine Hauptstütze des Neoparteichefs und -vizekanzlers sein, auch wenn er die Obmannfunktion abgeben wird. Vor allem Generalsekretär Lukas Mandl wird ein treuer Gefährte bleiben, so wie er es zuletzt im Bemühen um ein neues Bildungskonzept war.

Auch die starke niederösterreichische Landespartei unter Landeshauptmann Erwin Pröll hat der Hinterbrühler nun im Rücken, auch wenn das Verhältnis zum Onkel des abgetretenen ÖVP-Chefs Josef Pröll nicht immer friktionsfrei gewesen sein soll: Erwin Pröll soll Spindelegger lange für zu „langweilig“ gehalten haben; heute schätze er ihn aber gerade auch wegen seines unaufgeregten, seriösen Auftretens, so heißt es. Das tut auch der Bezirk Mödling, wo Spindelegger als Bezirksparteiobmann sehr angesehen ist und sich umgekehrt gern Inputs holt (siehe Seite 4).

Auf alte Bekannte setzt Spindelegger auch in seinem Kabinett. Ungewöhnlich für einen Außenminister ist sein Team seit jeher stark innenpolitisch aufgestellt: Im April 2009 bestellte Spindelegger den Juristen Jochen Danninger zu seinem Kabinettchef; dieser war ihm schon 2008 aus dem Büro des Zweiten Nationalratspräsidenten gefolgt, der Spindelegger ab 2006 war. Auch Gernot Blümel holte er von dort nach. Dieser sitzt im Bundes- und Landesvorstand der JVP.

Als Sprecher vertraut Spindelegger bereits seit Amtsantritt auf Alexander Schallenberg, der davor Sprecher von Außenministerin Ursula Plassnik war und in der ständigen Vertretung in Brüssel exzellente EU-Kompetenz erworben hat. Schallenberg konzentriert sich nun auf außenpolitische Agenden; für die Innenpolitik zog der nunmehrige ÖAAB-Chef Spindelegger 2009 planmäßig den Exsprecher Elisabeth Gehrers, Thomas Schmid, hinzu. Auf beide vertraut er voll, wenn es um das geschliffene Wort geht – er selbst ist schließlich nicht unbedingt ein Mann der freien und improvisierten Rede.

 

Guter Draht bis nach Brüssel

In Brüssel hat Spindelegger mit dem alten und neuen ÖVP-EU-Delegationsleiter, Othmar Karas, einen weiteren Niederösterreicher zum Vertrauten; Karas bezeichnet Spindelegger als „echten Freund“. Als „Zuflüsterer“ des neuen starken ÖVP-Manns in ideologischen Fragen gelten auch die Historiker Thomas Köhler und Christian Mertens von der sozialliberalen „Initiative Christdemokratie“ der ÖVP.

Und in der Regierung selbst? Die ÖVP-Kollegen schätzen ihn, wenig überraschend; gelobt wird neben seiner Kompetenz vor allem Spindeleggers Teamfähigkeit. Auch die SPÖ-Minister „können“ gut mit ihm; Kanzler Werner Faymann pflegt sogar ein freundschaftliches Verhältnis zum Minister und nunmehrigen Vize: Man mag einander.

Außerhalb des engsten politischen Kreises nennt Spindelegger selbst übrigens zuerst drei Personen, mit denen er gut befreundet sei und denen er vertraue: Winfried Pinggera, Generaldirektor der PVA, AMS-Vorstand Johannes Kopf und VAV-General Norbert Griesmayr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2011)

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