FPÖ-Homepage: Pony statt Strache

Am Montag grüßte auf www.fpoe.at ein buntes Pony statt des Parteiobmanns Heinz-Christian Strache. Die Hacker um "Anonymous" wollten die Partei bloßstellen. Die FPÖ erstattete Anzeige gegen die unbekannten Täter.

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(c) APA/CHRISTIAN SCHWAHA (CHRISTIAN SCHWAHA)

Wien. „Pwned!“ war am Montagmorgen auf der FPÖ-Homepage auf www.fpoe.at zu lesen – und nicht etwa wie davor (und danach wieder): „Strache: Plan B für Griechenland muss auf den Tisch.“ Nach der SPÖ am 1. Juli war am Montag die FPÖ-Seite Ziel einer Hackergruppe um „Anonymous“, so der gemeinsame Name der unbekannten Angreifer, geworden: „Pwned“ (oder „owned“) ist ein Ausdruck, der aus der Videospielszene bekannt ist – und für die totale Erniedrigung des Gegners steht.

Jetzt also die FPÖ: „Anonymous“ hatte die Seite okkupiert – mit seinem Logo eines kopflosen Mannes (statt des Kopfes ist ein Fragezeichen zu sehen), mit dem Bild eines bunten Ponys aus Comics. Und mit Zitaten, die den Freiheitlichen heute peinlich sein dürften: FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl wurde unter anderem mit der Aussage zitiert, „unsere Website wurde definitiv auch diesmal nicht gehackt“. Eine Aussage, die Kickl am 9. Juli getroffen hatte, nachdem die Telefonnummern freiheitlicher Spitzenpolitiker aus anonymer Quelle an die Öffentlichkeit gelangt waren – wohl aus dem Speicher eines gestohlenen Mobiltelefons.

Davor, am 1. Juli, war neben der Internetseite der SPÖ auch schon jene der FPÖ Ziel von „Anonymous“ gewesen. Anders als bei der SPÖ legten die Hacker die Seite der FPÖ damals aber „nur“ lahm, statt sie zu kapern und mit eigenen Informationen zu füllen – die FPÖ kam beim ersten Anlauf also noch relativ glimpflich davon.

 

Betroffene in Bezirken und Parlamentsklub

Davon kann seit Montag keine Rede mehr sein: „Anonymous“ stellte – vorübergehend – Usernamen und Passwörter von Internetnutzern online, die sich auf www.fpoe.at betätigt haben – ob durch Kommentare oder die Nutzung bestimmter FPÖ-Inhalte. Betroffen scheinen neben Privatusern mehrere FPÖ-Politiker oder -Mitglieder vom Parlamentsklub bis zu den Bezirksorganisationen. Die Passwörter sämtlicher Nutzer waren diesmal aber verschlüsselt. Eine Vorsichtsmaßnahme, die die Betreiber der Homepage selbst gesetzt hatten – im Gegensatz zur SPÖ. „Anonymous“ hatte daraufhin alle Passwörter unverschlüsselt weitergegeben. So wurde von 600 Nutzern neben anderen auch einer bekannt, der sich als „Hitler“ eingeloggt hatte – und das Passwort „gusi“ verwendete.

Trotz der weniger brisanten Daten im Fall der FPÖ ist den Hackern aber Ärger sicher: Die Freiheitlichen wollten „Presse“-Informationen zufolge Anzeige gegen die unbekannten Täter beim Verfassungsschutz erstatten. Es würden bereits Ermittlungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Abstimmung mit den regionalen Sicherheitsbehörden laufen, bestätigte das Innenministerium via Austria Presse Agentur.

So sah die FPÖ-Seite nach dem Angriff aus.
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So sah die FPÖ-Seite nach dem Angriff aus.
So sah die FPÖ-Seite nach dem Angriff aus. – Screenshot DiePresse.com

Unbekanntes Netzwerk ohne Hierarchie

Der durch „Anonymous“ mit Zitaten und Fotos selbst geschmähte Kickl zur „Presse“: Bei den Tätern handle es sich um „Terroristen“, die „nicht anders zu sehen sind als Vermummte bei Demos“. Die Partei hoffe nun, dass die Täter entsprechend verfolgt werden. Wer hinter „Anonymous“ steckt, ist bisher völlig unklar: „Jeder, der will, kann Anonymoussein“, verkündet das Netzwerk selbst im Internet. „Die einzige Bedingung ist, dass Onlineaktivitäten unter einem Pseudonym durchgeführt werden.“ Bekannt ist über die Gruppe, dass sie ohne Hierarchie und kontrollierende Instanzen funktioniert. Ziel ist nach eigenen Angaben der Kampf gegen eine Einschränkung der Informations- und Meinungsfreiheit. Erster „Gegner“ war Scientology, auch Seiten von Visa, Mastercard oder Amazon hat „Anonymous“ lahmgelegt, nachdem die Firmen die Aufdeckerplattform „WikiLeaks“ boykottiert hatten.

Bis jetzt hätten die Ermittlungen in der „Anonymous“-Causa keine echten Fortschritte gebracht, hieß es am Montag bei der Staatsanwaltschaft Wien, die seit dem Hack auf die SPÖ-Seite in der Sache aktiv ist. Kickl kann sich vorstellen, bald „überparteilich das Gespräch zu suchen und über eine gemeinsame Vorgangsweise auch in technischer Hinsicht“ zu sprechen. Von den anderen Parteien gab es vorerst keine Signale.

Inhaltlich fühlt sich die FPÖ laut Kickl nicht durch „Anonymous“ angegriffen; man wisse ja nicht, wer hinter dem Hack stehe. Diesmal kritisierte „Anonymous“ in einem Eintrag nur knapp den verfassungswidrigen Charakter von FPÖ-Aktivitäten. Beim ersten Anlauf – der Lahmlegung der Homepage am 1. Juli – hatte man noch auf die „rechtsextreme und xenophobe Ausrichtung“ verwiesen: Die Partei müsse „am eigenen Internetleib spüren, wie es ist, abgeschoben zu werden“. Attacken auf weitere Parteiseiten durch „Anonymous“ sind nicht ausgeschlossen.

Auf einen Blick

Am 1. Juli kaperte die Hacker-Gruppe „Anonymous“ bereits die SPÖ-Homepage: Usernamen und Passwörter von 600 Nutzern gingen online. Am Montag war die FPÖ-Seite dran: Auf www.fpoe.at erschienen das Hackerlogo, ein Pony-Comic und Schmähzitate von Freiheitlichen – offenbar als Protest gegen „verfassungswidrige“ Aktivitäten der FPÖ.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2011)

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