Entacher: "Einen Racheakt würden sie bitter bereuen"

Generalstabschef Entacher meint, dass er nach der Rückkehr ein korrektes Verhältnis mit Minister Darabos habe. Den Feldversuch zum Wehrpflicht-Aus will er zur Gesamtkostenberechnung nutzen.

Edmund Entacher
Edmund Entacher
Entacher: Einen Racheakt würden sie bitter bereuen – APA (ROBERT JAEGER)

Wie ist denn nun Ihr Verhältnis zu Norbert Darabos? Wie oft sehen Sie sich?

Edmund Entacher: Korrekt. Getroffen habe ich ihn erst einmal, seit ich wieder da bin, das ist normal. Wir haben vor der Abberufung selten Termine gehabt, die haben ein anderes Kommunikationsmuster.


Ist eine echte Zusammenarbeit möglich? Da ist doch viel zu viel vorgefallen.


So weit es an mir liegt, ja. Durch den Bescheid sind Dinge nun auch festgeschrieben – etwa die Zuständigkeiten. Der Kabinettschef oder Mitarbeiter sind nicht zuständig oder in der Befehlskette von Relevanz, außer es ist der dezidiert erkennbare Wille des Ministers.


In den USA nennt man einen Präsidenten, der keine Mehrheit und damit keine Handlungsfähigkeit hat, „lame duck“: Sind Sie das im Generalsrang? Der Minister umgeht Sie einfach.

Das kann er nicht. Es sei denn, er gibt eine schriftliche Weisung. Aber das ist gut, weil das heißt, er muss Verantwortung übernehmen.


Wie geht es konkret weiter? Bis 2013 soll in einzelnen Truppenteilen getestet werden, ob der Abschied von der Wehrpflicht machbar ist. Sind Sie dafür zuständig?


Die Weisungen dafür sind vor meiner Rückkehr gegeben worden. Diese Weisungen sind zu befolgen. Behauptet wird, das sei ein Feldversuch. Gut, dann machen wir ihn eben, allerdings werden wir das wirklich testen und berechnen, was das für die gesamte Struktur bedeutet. Also nicht nur für ein Bataillon oder eine Kompanie, da kann man bei der Berechnung ja viel machen. Aber wir werden uns genau anschauen und prüfen, was das für das ganze Heer kostet und bedeutet. Leicht boshaft gesagt: Das ist auch der Auftrag.


Rechnen Sie mit Mehrkosten?

Der Minister sagt, es darf nicht mehr kosten. Wenn ich aber Rekruten mit Zeitsoldaten ersetze, dann kostet das schlicht und einfach mehr.


Minister Norbert Darabos spricht von einem Freiwilligenheer.

Egal, wie man es nennt, wenn ich jemanden haben will, der beim Heer bleibt, muss ich dafür zahlen.


Das heißt, eine kostenneutrale Variante ist laut Ihrer Meinung nicht möglich?

Das geht nur, wenn ich die Leistungsparameter verändere und die Leistungsfähigkeit des Heeres senke: Das ist es.


Panzer und Kasernen werden verkauft – gibt es da eine vorgegebene Richtung?

Wenn man Strukturen und Stärke des Heeres verkleinert, dann sagt die Theorie, dass wir weniger Infrastruktur brauchen. Der Minister bestreitet dies zwar, aber es geht in diese Richtung. Es ist auch verständlich, dass man nicht bis 2014, wenn die Entscheidung, Berufsheer oder nicht, fällt, wartet, sonst gehen wir stehend k. o. Das verstehe sogar ich, dass hier ein Plan B vorbereitet wird.


Glauben Sie, dass das Berufsheer fix kommt?

Nein. Ich bin Zweckoptimist, ich glaube, das Match ist gewinnbar.


Werden Sie für die Beibehaltung der Wehrpflicht kämpfen?

Ich folge meinen Weisungen, aber wenn man mich fragt, sage ich meine Meinung und kann sie ganz gut argumentieren.

Hat Ihnen der Bundespräsident zu Ihrer Rückkehr gratuliert?

Ja.


Die SPÖ argumentiert, das Urteil sei ein Sieg des Beamtentums über die Politik.

Nein, das ist es nicht. Wir leben in einem Rechtsstaat, auch ein Minister. Niemand steht über den Gesetzen. Wenn einer so etwas schlecht vorbereitet, in der Krise nicht handlungsfähig ist, nur stolpert und sich nicht an den Rechtsstaat hält – wo sind wir denn?


Glauben Sie, der Minister sei in einer sicherheitspolitischen Krise nicht handlungsfähig?

Ich meinte meinen Fall. Mehr nicht.


Der Generalstab soll neu organisiert werden. Werden Sie dabei entmachtet?

Diese Organisationsreform ist eine Chance. Diese Weisung sehe ich nicht als aggressiven Akt, nur weil eine andere Sektion damit beauftragt wurde. Der Generalstab ist nicht fehlerlos, ich kann ein paar Dinge ändern. Ein Racheakt an mir wäre sinnlos, mein Verbleib hat ein Ende (bis 2013, Anm.). Ich würde ihnen in dieser kurzen Zeit sonst nur die Gurke geben, das würden sie bitter bereuen.

Steckbrief

1949 Edmund Entacher wird in Großarl (Salzburg) geboren. 1992 Nach seiner Ausbildung als Generalstabsoffizier und seiner Zeit als Leiter des Instituts für Offiziersausbildung wird er Kommandant der 3. Panzergrenadierbrigade in Mautern. 2008 Entacher wird Chef des Generalstabs. Jänner 2011 Norbert Darabos beruft Entacher nach Kritik und seinem Bekenntnis zur Wehrpflicht ab. 7. 11. 2011 Die Berufungskommission im Bundeskanzleramt hebt den Versetzungsbescheid ersatzlos auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2011)

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