PRO: Arbeiten bis 75 - "kein abstruses Hirngespinst"

PROWenn die Lebenserwartung steigt, das Pensionsalter aber nicht erhöht wird, schauen Junge wie Alte durch die Finger. Und Milliardenbeiträge bleiben auf der Strecke.

Altbauer mit Sense
Altbauer mit Sense
Symbolbild – (c) www.BilderBox.com (Www.bilderbox.com)

Die Ausgaben für das Pensionssystem sind in Österreich so hoch wie in kaum einem anderen europäischen Land. Bleibt dies unverändert, endet es in einem finanziellen Desaster.

Vier Argumente, warum eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters notwendig ist.

Länger leben, länger arbeiten

„Unser Pensionssystem wurde vor mehr als 100 Jahren eingeführt und bedarf dringen einer Anpassung an das Hier und Jetzt", betont Ulrich Schuh von dem Wirtschaftsforschungsinstitut „EcoAustria". Immerhin ist die Lebenserwartung seit den 1970er Jahren von 70 auf 81 Jahren angestiegen, die Zahl der Geburten seit dem „Baby-Boom" aber drastisch gesunken. Damit dürften im Jahr 2050 auf 1000 Personen im Erwerbsalter 480 ältere Personen kommen, aktuell sind es 260.

Zugleich hat sich der Pensionszeitraum von sieben auf 23 Jahre verlängert, wodurch die Pensionsversicherung und das Pflegesystem von mehr Menschen länger beansprucht werden, als ursprünglich vorgesehen.

Einsparungen in Milliardenhöhe

Bei einer Nicht-Anpassung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung würden dem Staat Milliardenbeiträge durch die Lappen gehen. Aus jetziger Sicht würden Kosten von 239 Milliarden Euro pro Jahr entstehen. Eine Anhebung um nur ein Jahr brächte jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das derzeitige Budgetdefizit beträgt neun Milliarden Euro - eine Anhebung des Pensionsantrittsalters auf 75 Jahre würde das Defizit sogar gegen null tendieren lassen.

Karrierechancen und Fachkräfte

Das Gesetz sieht ein Regelpensionsalter von 65 Jahren bei Männern und 60 bei Frauen vor, im Sinne einer modernen Gesellschaft ist das aber nicht. Vielmehr müsste das Antrittsalter von Frauen an jenes der Männer angeglichen werden. Dadurch hätten Frauen die Chance, beruflich Karriere zu machen und trotzdem eine Familie zu haben.

Auch für die Jüngeren hätte ein höheres Pensionsalter eine Reihe an Vorteilen: Ein längerer Verbleib der Erwerbstätigen im Arbeitsleben könnte einen drohenden Fachkräftemangel verhindern, da Ältere ihr Wissen an die Nachrückenden weitergeben können („Mentoring"). Dadurch fühlen sich erstere weiter gebraucht, letztere haben den Vorteil, nicht ins sprichwörtliche kalte Wasser geschubst zu werden.

Kampf dem Pensionsschock

Das Auftreten eines Pensionsschocks könnte durch eine spätere Pensionierung ebenfalls verringert werden, da körperlich wie geistig agile Personen nicht mehr in den Ruhestand komplimentiert würden. Ihr Wissen könnten sie stattdessen aktiv in den Arbeits- und Lernprozess der Jungen integrieren und sich auch persönlich gebraucht fühlen.

„Daher ist Arbeiten bis 75 alles andere als eine Utopie, sondern könnte bald zur Norm werden", stellt Schuh fest. Durch die Fortschritte im Gesundheitsbereich könnte die Lebenserwartung sogar noch weiter ansteigen. „Aus dieser Sicht ist diese Forderung daher kein abstruses Hirngespinst, sondern ein Hinweis auf die geänderten Rahmenbedingungen."

--> CONTRA: Warum "Arbeiten bis 75" utopisch ist

--> Umfrage: Wie lange sollten wir arbeiten?

"PRO und CONTRA"

Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(Red.)

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