"Akademikerball": Gudenus widerspricht IKG

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak kritisierten den neuen Ball. Auch der Wiener FPÖ-Landesparteitag findet in der Hofburg statt.

(c) AP (HANS PUNZ)

Wien. Alles nur Zufall oder doch geplantes Kalkül? Nachdem bekannt wurde, dass die freiheitliche Bundespartei am ersten Februar 2013 den „Wiener Akademikerball“ in der Hofburg organisieren wird, hagelt es Kritik an der FPÖ: FPÖ-Gegner sehen darin einen Vorwand, um den Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) weiterhin in der Hofburg stattfinden zu lassen. Denn bereits im Dezember 2011 wurde beschlossen, den umstrittenen Ball, bei dem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit seinem „neue Juden“-Sager für Aufregung sorgte, aus den Festsälen der Hofburg zu verbannen.

„Ein simpler Namenstausch der Veranstaltung ändert die Veranstaltung und die Teilnehmer nicht“, meint Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) in einer Aussendung. Es sei „skandalös“, dass wieder ein „rechtsextremes Netzwerktreffen“ stattfinden werde und die Hofburg-Betriebsgesellschaft wegschaue. Auch SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak sehe einen „Täuschungsversuch“ der FPÖ. „Denn auch bei diesem Ball werden die rechtsextrem besetzten Korporierten das Sagen haben“, so Pollak zur „Presse“.

 

„Ein neuer Stern am Ballhimmel“

Ganz anders die Version der Veranstalterpartei: „Ein neuer Stern am Wiener Ballhimmel“ sei aufgegangen, sagt Wiens FPÖ-Klubchef und stellvertretender Bundesparteiobmann Johann Gudenus im Gespräch mit der „Presse“. „Der Ball findet zum ersten Mal statt, es gibt also keinen Grund, ihn zu kritisieren.“ Bevor man voreilig Kritik übe, solle man sich die Veranstaltung zunächst ansehen.

Einen Zusammenhang zwischen dem WKR-Ball und dem neu geschaffenen Ball sehe er nicht. Ob sich die FPÖ mit der neuen Veranstaltung nicht die Chance entgehen lassen würde, vollkommen Abstand von der rechtsextremen Szene zu nehmen? „Mit Rechtsextremismus hat der Akademikerball nichts zu tun“, so Gudenus. Und: „Es steht jedem frei, so eine Veranstaltung zu organisieren.“ Daher würde Gudenus Pollak auch gern Nachhilfeunterricht in demokratischen Grundbegriffen, wie etwa Meinungs-, Versammlungs- und Vertragsfreiheit, anbieten.

Der SOS-Mitmensch-Sprecher kann dem Akademikerball allerdings auch etwas Gutes abgewinnen: „Die FPÖ wird dafür die volle Verantwortung tragen müssen.“ Waren beim WKR-Ball rechtsextreme Gäste geladen, hätten die Freiheitlichen immer wieder auf die eigentlichen Organisatoren verweisen können. „Im Februar wird sich zeigen, wie demokratietauglich oder -untauglich die Gästeliste der FPÖ sein wird.“

Übrigens: Die FPÖ hat die Hofburg als neuen Standort für Feierlichkeiten und Besprechungen aller Art entdeckt: Am zehnten Juni wird dort auch der heurige Wiener Landesparteitag stattfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2012)

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