Straches Präsident? Oder doch ein Nachteil?

Mit Norbert Hofer als Bundespräsident wäre die FPÖ endgültig salonfähig. Allerdings gibt es auch Zweifler in den eigenen Reihen: Durch ein freiheitliches Staatsoberhaupt könnten Heinz-Christian Straches Kanzlerchancen sinken.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Wahlabend
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Wahlabend
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Wahlabend – APA/HARALD SCHNEIDER

In der FPÖ war man am Sonntagabend siegessicher – obwohl zunächst offen geblieben war, ob Norbert Hofer Österreichs nächster Bundespräsident wird. Intern fragt man sich nicht nur, was das für die Republik bedeuten würde. Sondern auch für die Partei.

Offiziell hofften natürlich alle Freiheitlichen, dass es sich für ihren Kandidaten ausgeht. Inoffiziell nicht. Die Zweifler in den eigenen Reihen befürchten nämlich, dass Hofer in der Hofburg ein Nachteil für die Kanzlerambitionen der FPÖ sein könnte. Denn beides – einen freiheitlichen Bundespräsidenten und einen freiheitlichen Bundeskanzler – würden womöglich nicht alle Protestwähler wollen.
In der Vergangenheit war die Macht meist verteilt worden.

Gab es einen SPÖ-Kanzler, wurde der ÖVP-Kandidat zum Bundespräsidenten gewählt. Und umgekehrt. Erst seit 2006 war das anders. Da saßen die Sozialdemokraten Alfred Gusenbauer (bis 2008) bzw. Werner Faymann im Kanzleramt – und gegenüber in der Hofburg der Sozialdemokrat Heinz Fischer. Wobei der Kanzler noch Wolfgang Schüssel geheißen hat, als Fischer im Jahr 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Bei der Wiederwahl sechs Jahre später gab es dann keinen ÖVP-Kandidaten.

Die Mehrheitsmeinung in der FPÖ (und darüber hinaus) ist allerdings eine andere: Durch Hofer könnte die Partei endgültig salonfähig werden. Wenn Österreichs höchster Repräsentant ein Freiheitlicher sei, könnten FPÖ-Wähler künftig auch öffentlich zu ihrer Wahlentscheidung stehen, wird argumentiert. Es gebe dann keinen Grund mehr, seine Wahlentscheidung zu verheimlichen. Davon werde auch Parteiobmann Heinz-Christian Strache profitieren, wenn er sich bei der nächsten Nationalratswahl (plangemäß 2018) um die Kanzlerschaft bewerbe.

Dass Strache von einem freiheitlichen Bundespräsidenten in den Schatten gestellt und deshalb eifersüchtig werden könnte, glaubt man in der Partei nicht. „Das ist mediales Wunschdenken“, meint ein Freiheitlicher. Hofer sei zwar „nett, eloquent und kompetent“, aber „ein politisches Leichtgewicht“. Außerdem sei er immer „hundertprozentig loyal“ gewesen. „Er war immer dort, wo der Parteichef ihn haben wollte.“

Marionette der FPÖ-Führung?

Wenn man das weiterdenkt, wären die machtpolitischen Vorteile eines freiheitlichen Bundespräsidenten nicht von der Hand zu weisen. Hofer würde in der Hofburg tun, was Strache und sein strategischer Abteilungsleiter, Generalsekretär Herbert Kickl, von ihm wollen. Darüber hinaus hätte die FPÖ durch ihre Verbindungen in die Hofburg dann einen Informationsvorsprung in der Legistik. Oder zumindest keinen Nachteil mehr gegenüber der Regierung.

(Print-Ausgabe, 23.05.2016)

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