Barroso attackiert Hofer mit Nazi-Vergleich

Die Idee des FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Hofer für Flüchtlingslager in Afrika, erinnere ihn an die Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg, sagte der frühere EU-Kommissionspräsident Barroso bei einer Diskussion in Genf.

Hofer und Barroso beim Talk in Genf.
Hofer und Barroso beim Talk in Genf.
Hofer und Barroso beim Talk in Genf. – (c) Reuters

Die Teilnahme von FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer an einer Diskussion am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung (IHEID) in Genf, sorgte doppelt für Aufregung. Schon im Vorfeld hatten Studenten und Professoren der Einrichtung in einem Offenen Brief an die Institutsleitung gegen Hofer Stimmung gemacht. Darin hatten sie beklagt, dass der Freiheitliche „mit verschiedenen rechtsextremen Gruppierungen und deren Gedankengut wie Islamophobie, Homophobie und Antisemitismus in Verbindung gebracht“ werde. Das Institut hielt dennoch an der Einladung Hofers fest – und die Studenten an ihrem Protest.

Dutzende Studierende protestierten am Donnerstagabend in dem voll besetzten Hörsaal gegen die Anwesenheit Hofers. Sie hielten während jeder seiner Wortmeldungen Schilder mit der Aufschrift „Keine Grenzen“ oder „Sag nein zu Rassismus“ in die Höhe. Eine Studentin, deren Eltern bosnische Kriegsflüchtlinge sind, verlas eine Petition, in der sie der FPÖ die Verbreitung von Rassismus, Islamophobie, Homophobie und Sexismus vorwarf. Hofer quittierte Zwischenrufe aus dem Publikum mit der Aussage, dass das „nicht tolerant“ sei.

Für den eigentlichen Eklat aber sorgte der frühere EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, der ebenfalls an der hitzigen Diskussion über die Frage „Können europäische Politiker die Migrationskrise lösen?“ teilnahm. Barroso sagte dabei, dass ihn Hofers Vorschlag für Flüchtlingslager in Afrika an die Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg erinnere.

Herr Barroso, "haben Sie Flüchtlinge zu Hause?"

„Ich mag Österreich. Aber bestimmte Personen mag ich nicht", sagte Barroso, der Gastprofessor am renommierten Genfer „Graduate Institute" ist. Nach Ansicht des früheren portugiesischen Ministerpräsidenten könnte die Europäische Union problemlos vier bis fünf Millionen Flüchtlinge aufnehmen, wenn die Mitgliedsstaaten solidarisch wären. Doch die von Hofer vertretene Idee von „sicheren Gebieten" in Nordafrika, in denen Asylanträge geprüft werden sollen, erinnere ihn an „Konzentrationslager".

Hofer ließ diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen. „Es ist immer das Gleiche", sagte er und wechselte sofort auf die persönliche Ebene. „Was ist mit Ihnen, haben Sie Flüchtlinge zu Hause? Sie sind ein reicher Mann. Haben Sie Flüchtlinge zu Hause? Haben Sie?", sagte der FPÖ-Politiker in Richtung des früheren EU-Kommissionspräsidenten.

Hofer an Barroso: "Schreien Sie nicht"

Als Barroso in den folgenden Wortgefechten lauter wurde, sagte Hofer: „Schreien Sie nicht. Sie haben den Krieg (im Irak) unterstützt. Das ist wahr. Das ist wahr, und deshalb sind Sie so nervös." Während seiner Zeit als portugiesischer Ministerpräsident hatte Barroso zum Lager jener EU-Spitzenpolitiker gezählt, die den Irak-Krieg unterstützten. So richtete er kurz vor Kriegsbeginn auf den Azoren einen Gipfel mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush aus, bei dem ein letzter Versuch für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit dem damaligen irakischen Diktator Saddam Hussein unternommen wurde.

Trotz der Meinungsunterschiede mit Barroso, gab sich Hofer nach der Debatte versöhnlich und postete auf seiner Facebook-Seite ein gemeinsames Foto mit diesen, zu der er schrieb: „Wir waren recht unterschiedlicher Meinung".

(Red./APA/Reuters)

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