Van der Bellen rechtfertigt vor Neos den Trachtenjanker

Der Hofburg-Kandidat stellte sich neuerlich den Neos vor und beantwortete dabei Fragen nach dem Brexit, der US-Wahl und Ceta.

Alexander Van der Bellen
Alexander Van der Bellen
Alexander Van der Bellen – (c) APA (HERBERT NEUBAUER)

Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen hat sich ein weiteres Mal den Neos vorgestellt. Auf Einladung der Parteiakademie antwortete der Grüne Mittwochabend geduldig auf Fragen, die sich seit der letzten Runde im Februar neu aufgetan haben - etwa Brexit, US-Wahl und Ceta. Auch sein neuestes Accessoire, der Trachtenjanker, musste vor 150 Neos-Anhängern gerechtfertigt werden.

"Willkommen zu unserer halbjährlichen Veranstaltung mit Alexander Van der Bellen!" Nicht nur Josef Lentsch, Leiter des NeosLab, hatte ein Deja-vu, als er abermals den von den Grünen unterstützen Kandidaten Willkommen hieß. Tatsächlich seien es 267 Tage gewesen, seit er sich zum letzten Mal bei dem Neos-Hearing gestellt hatte, zeigte sich der Kandidat gut vorbereitet. Den Neos selbst ging es bei der Veranstaltung weniger um Entscheidungsfindung als um Mobilisierung für die Wahl, war zu hören.

Van der Bellen beschwor "Richtungsentscheidung"

"Machen wir uns nichts vor, es geht nicht nur um die Wahl zwischen zwei Personen", beschwor Van der Bellen dann auch gleich zu Beginn die "Richtungsentscheidung" am 4. Dezember. Und abermals sah er auch keine Alternative zu seiner Person und einer "rot-weiß-roten Hofburg" anstelle einer zu befürchtenden blauen: "Ist die Wahl wirklich so schwer?" Dementsprechend appellierte er vor dem Neos-Publikum an die Unentschlossenen, wählen zu gehen - "Das muss Demokratie schon wert sein."

Ob man nach so langer Abwesenheit einen Bundespräsidenten überhaupt noch brauche? Die außenpolitische Entwicklung in dieser Zeit habe es gezeigt, bejahte Van der Bellen erwartungsgemäß, neben Brexit und der Wahl Trumps in den USA habe sich auch in der Türkei viel geändert. Abermals beschwor der Grüne den Zusammenhalt Europas, auch wenn manches derzeit schief laufe. Zu internationalen Freihandelsabkommen wie Ceta bekannte er sich grundsätzlich. Und Hillary Clinton wäre nach der Zahl der erhaltenen Stimmen US-Präsidentin.

Tracht? "Anpassung an das, was vor Ort üblich ist"

Aber auch das oft beschworene Establishment war Thema bei den Neos. "Es ist der Versuch von Rechtspopulisten, die Welt einzuteilen zwischen 'wir' und 'die'", befand Van der Bellen. Den Trachtenjanker verteidigte der Grünpolitiker als "angemessene Anpassung an das, was vor Ort üblich ist". Oder kurz gesagt: "Der steht mir doch gut, oder?" Außerdem liege es auch an seiner Tiroler Herkunft, denn: "Natürlich bin ich ein Städter. Aber ich komme vom Land. Das haben viele vergessen."

Eine differenzierte Sicht zeigte der Präsidentschaftskandidat auf Bildung als angebliches Mittel gegen Demagogen. "Wenn Sie sich den freiheitlichen Klub ansehen, die sind alle gebildet", meinte er dazu und verwies auch auf die Geschichte. Bildung sei vielmehr "einer von mehreren Schutzschildern". Ob man Wahlen auch ohne Populismus gewinnen kann? Van der Bellen: "Was ist überhaupt Populismus? Das ist so wie 'neoliberal'" - als Begriff nämlich "inflationär", gab er den Neos-Anhängern mit.

(APA)

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