Am Ende noch ein Islam-Wahlkampf?

Hofer warnt im TV-Duell vor "radikalem Zuwanderungsislamismus“. Van der Bellen kritisiert Stenzels Nazi-Vorwürfe gegen seinen Vater.

Am Ende noch ein Islam-Wahlkampf?
Am Ende noch ein Islam-Wahlkampf?
APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien. Schon wieder. Wieder saßen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer, die verbliebenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, also am Sonntag Abend einander bei einem „Duell“ im TV-Studio gegenüber, diesmal bei Puls 4. Und plötzlich entfaltete sich beim Thema Islam eine besonders konturierte Auseinandersetzung.

Hofer meinte, man dürfe vor Problemen im Alltag mit streng gläubigen Muslimen nicht den Kopf in den Sand stecken, beispielsweise bei der Pflege Kranker und Alter. Und, so Hofer wenig später: „Ich will keinen radikalen Zuwanderungsislamismus.“ Van der Bellen widersprach, es gelte, die Religion aus der Politik draußen zu lassen. Und zur Gefahr des Islamismus meinte er: „Wir müssen achtsam sein. Achtsamkeit ja, aber keine Angstmache.“
Auch die Regierungsbeauftragung war wieder einmal Thema. Van der Bellen bekräftigte, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auch als Nummer eins nicht mit der Regierungsbildung betrauen zu wollen. Denn, so seine Begründung: „Ich will eine pro-europäische Regierung haben.“ Hofer „frisst Kreide“. Der FPÖ-Kandidat wehrte sich dagegen. Er sieht eine Krise der EU, will aus ihr eine „Union der Menschen“ machen, sie weiterentwickeln. Die FPÖ bekenne sich auch im Parteiprogramm zur EU. Und wie Hofer sagt, an einen Austritt denke er nicht.

Heftig kritisierte Van der Bellen, dass seinem Vater von der FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel unterstellt worden sei, ein Nazi gewesen zu sein. "Er ist vor 50 Jahren gestorben und kann sich nicht wehren", so der Grüne. Hofers Replik: "Ganz viele ihrer Unterstützer bezeichnen mich jetzt als Nazi." Van der Bellen: "Sie leben, und sie können sich wehren." Hofer: "Ja, das tu ich eh." Ein weiterer Kritikpunkt Van der Bellens: "Sie unterstellen mir, dass ich krankhaft vergesslich bin. Manche Sachen vergesse ich nicht."

Hofer will Peterlik als Kabinettsdirektor 

Hofer würde übrigens seinen umstrittenen Büroleiter Rene Schimanek, dem eine rechte Vergangenheit nachgesagt wird, nicht in die Hofburg mitnehmen. Als Kabinettsdirektor nannte Hofer für den Fall seiner Wahl den Diplomaten und früheren Pressesprecher von ÖVP-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner, Johannes Peterlik. "Kreide, Kreide, Kreide", meinte dazu Van der Bellen.

Das Meinungsforschungsinstitut OGM führte noch während der Übertragung des Puls 4-Duells eine Live-Umfrage unter 500 Österreichern durch. 49 Prozent waren demnach der Ansicht, dass Hofer beim Puls 4-Duell am meisten überzeugt hat, 41 Prozent fanden Van der Bellen besser. Bei der Frage, wer der bessere Vermittler in Österreich wäre, führte Van der Bellen gegenüber Hofer mit 52 zu 41, bei der Frage, wer Österreichs Interessen in der Welt besser vertritt, lag der Grüne mit 49 zu 46 vor dem FPÖ-Kandidaten.

(d.n./APA)

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