Hofburg: Der Auftritt der "First Ladies"

Sowohl Verena Hofer als auch Doris Schmidauer suchen nicht gern die mediale Öffentlichkeit. Nach und nach sind sie aber prominenter in den Kampagnen vertreten.

Doris Schmidauer mit Alexander Van der Bellen.
Doris Schmidauer mit Alexander Van der Bellen.
Doris Schmidauer mit Alexander Van der Bellen. – (c) APA

Wien. Die Szene kommt einem irgendwie bekannt vor: Eine Person spaziert durch den Wiener Wald. Im Hintergrund ist leise Klaviermusik zu hören. Dann meldet sich eine Stimme aus dem Off. Ihre Stimme. Die Person stellt sich vor.

So sah das Drehbuch für das erste Wahlkampfvideo von Alexander Van der Bellen aus, als er im Jänner seine Kandidatur bekannt gab. Und auf diese Weise meldet sich am Mittwoch auch seine Frau via Videobotschaft zu Wort: „Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Doris Schmidauer. Ich bin die Ehefrau von Alexander Van der Bellen und habe jetzt fast ein ganzes Jahr an seiner Seite den Wahlkampf mit ihm verbracht.“

Dann folgt eine Wahlempfehlung für Van der Bellen: „Meine Stimme hat er. Und das sage ich Ihnen jetzt nicht nur als Ehefrau, sondern, weil ich der festen Überzeugung bin, dass er der richtige Mann für das Amt des Bundespräsidenten ist.“

 

Norbert und Verena Hofer bei einer Wahlkampfveranstaltung.
Norbert und Verena Hofer bei einer Wahlkampfveranstaltung.
Norbert und Verena Hofer bei einer Wahlkampfveranstaltung. – (c) APA/HERBERT PFARRHOFER

Reaktion auf „schmutzigen Wahlkampf“

Van der Bellens Frau wählt Van der Bellen – na und? Die Nachricht an sich kommt nicht gerade überraschend. Vielmehr als der Inhalt ist das Video an sich bemerkenswert. Eigentlich hatte sich Schmidauer, Politologin und Geschäftsführerin im Grünen Parlamentsklub, bisher in dieser Form von medialen Auftritten zurückgehalten. Bei Events oder Presseterminen wie einer Wanderung im Kaunertal war sie zwar stets dabei. Dennoch hielt sie sich immer eher im Hintergrund auf, suchte nicht die Öffentlichkeit. Warum also jetzt? „Es war ihr ein persönliches Anliegen“, heißt es aus dem Büro von Van der Bellen. „Der Wahlkampf ist in den vergangenen Tagen so schmutzig geworden, dass sie eine andere Tonalität reinbringen wollte.“

Dass sich das Umfeld der Kandidaten medial zurückhält, ist in Österreich durchaus üblich. Vor allem im Vergleich zu anderen Ländern (siehe den Wahlkampf in den USA) werden Familienmitglieder nicht vor den Vorgang geholt. Es sei denn, die Kandidaten oder ihre Angehörigen entscheiden sich dafür. Selbst als Van der Bellen und Schmidauerim Dezember 2015 heirateten, wurde nur sehr vorsichtig darüber berichtet. Vielmehr wurde die Hochzeit als wichtiges Indiz für eine Kandidatur gesehen.

Schmidauer selbst war zunächst übrigens dagegen, dass ihr Partner antritt. Das bringt uns zu Norbert Hofer – beziehungsweise zu seiner Frau, Verena Hofer. Auch sie war anfangs noch skeptisch, ob ihr Mann tatsächlich für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren sollte. Und auch sie steht nicht wirklich gern im Rampenlicht – tat es im Lauf des Wahlkampfs aber trotzdem immer wieder. „Da muss ich halt durch“, sagte sie der „Kleinen Zeitung“. Der Sender Oe24 drehte mit dem Ehepaar sogar eine gut einstündige Home-Story in ihrem Heim in Pinkafeld. Die ausgebildete Altenpflegerin und Zahnarztassistentin meldete sich auch über die Facebook-Seite ihres Mannes zu Wort: „Sie können sicher sein, dass mein Mann alles, was er sagt und vertritt, auch wirklich sehr ernst nimmt, da ihm Verlässlichkeit und Geradlinigkeit extrem wichtig sind“, heißt es in der Stellungnahme.

Wie sie ihre Rolle als Ehefrau des Bundespräsidenten angehen würden, wissen sowohl Schmidauer als auch Hofer nicht genau. Nur so viel ist bekannt: Van der Bellens Frau möchte berufstätig bleiben, Hofers Ehepartnerin würde – schweren Herzens – ihren Beruf in Eisenstadt auf Eis legen, sobald sie nach Wien ziehen würde.

 

Noch kein „First Husband“

Übrigens: Die ehemalige Höchstrichterin Irmgard Griss gab vor rund einem Jahr bekannt, als Bundespräsidentin kandidieren zu wollen. Es wäre die erste Frau als Staatsoberhaupt gewesen – und ihr Mann, Gunter Griss, der erste „First Husband“ Österreichs.

VERENA HOFER

Die Burgenländerin Verena Hofer (43) war lang als Zahnarztassistentin beschäftigt, bis sie vor vier Jahren die Ausbildung zur Pflegerin machte. Seitdem arbeitet sie in einem Altenheim. Die Ehefrau von Norbert Hofer trat von Anfang an immer wieder mit ihrem Ehemann in der Öffentlichkeit auf.

DORIS SCHMIDAUER

Die gebürtige Oberösterreicherin Doris Schmidauer (53) ist Geschäftsführerin im Grünen Klub. Zuvor studierte sie Politikwissenschaften und Soziologie. Am Mittwoch meldete sie sich erstmals öffentlich zu Wort, um ihren Ehemann, Alexander Van der Bellen, im Wahlkampf zu unterstützen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2016)

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