Ein Wahlkampf ohne Themen geht ins Finale

Titelverteidiger Heinz Fischer erhält Unterstützung von Václav Havel, Barbara Rosenkranz nähert sich zumindest örtlich der Hofburg, Rudolf Gehring mobilisiert ein letztes Mal im Fernsehen.

Wahlkampf ohne Themen geht
Wahlkampf ohne Themen geht
(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Wien. Am Freitag versuchten sie alle noch einmal zu mobilisieren. Der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer suchte sich den noblen Festsaal in der Hofburg aus, um eine handverlesene Zuhörerschar zu überzeugen. Prominente Hilfe erhielt er dabei von einem Ex-Kollegen aus Tschechien: Der frühere Präsident Václav Havel stellte sich mit einer Video-Grußbotschaft ein.

Auch Herausforderin Barbara Rosenkranz suchte die räumliche Nähe zur Hofburg. Die FPÖ-Kandidatin hielt ihre Abschlusskundgebung auf dem Ballhausplatz ab – dem Standort jenes Amtssitzes, der vermutlich nie der Ihre sein wird. Unterstützung erhielt sie diesmal – eine Seltenheit im Wahlkampf – von ihrem Parteichef Heinz-Christian Strache, der zuletzt nur wenige der Barbara-Rosenkranz-Kundgebungen besucht hatte. Und auch die zum Ritual gehörenden Gegenkundgebungen durften nicht fehlen: Sozialistische Jugend und andere Organisationen hatten sich auf dem nahen Heldenplatz eingefunden.

Der dritte Kandidat, Rudolf Gehring von der Christlichen Partei Österreichs, zog dagegen den Auftritt im Fernsehen vor: Im Privatsender Puls 4 erhielt er eine letzte Chance, für seine Standpunkte zu werben.

Damit ist ein Wahlkampf zu Ende gegangen, der weniger von den Kandidaten geprägt war, sondern von jenen, die auf ein Antreten verzichtet hatten: Da die ÖVP keinen eigenen Anwärter ins Rennen geschickt hatte, fehlte ein starker Gegenkandidat zum Amtsinhaber. Die Frage, ob die ÖVP eine Wahlempfehlung abgeben solle – eventuell sogar eine zum Weißwählen –, dominierte dann über weite Strecken die Diskussion.

 

Wahlkampf selbst verpatzt

FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz hätte diesen Wahlgang noch spannend gestalten können: Mit einem Familienbild, das auch für viele ÖVP-Wähler attraktiv ist, und mit der Unterstützung der „Kronen Zeitung“ ausgestattet, wäre durchaus ein beachtliches Wahlergebnis möglich gewesen – vielleicht sogar jene 35 Prozent, die Parteichef Strache ihr als Latte gelegt hat und an denen sie nun am Wahlsonntag gemessen wird.

 

„Schulwissen“ zu NS-Zeit

Verpatzt hat sie es sich selbst: Auf die wirklich nicht überraschende Frage nach ihrer Einstellung zu Verbrechen der NS-Zeit fand die freiheitliche Hofburg-Bewerberin vorerst keine klaren Worte und redete sich auf „Schulwissen“ aus. Das sorgte für heftigen Gegenwind und – was sich für Barbara Rosenkranz als noch schwerwiegender erwies – schreckte die „Kronen Zeitung“ ab, die ihr fortan keine Unterstützung mehr gewährte. Daran konnte auch die von „Kronen Zeitung“-Herausgeber Hans Dichand eingeforderte eidesstattliche Erklärung nichts mehr ändern.

Ab diesem Zeitpunkt plätscherte der Wahlkampf nur noch vor sich hin. Heinz Fischer plakatierte „Unser Handeln braucht Werte“, Rosenkranz konterte mit „Ohne Mut keine Werte“. Es sollte die einzige Plakatwelle bleiben. Und eine echte Wertedebatte sollte daraus nicht resultieren. Rosenkranz versuchte, auf ihr Lieblingsthema, die Familienpolitik, zu setzen, womit sie aber nicht wirklich durchkam.

 

Auch Gehring setzte auf Familie

Auf dieses Thema setzte übrigens auch Rudolf Gehring – und das mit nahezu deckungsgleichen Ansichten. Gehring hat angesichts seiner geringen Bekanntheit und seiner beschränkten finanziellen und organisatorischen Mittel einen durchaus ansprechenden Wahlkampf geliefert. Von seinem Ziel, in die Stichwahl zu kommen, dürfte er aber meilenweit entfernt sein.

Bleibt also in Summe ein Solo für Heinz Fischer. Der musste sich (wieder einmal) gegen angebliche Nähe zum nordkoreanischen Regime wehren – er war in den Siebzigern Mitglied der österreichisch-nordkoreanischen Freundschaftsgesellschaft gewesen – und einen „Sieg Heil“-Sager aus dem Jahr 1989 erklären. Ansonsten nutzte er seinen Status als Amtsinhaber, der es sich sogar leisten kann, einer TV-Diskussion aus dem Weg zu gehen.

AUF EINEN BLICK

Heinz Fischer, geb. am 9.Oktober 1938 in Graz. 1975–1983, 1987–1990 SPÖ-Klubobmann, 1983–1987 Wissenschaftsminister, 1990–2002 NR-Präsident, 2002–2004 Zweiter NR-Präsident, seit 2004 Bundespräsident.

Barbara Rosenkranz, geb. am 20.Juni 1958 in Salzburg. 1993–2002 NÖ-Landtagsabgeordnete, 2000–2001 Klubobfrau in NÖ, 2002–2008 NR-Abgeordnete, seit 2003 FPÖ-NÖ-Obfrau, seit 2005 Vize-Chefin FPÖ, seit 2008 Landesrätin.

Rudolf Gehring, geb. am 17.August 1948 in Seefeld-Kadolz. 2008 Beitritt zur Christlichen Partei Österreichs (CPÖ), bis zur Bekanntgabe seiner Kandidatur Bundesobmann der CPÖ.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2010)

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