Wehrpflicht: General gegen General

Der frühere Klestil-Adjutant Trauttenberg rechnet in einem E-Mail mit Darabos-Kritiker Entacher ab.

Edmund Entacher
Edmund Entacher
Edmund Entacher – (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Das Gefecht um die Wehrpflicht geht quer über die weltanschaulichen Fronten hinweg: So stehen etwa Bundespräsident Heinz Fischer und Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller den Berufsheerplänen ihres Gesinnungsgenossen Norbert Darabos sehr reserviert gegenüber.

Nun hat Hubertus Trauttenberg, General in Ruhe und ehemaliger Adjutant des Bundespräsidenten Thomas Klestil, seinem Generalskameraden, dem sozialdemokratischen Berufsheer- und Darabos-Kritiker Edmund Entacher erbost ein Mail geschrieben. Darin heißt es: „Ich hatte kürzlich das sehr zweifelhafte Vergnügen, im lokalen Fernsehen Deine Rede anlässlich der Kommandoübergabe in Enns zu sehen und war gelinde gesagt entsetzt! Deine Kommentierung einer möglichen Umstellung des Wehrsystems vor angetretener Mannschaft und Prominenz und der dargestellte Widerspruch zu Deinem Minister, der nach Dir sprach, ist für mich schier unerträglich.“

Entacher, so Trauttenberg, würde sich damit auf die Seite der „ewigen Bewahrer“ stellen, deren Applaus er anscheinend gern höre. Der bürgerliche Trauttenberg wiederum, der in seiner aktiven Zeit Kommandant der 4. Panzergrenadierbrigade und des II. Korpskommandos in Salzburg war, stellt sich damit ziemlich eindeutig auf die Seite des sozialdemokratischen Verteidigungsministers. Und er empfiehlt General Entacher sogar darüber nachzudenken, den Hut zu nehmen, wenn er nicht mit dem „Primat der Politik“ einverstanden sei. Seinerzeit, als Kanzler Bruno Kreiskyseine „Sechs Monate sind genug“ propagierte, habe das ein General, der damit nicht einverstanden war, so gehalten.

„Du magst Dich zwar als Retter der Wehrpflicht sehen, wählst dafür aber einen Weg, der der Reputation des gesamten Offizierskorps äußerst abträglich ist“, schreibt Trauttenberg. „Die Kommentare auf Deine Rede waren durchaus nicht ungeteilt, für das Kaderpersonal halte ich sie einfach katastrophal!“, schließt Trauttenberg „dennoch in alter Kameradschaft“.

Generalstabschef Edmund Entacher wollte auf den Inhalt des Briefs auf „Presse“-Anfrage nicht näher eingehen. Nur so viel: Er werde Hubertus Trauttenberg auf jeden Fall zurückschreiben.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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