Häupl: „Gusenbauer schadet nicht“

Für den Wiener SPÖ-Chef beginnt der Wahlkampf erst. Tal Silberstein habe auch für ihn nur Umfragen ausgewertet. Und er nimmt Ungarn vor Kritik in Schutz.

Michael Häupl
Michael Häupl
Michael Häupl – APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Der Wahlkampf beginne ja jetzt erst so richtig, also könne er auch noch kein Urteil über jenen der SPÖ abgeben, sagte Wiens Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag vor Journalisten.

Und Tal Silberstein? „Der ist ein Analytiker – und das war's“. Silberstein habe auch in seinen, Häupls Wahlkämpfen nur Umfragen ausgewertet. Und als man es dann selber konnte, habe man ihn nicht mehr gebraucht. Dass Alfred Gusenbauer wegen seiner Verbindungen zu Silberstein der SPÖ schade, glaube er nicht, so der Wiener Bürgermeister.

Die SPÖ habe weiterhin alle Chancen auf Platz eins. Und mit dem Plan A auch ein Programm. Allerdings, so schränkt Häupl ein, gewinne man mit einem 200-Seiten-Programm natürlich keine Wahl. Im Sommer sei es aber einmal ratsamer, die Leute nicht allzu sehr mit Wahlkampf zu belästigen. „Kurz macht das besser: Er sagt einfach gar nichts.“

Überhaupt schoss sich Häupl vor allem auf den ÖVP-Chef ein. Dieser sei ja auch noch stolz auf seine privaten Großspender. Über Peter Pilz meinte Häupl: „Er wird nicht die Rolle spielen, die er sich selbst gerne zumisst. Es ist schade um jede Stimme für Peter Pilz.“ Und zum Umstand, dass Josef Cap weit hinten auf der SPÖ-Liste gereiht wurde, sagte der Wiener SPÖ-Chef: „So viel jünger ist er auch nicht, dass man über ihn nicht die gleiche Diskussion führen könnte wie über mich.“

Zur möglicherweise mitwahlentscheidenden Migrations- und Flüchtlingspolitik meinte Häupl: Eine Situation wie 2015 dürfe es nie mehr geben. Er wisse aber auch nicht, was man damals besser machen hätte könnte. Und immerhin habe er unter dem Motto „Humanität und Ordnung“ eine Wahl gewonnen.

Es müsse auch weiterhin so sein, dass jenen die Hilfe brauchen, weil sie bedroht werden und fliehen müssen, geholfen werden muss. „Aber wir müssen auch wissen, wer da kommt.“

Man könne viel an der ungarischen Regierung kritisieren, so Häupl, aber man könne sie nicht dafür kritisieren, dass sie die Grenze nach Serbien schütze, das sei nämlich eine EU-Außengrenze. Und wenn die EU nicht in der Lage sei, die Außengrenzen zu schützen, dann müssten das wohl wieder die Nationalstaaten übernehmen.

Wenig Verständnis hat Häupl auch dafür, dass die Deutschen groß angelegte Grenzkontrollen machen, Österreich aber kritisiert werde, wenn man das an den Grenzen zu Italien und Slowenien mache.

Ob man Asylwerber arbeiten lassen soll, diese Frage sehe er differenziert. „In der Baubranche fände ich das nicht so toll.“ (oli)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2017)

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