FLÖ: Rosenkranz' dritter Versuch

Einst wurde Barbara Rosenkranz von Heinz-Christian Strache gefeiert – bei der Nationalratswahl tritt sie gegen den FPÖ-Obmann an.

Einst für, jetzt gegen die FPÖ: Rosenkranz.
Einst für, jetzt gegen die FPÖ: Rosenkranz.
Einst für, jetzt gegen die FPÖ: Rosenkranz. – (c) APA/HERBERT NEUBAUER NEUBAUER)

Wien. Zweimal war Barbara Rosenkranz Spitzenkandidatin von Heinz-Christian Straches Gnaden: bei der Bundespräsidentenwahl 2010 und bei der niederösterreichischen Landtagswahl drei Jahre später. Am 15. Oktober kandidiert sie nun gegen Strache, als Spitzenkandidatin der Freien Liste Österreich (FLÖ), eines Spaltprodukts der FPÖ, gegründet vom Salzburger Ex-Landesrat Karl Schnell.

Dazwischen ist viel passiert. Die Entfremdung von der FPÖ (und umgekehrt) begann bereits vor Jahren, wahrscheinlich schon im Hofburg-Wahlkampf 2010. Da wurde Rosenkranz zunächst als mutige Freiheitliche inszeniert, weil sie 2005 nicht zum BZÖ gewechselt war und als einzige Nationalratsabgeordnete gegen die EU-Verfassung gestimmt hatte. Aber dann sagte sie, dass Teile des NS-Verbotsgesetzes der Meinungsfreiheit widersprächen, was Strache zu einer Richtigstellung veranlasste. Mit dem Wahlergebnis – rund 15 Prozent – war die FPÖ-Spitze dann nicht zufrieden. Auch drei Jahre später in Niederösterreich blieb Rosenkranz hinter den Erwartungen zurück: Die FPÖ wurde sogar vom Team Stronach überholt. Als Landesparteichefin wollte Rosenkranz, die mit dem ehemaligen NPD-Funktionär Horst Jakob Rosenkranz verheiratet ist, zunächst nicht zurücktreten. Erst als ihr Strache eine Rückkehr in den Nationalrat versprach, machte sie für Walter Rosenkranz (nicht verwandt) Platz.

Die Trennung war also absehbar. Bei Karl Schnell, der sich auch mit Strache zerstritten hatte, bekam die 59-Jährige nicht nur politisches Asyl, sondern auch Platz eins. Das FLÖ-Programm ist radikaler als das der FPÖ: Reform oder Austritt aus der EU, Einwanderungsstopp. Programmatisch deckt sich das mit Rosenkranz' politischer Vita. Fehlt nur noch die Frauenpolitik: Die zehnfache Mutter ist überzeugte Antifeministin. (pri)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2017)

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