SPÖ: Ein neues Krisenteam für 14 Tage

Andrea Brunner und Christoph Matznetter erhalten die undankbare Aufgabe, die Parteizentrale zu managen. Aber nur für zwei Wochen. Das ungleiche Duo soll den Schaden minimieren.

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Bundeskanzler Christian Kern
Bundeskanzler Christian Kern – (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Erinnern Sie sich noch an Gerhard Schmid? Oder an Peter McDonald? Beide waren noch im Vorjahr Manager ihrer Parteien, der SPÖ und ÖVP. Und beide waren es nur sehr kurze Zeit. Bundesgeschäftsführer und Generalsekretäre sind keine Jobs mit langem Haltbarkeitsdatum. Hohe Köpfe in den Parteizentralen sind oft die ersten, die in Krisenzeiten rollen.

Also war es auch Georg Niedermühlbichler, der am Wochenende die Konsequenzen aus der Causa Tal Silberstein für die SPÖ ziehen musste. Und gestern, Sonntag, wurden bereits seine beiden neuen Nachfolger ernannt: Neben Andrea Brunner, die für Organisatorisches zuständig ist, wurde nun auch der Abgeordnete Christoph Matznetter offiziell mit dem Posten betraut. Er soll dabei auch die Kommunikation nach außen übernehmen und die Task Force zur Aufarbeitung der Causa übernehmen. Das entschied das SPÖ-Präsidium in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz.

Dass die beiden den Job nur wenige Wochen behalten werden, steht dieses Mal schon im Vorhinein fest. Beide sollen Niedermühlbichler interimistisch bis zur Wahl ersetzen. Und die findet immerhin schon in weniger als zwei Wochen statt. Es ist aber ohnehin keine dankbare Aufgabe, und vor allem keine leichte: Brunner und Matznetter müssen hauptsächlich den Schaden für die Partei bis zum Urnengang minimieren – oder es zumindest versuchen.

Die beiden Namen fielen am Wochenende zwar nicht unmittelbar, als Niedermühlbichlers Nachfolge gesucht wurde. Aber auf den zweiten Blick hat ihre Bestellung Sinn, sofern man in dieser Krisensituation davon sprechen kann. Kern braucht nun dringend jemanden, der die Partei kennt und ohne Eingewöhnungsphase organisatorische Aufgaben übernehmen kann. Die 38-jährige Tirolerin Brunner wird von einer Parteikollegin als „gute Organisatorin mit Wahlkampferfahrung“ beschrieben. Seit 2014 managt sie die Teilorganisation der SPÖ-Frauen. Als die jetzige Obfrau Gabriele Heinisch-Hosek noch Frauen- und Bildungsministerin war, arbeitete Brunner für sie als Pressereferentin. Auch in dieser Funktion war sie immer wieder mit Krisensituationen konfrontiert. Kurz nach ihrer Bestellung zeigte sich Brunner zweckoptimistisch: „Ich versammle gleich alle Mitarbeiter in der Parteizentrale und plane die nächsten zwei Wochen durch“, sagt sie zur „Presse“. „Das wird ganz gut funktionieren.“

 

Archivbild: Andrea Brunner
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Archivbild: Andrea Brunner
Archivbild: Andrea Brunner – (c) APA/HERBERT NEUBAUER

Einstieg unter Gusenbauer

Und Matznetter? Man könnte es wie die Austria Presseagentur formulieren: Es ist wenig überraschend, dass der bekannte Gerneredner die Kommunikation nach außen übernimmt.

Allerdings schien die große Zeit des Steuerberaters in der Sozialdemokratie eigentlich schon vorbei. Der 58-jährige Wiener und Vorsitzende des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands wurde bei der Listenerstellung nur mit einem Kampfmandat versehen. Sein Einstieg in die große Politik erfolgte unter Alfred Gusenbauer, der ihn als eine Art Schatten-Finanzminister aufbaute.

Daraus wurde nicht mehr, stattdessen begann für Matznetter eine eher zähe Zeit als Staatssekretär in der Koalition Gusenbauer/Molterer. Später zog Matznetter wieder in den Nationalrat, wo er sich vor allem um wirtschaftliche Belange kümmerte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2017)

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