Pilz-Mitstreiter jubeln nach einem Schreckmoment

Liste Pilz. Die neue Bewegung des abtrünnigen Grünen Peter Pilz will nicht für den Absturz der Grünen verantwortlich sein.

Peter Pilz hat gut Lachen, er schaffte auch ohne ORF-Präsenz den Einzug ins Parlament.
Peter Pilz hat gut Lachen, er schaffte auch ohne ORF-Präsenz den Einzug ins Parlament.
Peter Pilz hat gut Lachen, er schaffte auch ohne ORF-Präsenz den Einzug ins Parlament. – (c) APA (Helmut Fohringer)

Wien. Der ORF-Boykott war bei der Wahlparty der Liste Pilz von kurzer Dauer. Anfangs durften die ORF-Fernsehjournalisten nicht in das Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz und auch auf den Bildschirmen lief nicht der Staatssender, sondern ATV. Deren erste Hochrechnung mit nur 3,2 Prozent für die Liste Pilz sorgte für Schockstarre – worauf doch auf die bessere Hochrechnung im ORF umgeschaltet wurde. Die dort gezeigten 4,3 Prozent sorgten dann auch für beträchtlichen Jubel bei den Anhängern. Das dürfte Peter Pilz gnädig gestimmt haben – er ließ etwas später auch die zuvor ausgesperrten ORF-Berichterstatter doch noch ins Schutzhaus.

Der Star des Abends kam spät, aber doch dann auch selbst auf die Schmelz, wo ihn unter Kastanien, in denen abtrünnige weiße Luftballons hingen, keine tausenden, aber immerhin ein Spalier von Mitstreitern mit „Ja, es geht!“-Rufen empfing. Und wo er die Geschichte erzählte, wie ihn nach seinem Scheitern bei den Grünen der inzwischen Listendritte Alfred Noll anrief: „Wir hatten kein Geld, keine Leute, keinen Plan: Also war klar: Es kann nur etwas Neues werden.“

Pilz skizzierte vor seinen Anhängern und Kandidaten im Saal des Schutzhauses nochmals sein Ziel, nämlich neue Mehrheiten vorzubereiten. Im Parlament will er der neuen Regierung ganz genau auf die Finger schauen: Seine Bewegung stehe für „die stärkste parlamentarische Kontrolle, die möglich ist“, hatte er schon zuvor in den Fernsehdiskussionen betont. „Es ist große Freude da, aber auch große Erschöpfung“, sagte die Listenzweite Stephanie Cox über die Stimmung. „Wir sind bereit.“

Es dürfte Pilz gelungen sein, frühere Nichtwähler und Protestwähler zu mobilisieren. Wobei viele Stimmen für den abtrünnigen Grünen auch von seiner Mutterpartei gekommen sein dürften. Obwohl Pilz mehrfach betont hatte, es auf die verlorenen Wähler abgesehen zu haben, die ohnehin schon nicht mehr Grün wählten („Auf die, die schon futsch sind“).

Klar ist: Der „Solotänzer“, wie ihn die grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek einst nannte, ist mitverantwortlich für das grüne Fiasko, ob dessen auch ein Raunen durch den Saal auf der Schmelz ging. Dass die Grünen nach 31 Jahren aus dem Nationalrat zu fliegen drohen, bedauert der langjährige grüne Aufdecker nach eigenem Bekunden. „Eine Katastrophe“ wäre das für den ehemaligen grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl, neben Budgetsprecher Bruno Rossmann einer der Grünen, die bei Pilz angedockt ist. Auch Rossmann hielte das für alles andere als erfreulich – ein schlechtes Gewissen hat er aber nicht. „Die Grünen haben Fehler gemacht und jetzt haben die Wähler entschieden.“

Nicht in die Politikerpension

Offenbar haben sie sich in größerem Maße für das politische Experiment von Pilz entschieden, in dem der Aufdecker klassisch linke mit klassisch rechten Inhalten zu verbinden suchte. Und sich neben Ex-Grünen auch die (zu) rebellische Rote Daniela Holzinger-Vogtenhuber und Mitstreiter aus verschiedensten anderen Ecken holte. Ein Parteiprogramm für die Liste gab es nicht. Das Hauptprogramm war allerdings ohnehin stets Peter Pilz, auch begnadeter Selbstinszeniererer, der sich gekränkt von den Grünen verabschiedet hatte, als ihn die Basis durchfallen ließ und für Julian Schmid votierte.

Den wird der 63-jährige Aufdecker Pilz nun – sofern das Wahlkartenergebnis nicht ganz anders ausfällt als prognostiziert – im Parlament nicht wieder treffen. Seine eigene Politikerpension ist aufgeschoben.

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