Wählerströme: FPÖ verliert am meisten an die ÖVP

Die ÖVP mobilisierte ihre Wähler am besten. Stronach fischte in allen Lagern. Und die Spekulationsverluste waren kaum ein Wahlmotiv.

Wahlmotive: SPÖ und FPÖ haben sich verspekuliert
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Wahlmotive: SPÖ und FPÖ haben sich verspekuliert
NOE-Spitzenkandidaten – APA/HERBERT P. OCZERET

VP-Landeshauptmann Erwin Pröll war bei ÖVP-Wählern - wenig überraschend - das wichtigste Wahlmotiv. Laut Wahltagsbefragung von ISA/SORA für den ORF äußerten 90 Prozent den Wunsch, dass Pröll Landeshauptmann bleiben soll. Weitere Motive neben dem Spitzenkandidaten warendie Argumente Stabilität, die bisherige Arbeit der Partei und das Verteidigen der absoluten Mehrheit. SPÖ-Wähler gaben an, aus Tradition gewählt zu haben und weil sie durch die SPÖ ihre Interessen vertreten sahen. Mit etwas Abstand, nämlich mit 61 Prozent, folgten der Wunsch nach Brechen der absoluten ÖVP-Mehrheit und die Kontrolle von Missständen.

Waehlerstroeme FPoe verlor meisten
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(c) APA


Der ÖVP gelang es bei der Niederösterreich-Wahl am Sonntag am besten, ihre Wähler zu mobilisieren. Rund vier Fünftel der Unterstützer (83 Prozent) von 2008 stimmten erneut für die Volkspartei, ergab eine Wählerstromanalyse von SORA im Auftrag des ORF. Die ÖVP erzielte Zugewinne von im Saldo 7000 Stimmen von der FPÖ, im Saldo 4000 Stimmen gingen an die SPÖ verloren. 18.000 ehemalige ÖVP-Wähler wechselten zum Team Stronach.

FPÖ verlor massiv an ÖVP

Die FPÖ verlor indes die meisten ihrer Wähler (21 Prozent) an die ÖVP. Neben den Verlusten an die ÖVP kamen den Freiheitlichen Wähler in Richtung Team Stronach (19 Prozent) und neun Prozent in Richtung Nichtwähler abhanden. FPÖ-Wähler erwarteten sich von ihrer Partei zuvorderst die Vertretung ihrer Interessen. Entscheidungsgrund waren auch der Wunsch nach Kontrolle und das Ziel, die Absolute der VP zu brechen. Die Interessensvertretung war auch bei den Grünen mit 54 Prozent ein wichtiges Motiv gemeinsam mit der Erwartung, dass die Partei für frischen Wind in Niederösterreich sorgen könnte. Bei den Grünen blieben 19 Prozent der Unterstützer von 2008 zuhause. 63 Prozent schritten auch am Sonntag wieder für die Grünen zu den Urnen. Jeweils sieben Prozent der Grün-Unterstützer von 2008 wanderten in Richtung ÖVP und Stronach ab.

Vier von fünf Team Stronach-Wählern erhofften sich von der neuen Partei einen frischen Wind im Land. 66 Prozent nannten das Brechen der VP-Absoluten als wichtiges Motiv, 50 Prozent die Kontrolle von Missständen.
Stronach fischte laut SORA sowohl bei allen im Landtag vertretenen Parteien als auch bei den Nichtwählern. 21 Prozent der Stronach-Unterstützer kamen von der FPÖ, 18 Prozent von der ÖVP, 14 Prozent von der SPÖ und fünf Prozent von den Grünen. Mehr als ein Drittel (39 Prozent) der Wähler der Partei des Austrokanadiers kam von den Nichtwählern.

Spekulationen interessierten Wähler kaum

Die Veranlagung der Wohnbaugelder - das zentrale Thema im Wahlkampf - war bei der Landtagswahl offenbar kein herausragendes Wahlmotiv. Eine Wahlmotive-Umfrage des Meinungsforschers Peter Hajek für ATV ergab, dass die Spekulationen für lediglich drei Prozent der SPÖ-Wähler und zwei Prozent der FPÖ-Wähler Entscheidungsgrundlage waren.

Mit 32 Prozent war für die SPÖ- und mit 24 Prozent für die FPÖ-Wähler das Brechen der ÖVP-Absoluten wichtigster Grund. Den Spitzenkandidaten Sepp Leitner (SPÖ) und Barbara Rosenkranz (FPÖ) kam nur eine marginale Rolle zu. Über den größten Bekanntheitsgrad verfügte Landeshauptmann Erwin Pröll mit 87 Prozent. Auffallend gering schnitten dabei SP-Spitzenkandidat Josef Leitner und die Grüne Spitzenkandidatin Madeleine Petrovic ab, die jeweils nur von 55 der Befragten genannt wurden.

Fast 60 Prozent der Wähler plädierten dafür, dass Pröll die gesamt Legislaturperiode Landeshauptmann bleiben und nicht 2016 für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren solle. Das heißt, Pröll strahlt offenbar über die ÖVP-Wähler hinaus, so die Hajek-Analyse.

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