Ein Muslim, sattelfest in der ÖVP-Wertewelt

Er ist das Signal der ÖVP an junge Wähler und an solche mit Migrationshintergrund: der 26-jährige Asdin El Habbassi im Wahlkampfeinsatz in seiner Heimat Salzburg.

(c) APA/ROBERT J�GER (ROBERT J�GER)

Salzburg. Eine Diskussion mit Schülerinnen des Privatgymnasiums der Ursulinen in Salzburg, Verteilaktionen vor der Universität oder Aktionen mit gemalten Transparenten, die junge Menschen zum Mitmachen und Mitdiskutieren einladen sollen: Asdin El Habbassi, Chef der Salzburger Jungen Volkspartei und mit Platz fünf auf der Bundesliste fixer Anwärter auf einen Sitz im Nationalrat, ist so etwas wie der Generalbevollmächtigte der Salzburger ÖVP für den Kontakt mit Jungwählern.

Der 26-jährige Halleiner mit marokkanischen Wurzeln ist das Vorzeigebeispiel dafür, wie sich die ÖVP gelungene Integration vorstellt. Der junge Mann studierte Betriebswirtschaftslehre, arbeitet als Kommunikationstrainer, ist eloquent, selbstsicher und fest verankert im christlich-sozialen Universum der ÖVP. Und das, obwohl der 26-Jährige praktizierender Muslim ist, auf Alkohol und Schweinefleisch verzichtet und fünfmal täglich zu Allah betet.

„Religion ist meine Privatsache“, sagt El Habbassi selbst. Auf seinen Wahlkampftouren ist das kein Thema, auch nicht seine ausländischen Wurzeln. „Ich werde darauf kaum einmal angesprochen“, erzählt er der „Presse“.

Ein Klassiker für den Jungpolitiker: ein Treffen mit Schülerinnen der Salzburger Handelsakademie. Jacqueline, Laura und Victoria sind Erstwähler. Die 17-Jährigen sollen in Politischer Bildung ein Referat über die ÖVP halten. El Habbassi lud sie in die Parteizentrale zum Gespräch ein.

Für die Schwarzen haben sich die 17-Jährigen weniger aus inhaltlicher Nähe, sondern wegen eines Synergieeffekts entschieden. „Über die ÖVP müssen wir auch in einem anderen Fach etwas ausarbeiten“, erzählt Laura. Effizienz ist in der HAK schließlich kein Fremdwort. „Voll lieb, dass wir kommen dürfen“, bedankt sich ein Mädchen artig. „Ihr könnt mich ruhig duzen“, sorgt El Habbassi für ein weniger förmliches Gesprächsklima: „Es ist ja noch nicht so lange her, dass ich auch in der HAK war.“ Den Schülerinnen geht es um Grundsätzliches: „Für was steht die ÖVP?“, will Laura wissen. Eine Frage, die für den künftigen Parlamentarier wie gerufen kommt. „Wir sind eine christlich-soziale Partei. Bei uns ist viel von Werten die Rede“, erzählt El Habbassi: „Ob Kinder daheim oder im Kindergarten erzogen werden, soll jede Familie selbst entscheiden.“

 

Warum wählen?

„Stimmt es, dass die SPÖ für die Arbeitnehmer ist, und die ÖVP für die Arbeitgeber?“, will Victoria wissen. „Wenn man für die Wirtschaft ist, muss man auch für Arbeitnehmer sein“, sagt der Neopolitiker. Als die Rede auf die von der ÖVP favorisierten Studiengebühren kommt, sind die Schülerinnen weniger begeistert.

„Da muss man bei den Eltern wohnen, damit sich das Studium ausgeht“, wendet Victoria ein. „Warum sollten wir die ÖVP wählen?“, fragt Laura. „Sehr gute Frage“, antwortet El Habbassi: „Weil wir nicht nur für euch, sondern auch für eure Kinder und Enkelkinder vorausdenken.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2013)

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