Russland: Skifahren mit Gazprom

Der staatliche Gaskonzern steigt in den Tourismus ein. Gazprom besitzt schon ein Bergdorf. Zweiter Schritt war der Kauf des Liftbetreiberse Alpika-Service.

(c) PA (Dmitry Lovetsky)

MOSKAU. Alexei Miller, Vorstandsvorsitzender des russischen Erdgaskonzerns Gazprom, verkauft nicht nur Gas, sondern inzwischen auch Skipässe. Im südrussischen Krasnaja Poljana, einem Bergdorf, in dem die Alpinwettbewerbe der Olympischen Spiele 2014 von Sotschi ausgetragen werden, übernahm Gazprom den Liftbetreiber Alpika-Service.

Wie die Moskauer Wirtschaftszeitung „Vedomosti“ berichtete, soll der Kaufpreis zwischen 15 und 30 Mio. Dollar (zehn bis 20 Mio. Euro) betragen haben. Dafür erhält Gazprom neben einem alternden Doppelsessellift noch 200 Hektar in Pacht, 15 Trassen, einige Restaurants und eine Snowboard- und Freestyle-Arena.


„Freundliche“ Übernahme

Krasnaja Poljana, 40 Kilometer vom Schwarzmeerkurort Sotschi entfernt in den Bergen des Kaukasus gelegen, ist schneesicher bis in den März hinein. Der Ort mit seinen 3500 Einwohnern wirkt noch etwas verschlafen, soll aber dank der Olympia-Zusage zu einem russischen Wintersport-Mekka ausgebaut werden.

Pjotr Fedin, Eigner von Alpika-Service, sah sich zum Verkauf an Gazprom gezwungen, nachdem ihm russische Behörden zunehmend Ärger gemacht hatten. So verklagte ihn das Ministerium für Katastrophenschutz, weil Fedin angeblich seine Wintersportgäste nicht ordnungsgemäß vor Lawinenabgängen warnte. Auch das Hygieneamt sowie der TÜV wurden vorstellig. Fedin vermutete dahinter eine konzertierte Aktion, Er beschuldigte nicht Gazprom, sondern die Gebietsverwaltung.

Gazprom hat in Krasnaja Poljana bereits ein Bergdorf mit Hotels, Luxusholzhütten und eigener Skiarena aufgebaut. Über dem Dorf thront eine Residenz. Das gewaltige Holzhaus war eigentlich für den russischen Präsidenten als Feriendomizil vorgesehen. Doch der Sicherheitsdienst des Kreml sagte “Njet“. Die Lage sei zu exponiert. Auf den Kabinenliften der Gazprom-Skiarena prangt das Gazprom-Logo, eine Gasflamme. Natürlich darf auch ein eigenes Gasturbinenkraftwerk nicht fehlen, das aus konzerneigenem Erdgas gespeist wird. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf 400 Mio. Dollar. Gazprom wird dafür bei Olympia Gastgeber für die Wettbewerbe für Snowboard, Freestyle, Biathlon und Langlauf sein.


Aufträge für Österreicher

Ein weiterer Großinvestor ist der Oligarch Wladimir Potanin. Er hat in Krasnaja Poljana ein Tiroler Haus errichtet, und 550 Hektar Hänge für seinen Skizirkus Rosa Khutor gepachtet. Potanin ist mit 350 Mio. Dollar mit von der Partie. Aus Krasnaja Poljana soll bis 2014 ein schicker Skiort entstehen, den 36.500 Skifahrer gleichzeitig nutzen können. Österreichische Unternehmen können sich schon jetzt über Aufträge freuen. So baut Doppelmayr für Potanin und Gazprom die Liftanlagen. Der Baukonzern Strabag gilt als Favorit für die großen Straßenbauprojekte in und um Sotschi.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2008)

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