Nazi-Vergleich von Bush sorgt für Aufregung

Der US-Präsident erklärte, dass der Aufruf zu Gesprächen mit dem iranischen Regime, den Barack Obama getätigt hat, an die Politik Großbritanniens gegenüber Adolf Hitler erinnere.

(c) AP (Susan Walsh)
US-Präsident George W. Bush hat Barack Obama, dem Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, gegenüber dem Iran eine Appeasement-Politik vorgeworfen. In einer Rede vor dem israelischen Parlament erklärte er, Obamas Aufruf zu Gesprächen mit der iranischen Regierung sei vergleichbar mit der Politik Großbritanniens gegenüber Adolf Hitler im Zweiten Weltkrieg.

Die demokratische Partei reagierte mit einem Sturm der Entrüstung. Auch die Präsidentin des US-Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, erklärte, die Bemerkungen seien eines Präsidenten unwürdig. Der ehemalige Gegenkandidat des Präsidenten, Senator John Kerry, betonte, Bush solle sich dafür entschuldigen, dass er seinen Besuch in Israel für eine solche erbärmliche Stellungnahme benutzt habe. Bush reagierte darauf, ohne den demokratischen Senator namentlich zu erwähnen: "Manche scheinen zu glauben, dass wir mit Terroristen und Radikalen verhandeln sollen, als ob irgendein geniales Argument sie davon überzeugen könnte, dass sie bislang unrecht hatten."

Ein solcher Vorschlag werde nicht zum ersten Mal gemacht, setzte Bush hinzu. "Als die Nazi-Panzer 1939 nach Polen rollten, sagte ein amerikanischer Senator: 'Mein Gott, wenn ich nur einmal hätte mit Hitler reden können, dann wäre das alles verhindert worden.' Wir haben die Pflicht, diese Politik beim Namen zu nennen - das ist die unehrliche Bequemlichkeit der Beschwichtigungspolitik, die wiederholt von der Geschichte widerlegt wurde."

Obama selbst wies den Vorwurf mit den Worten zurück: "George Bush weiß, dass ich niemals Verhandlungen mit Terroristen unterstützt habe, und es ist gerade die übermäßige Politisierung der Außenpolitik des Präsidenten und seine Politik der Angst, die nichts zur Sicherheit des amerikanischen Volkes und unseres tapferen Verbündeten Israel beiträgt."

Obama hat sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, ohne Vorbedingungen Gespräche auch mit US-Gegnern wie dem Iran oder Kuba aufzunehmen. Der erklärte Israel-Feind Iran steht im Verdacht, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten. Der jüdische Staat würde in deren Reichweite liegen.

(APA)

Appeasement-Politik

Der Begriff Appeasement-Politik (engl. „Beschwichtigungspolitik“, von frz. apaiser, „befrieden“, dies paix, „Frieden“) bezeichnet die Politik der Zugeständnisse, der Zurückhaltung, der Beschwichtigung und des Entgegenkommens gegenüber Aggressionen zur Vermeidung von Konflikten. (c) Wikipedia

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