Fakten-Check: Betriebskosten im Gemeindebau strittig

Laut Medienberichten sind die Betriebskosten höher als am privaten Markt – die Stadt widerspricht. Ein Fakten-Check.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Das Thema Wohnen ist eines der Kernthemen im Wahlkampf der SPÖ – Sonntag kam Bürgermeister Michael Häupl bei einem ATV-Interview in Erklärungsnot. Der Grund ist ein Bericht von NZZ.at und ein Dossier zu den Betriebskosten im Gemeindebau, die laut Berechnungen mit 2,24 Euro pro Quadratmeter 26 Prozent über den durchschnittlichen Kosten am privaten Markt liegen sollen. Als Basis dienten Abrechnungen von 32 Gemeindebauten. Als Häupl Sonntagabend damit konfrontiert wurde, sagte er: „Das glaube ich nicht.“

Die „Presse“ machte den Fakten-Check. Die Datenlage ist schwierig: Als Vergleichswert für den privaten Markt wurde der Betriebskostenspiegel der Mietervereinigung herangezogen. Dieser ergibt sich aus rund 2000 überprüften Abrechnungen aus dem Jahr 2013. Der Durchschnittspreis liegt bei 1,78 Euro. Die Abrechnungen der Gemeindebauten stammen aus dem Jahr 2014 – und sind somit inflationsbedingt höher, auch die Verwaltungsabgabe stieg gesetzesbedingt.

Besser vergleichbare Daten liefert die Statistik Austria, die für den Mikrozensus 20.000 Wohnungen pro Quartal untersucht. Nach deren Berechnung liegen die Kosten im Gemeindebau bei 2,4 Euro pro Quadratmeter – für eine private Wohnung sind es 2,22 Euro. Der Unterschied beträgt also 18 Cent pro Quadratmeter. Demnach ist es im Gemeindebau um 7,5 Prozent teurer als am privaten Markt. Laut Wiener Wohnen betragen die durchschnittlichen Kosten übrigens 2,13 Euro pro Quadratmeter.

 

Kostentreiber Garten

Tatsächlich gibt es aber einige Punkte, die die Betriebskosten im Gemeindebau erhöhen. Das gibt auch Wiener Wohnen zu. Einer davon ist, dass die Häuser meist viel Grünraum und Spielplätze haben, diese müssen gepflegt werden. Die Hausbesorger und Gärtner sind bei Wiener Wohnen – anders als bei privaten Reinigungsfirmen üblich – fix angestellt, was durchaus teurer kommt als jemand, der nur stundenweise bezahlt wird. „Ja, man trägt mit diesen Kosten auch eine soziale Verantwortung mit“, heißt es von Wiener Wohnen.

Gerade in großen Bauten gibt es ausladende Höfe mit Laternen, Stiegenhäusern und Gemeinschaftsräumen – der Energieverbrauch wird auf die Mieter aufgeteilt. SPÖ-Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler hat noch eine Theorie, warum gerade in den Flächenbezirken die Kosten höher sind: „Wir wissen, dass hier mehr Menschen auf 100 Quadratmetern wohnen als etwa in der Inneren Stadt. Die machen aber alle Müll und verbrauchen etwa Wasser. Das wirkt sich aus.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2015)

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