Wien-Wahl: Marek und ihre Problem-Promis

Mitten im Wiener Wahlkampf gibt es Rückschläge für Christine Marek und die Wiener ÖVP: Raiffeisen gewährt SPÖ-Promi-Wahlplattform "Asyl" und Christiane Hörbiger findet Michael Häupl"wunderbar".

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Wenn man kein Glück hat, kommt oft noch Pech dazu. Diese alte „Weisheit“ trifft derzeit auf die Wiener ÖVP zu; an mehreren Fronten. Denn mitten im Wiener Wahlkampf, in dem Staatssekretärin Christine Marek dagegen kämpft, zwischen SPÖ und FPÖ nicht zerrieben zu werden, gibt es im ÖVP-Wahlkampf den einen oder anderen Rückschlag.

Der erste: Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, dessen Stimme in der ÖVP nicht die leiseste ist, hat Michael Häupl am Dienstagabend empfangen. Das alleine wäre nicht weiter bemerkenswert. Das gute Verhältnis zwischen Konrad und Häupl ist ja stadtbekannt. Aber die Gala im Raiffeisen-Turm stand im Zeichen der Prominenten-Plattform „Wir für Häupl“, die für die Wiederwahl des Wiener Bürgermeisters kämpft.

Wenn einer der mächtigsten Männer der ÖVP sechs Wochen vor der Wahl Gastgeber der Plattform „Wir für Michael Häupl“ ist, sorgt das in der Wiener VP – für Irritationen. Ein Konrad-Sprecher meinte dazu am Mittwoch: „Das war eine Veranstaltung des Komitees, so wie auch andere Veranstaltungen im Haus stattfinden. Und wenn der Wiener Bürgermeister ins Haus kommt, ist Christian Konrad als Hausherr natürlich anwesend.“ Konrad sei jedenfalls kein Mitglied der Häupl-Plattform. Ob das Faktum einer SPÖ-Wahlveranstaltung im Raiffeisen-Hauptquartier eine schräge Optik besitzt, wolle man nicht beurteilen.

Zweiter Rückschlag: Als Quereinsteiger (neben dem Schwimmer Dinko Jukić) wurde Ex-ORF-Talkmeister Gerhard Tötschinger präsentiert. Ein unausgesprochenes Kalkül: Neben Tötschinger soll seine prominentere langjährige Lebensgefährtin, die Schauspielerin Christiane Hörbiger, den Promi-Faktor verstärken und Wähler zur VP locken. Es ist ja nicht verboten, im VP-Wahlkampf augenzwinkernd den Namen von Tötschingers Lebensgefährtin fallen zu lassen.

Der Schuss geht nach hinten los, Hörbiger stellt sich nun offiziell auf die Seite Michael Häupls – im wahrsten Sinn des Wortes. Auf der Internetseite „Stimmen für Häupl“ sendet Hörbiger eine Videobotschaft an alle Wähler: „Ich gehöre keiner Partei an, aber ich glaube, ich habe immer einen guten Riecher für Menschen gehabt und bin überzeugt, dass er (Häupl, Anm.) der Richtige ist. Er hat es bis jetzt so wunderbar gemacht und wird es weiterhin wunderbar machen.“

Schlimmer kann es nicht mehr kommen, mag so mancher VP-Funktionär hoffen. Ob er sich irrt? Denn eine weitere Hiobsbotschaft, auch wenn sie derzeit eher unwahrscheinlich ist, könnte es geben. Dass die prominenteste Schwimmerin Österreichs, Mirna Jukić, Häupl und die SPÖ offiziell unterstützt (in welcher Weise auch immer) und damit indirekt gegen ihren Bruder Dinko, den Promi-Quereinsteiger der ÖVP, antritt. Bisher hat Mirna Jukić, der eine hohe SPÖ-Affinität nachgesagt wird, alle Angebote abgelehnt. Aber im Juni stieg sie zur Vizepräsidentin des Wiener Schwimmverbandes auf, als Stellvertreterin Christian Meidlingers. Der ist der Nachfolger Rudolf Hundstorfers als Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft und einer der einflussreichsten SP-Politiker im Rathaus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2010)

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