Slowenien: Größtes Massengrab aus Zweiten Weltkrieg

Bis zu 10.000 Opfer von Partisanen, darunter vermutlich Deutsche, liegen im größten bekannten Massengrab im Dorf Mostec in Slowenien an der kroatischen Grenze aus dem Zweiten Weltkrieg bzw. dessen Folgemonaten.

(c) EPA (Syed Jan Sabawoon)

Ljubljana/Belgrad. Seit Jahrzehnten erzählten die Älteren im Dorf Mostec in Südostslowenien an der Grenze zu Kroatien davon: Von Mai bis Oktober 1945 seien Kolonnen von Kriegsgefangenen und Zivilisten durchs Dorf in Richtung des nahen Panzergrabens am Save-Ufer getrieben worden. Nächtens habe man von dort MG-Salven gehört.

Die Geschichten werden nun durch Studien der Behörden bestätigt: In dem 186 Meter langen, vier Meter breiten und zwei Meter tiefen Graben, den deutsche Verteidiger gezogen hatten, dürften bis zu 10.000 Skelette liegen, schätzt Marko Strovs, Chef der slowenischen Behörde für Massengräber, nach zweiwöchigen Sondierungen. Es sei das größte bekannte Massengrab in Slowenien aus dem Zweiten Weltkrieg bzw. dessen Folgemonaten.

Mit großer Grausamkeit hatten Kroatiens faschistisches Ustascha-Regime sowie deutsche, italienische und serbische Tschetnik-Truppen im Krieg Juden, Roma und oppositionelle Serben bekämpft. Auf den Widerstand der KP-Partisanen in Jugoslawien unter Josip Broz Tito folgte brutale Vergeltung: So befahl das Oberkommando der Wehrmacht etwa die Tötung von 100 Kommunisten für jeden getöteten Deutschen.

Zu Kriegsende folgte die Rache an den abziehenden Deutschen der Heeresgruppe E, vor allem aber an den verbündeten kroatischen, bosnischen, slowenischen und serbischen Soldaten und Kollaborateuren. Sie flohen über Slowenien gen Österreich oder Italien, wurden aber meist bei Kämpfen getötet oder gefangen, viele wurden von den in Südösterreich befindlichen Briten ausgeliefert. In langen Märschen stapften die Gefangenen der Partisanen oft direkt in den Tod. Ohne Prozess wurden Zehntausende ermordet und verscharrt. In Slowenien soll es mehr als 500 Massengräber geben, in Kroatien über 800. Schätzungen der Opferzahl klaffen auseinander: In beiden Staaten wird das einstige Tabu-Thema kontrovers diskutiert.

 

Reste der Division „Prinz Eugen“?

Im Massengrab von Mostec liegen vermutlich vor allem Kroaten und Slowenen. Neben Ustascha-Soldaten fand man auch mit Draht gefesselte Skelette von Zivilisten. Möglicherweise sind im Grab auch Soldaten der 7. SS-Gebirgsdivison „Prinz Eugen“. Sie bestand vor allem aus in Südosteuropa rekrutierten Volksdeutschen und beging viele Kriegsverbrechen. Das Gros der rund 20.000 Mann starken Einheit ergab sich Mai 1945 unweit der Grenze zu Österreich – und verschwand. Bisher weiß man nur, dass etwa 2000 Mann davon im Raum Brežice nahe Mostec getötet wurden.

Erst im September wurden in einem Massengrab an der Kärntner Grenze östlich von Bleiburg rund 700 Partisanen-Opfer entdeckt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2010)

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