Schleinzers Experiment: Drei Kandidaten für ganz rechts

Mit drei unabhängigen Kandidaten versuchte Karl Schleinzer 1971, das VP-Wählerspektrum nach rechts zu erweitern. Die Absicht war klar. Bisherige Stammwähler der FPÖ sollten abgeworben werden. Nur einer blieb.

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Mit drei unabhängigen Kandidaten versuchte Schleinzer 1971, das VP-Wählerspektrum nach rechts zu erweitern. Er bot dem Innsbrucker Verwaltungs- und Staatsrechtler Felix Ermacora ein sicheres Mandat an; ebenso dem früheren ÖVP-Mandatar Ernst Graf Strachwitz und dem Gleisdorfer FP-Bürgermeister Rudolf Heinz Fischer.
Die Absicht war klar. Fischer sollte aus dem freiheitlichen Funktionärskorps Stimmen bringen (was nur mäßig erfolgreich war). Weil ihm die Grazer SPÖ-Zeitung „Neue Zeit“ neofaschistische Tendenzen nachsagte, ließ er im Endspurt des Wahlkampfes das Tagblatt beschlagnahmen.
Ernst (Reichsfreiherr von) Strachwitz hingegen sollte ganz weit nach rechts ausgreifen. Der Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkriegs und Jurist hatte bald nach Kriegsende die „Junge Front“ gegründet, die sich aus Kriegsteilnehmern rekrutierte und die Volkspartei unterstützte.
Einer der Mitbegründer hieß übrigens Willfried Gredler, der sich aber sehr bald als Liberaler gab – und in der FPÖ seine Karriere zielstrebig verfolgte. Strachwitz überwarf sich mit der VP-Führung und zog sich zunächst aus der Politik zurück. Der aus schlesischem Uradel abstammende Ex-Offizier nahm 1971 sein Mandat schließlich nicht an, weil man ihm seine Heimwehrvergangenheit vorgeworfen hatte.

Glücksgriff Felix Ermacora

Felix Ermacora hingegen blieb. Er wurde einer der interessantesten und geistreichsten Mandatare, nahm schließlich sogar das schwarze Parteibuch. Dass er eine Zeitlang auch Präsident des Österreichischen Alpenvereins war, gereichte der ÖVP sicher nicht zum Nachteil. Was Südtirol betraf und sein Lieblingsthema, die UNO-Konvention zur Beseitigung von Rassendiskriminierung, vertrat er seine fundierte Meinung unbeeinflussbar von der jeweiligen Parteilinie.

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