Ehemaliger FPÖ-Vize-Chef Otto Scrinzi gestorben ‎

Der frühere stellvertretende FPÖ-Obmann und Präsidentschaftskandidat Otto Scrinzi ist tot. Laut einer Aussendung von FP-Chef Strache ist er in der Nacht auf Montag im Alter von 93 Jahren gestorben.

Ehemaliger FPÖ-Vize-Chef Otto Scrinzi gestorben
Ehemaliger FPÖ-Vize-Chef Otto Scrinzi gestorben
Otto Scrinzi – (c) APA/GERT EGGENBERGER (Gert Eggenberger)

Der ehemalige FPÖ-Politiker Otto Scrinzi soll im Alter von 92 Jahren verstorben sein. Laut einer Aussendung der FPÖ starb er in der Nacht von 1. auf 2. Jänner.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigte sich darin tief betroffen: "Scrinzi war jemand, den man mit Fug und Recht als freiheitliches Urgestein bezeichnen konnte und der die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft immer gelebt hat", so Strache. Seine Leistungen für die Freiheitlichen würden unvergessen bleiben. "Otto Scrinzi war zweifellos stets eine tragende Säule der Freiheitlichen. Wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren."

Otto Scrinzi wurde am 5. Februar 1918 in Lienz in Osttirol geboren. 1941 promovierte er zum Doktor der Medizin und wurde später als Nervenfacharzt Primararzt an der Männerabteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt und erstellte auch Gerichtsgutachten als Psychiater.

Geburtshelferder VdU/FPÖ

Politisch startete Scrinzi seine Laufbahn nach dem Krieg als Geburtshelfer der VdU (Verein der Unabhängigen), der Vorgängerpartei der FPÖ. Als Gründungsmitglied war er von 1950 bis 1953 Obmann des VdU. Von 1949 bis 1956 gehörte er als Abgeordneter dem Kärntner Landtag an und war dort Klubobmann. Für die FPÖ saß Scrinzi vom 30. März 1966 bis 4. Juni 1979 im Nationalrat. Er war dort Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, außenpolitischer Sprecher, Südtirol-Sprecher und kurze Zeit auch Sozial-Sprecher.

Von 1966 bis 1974 war Scrinzi stellvertretender Parteichef, 1977 wurde er auch zum stellvertretenden Klubobmann gewählt. 14 Jahre lang war Scrinzi Delegierter in der Beratenden Versammlung des Europarates und in der Generalversammlung der Vereinten Nationen und Vorstandsmitglied der Österreichisch-Koreanischen Gesellschaft.

1986 kandidierte Scrinzi für das Amt des Bundespräsidenten, scheiterte mit 1,2 Prozent im ersten Wahlgang aber klar. Zum Staatsoberhaupt gewählt wurde damals nach einem der schmutzigsten Wahlkämpfe Kurt Wahldheim in einer Stichwahl gegen Kurt Steyrer.

Schon zuvor hatte sich Scrinzi mit der damaligen liberalen FPÖ-Führung unter Norbert Steger überworfen und 1984 die "National-Freiheitliche Aktion" (NFA) gegründet. Nach der Wahl Jörg Haiders zum Parteichef und dem damit verbundenen Rechtsruck der FPÖ söhnte sich Scrinzi mit seiner Partei wieder aus. 1992 wurde er Vorsitzender des Deutschen Kulturwerks Österreich.

Scrinzi, der "rechte Politiker"

Während der NS-Zeit war Scrinzi SA-Sturmführer und Mitglied der NSDAP. Seiner nationalen Gesinnung blieb er auch nach dem Krieg treu. Nach Angaben des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) stattete er dem NS-Kriegsverbrechter Walter Reder in Gaeta regelmäßige Besuche ab und nahm auch mehrmals an Veranstaltungen der Deutschen Volksunion (DVU) teil. 1976 führte ein Referat Scrinzis über die "Minderheitenfrage" an der Universität Wien zu Tumulten. Das DÖW führt Scrinzi auch als Unterzeichner des Aufrufs der "Deutschen National-Zeitung" für eine Generalamnestie für NS-Verbrecher.

Dass er eine Generalamnestie für NS-Verbrechen gefordert habe, wies Scrinzi jedoch zurück: "Ich war immer der Meinung, dass dort, wo persönliche Schuld vorliegt, wo kriminelle, verbrecherische Dinge geschehen sind, die Betreffenden zur Verantwortung zu ziehen wären. Ich habe mich immer nur gegen die Kollektivschuldthese gewandt." Auch gegen den Vorwurf, rechtsextrem zu sein, wehrte sich Scrinzi und bezeichnete sich selbst als rechten Politiker.

(APA)

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