Finales Feedback für Mitarbeiter

Arbeitszeugnisse sind Gesamtkunstwerke mit fixer Struktur.

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Jahreszeugnis – (c) APA (Harald Schneider)

Ein komplettes Arbeitszeugnis deckt folgende Themen ab:

1. Einleitung: Mitarbeitername, Geburtsdatum, Adresse, Ein- und Austrittsdatum, letzte Position.

2. Werdegang im Unternehmen/Aufgaben: Erkennbar sollten ein kontinuierlicher Aufstieg und zunehmende Verantwortung sein.

3. Leistungsbeurteilung: Arbeitsbereitschaft und -befähigung, Fachwissen, Arbeitsweise und -erfolg, Führungsleistung, Erfolgsbeispiele. In der Kurzversion alles zusammengefasst zu einer codierten Gesamtnote. Für die gilt: je schwülstiger, desto besser.
Note 1: „führte alle Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit durch“.
Note 2: „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“.
Note 3: „zu unserer vollen Zufriedenheit“.
Note 4: „zu unserer Zufriedenheit“.
Note 5: „im Großen und Ganzen“, „in der Regel“ oder ganz schlimm – „bemühte sich“.

4. Betragensnote: Verhalten zu Kunden, Vorgesetzten und Kollegen/Mitarbeitern (in dieser Reihenfolge!), Codes wie oben.

5. Beendigungsgrund: Nur wenn dem Scheidenden das aktive Verb zugeordnet wird („verlässt uns auf eigenen Wunsch“), ist tatsächlich er der treibende Teil. Bei jeder anderen Formulierung („haben uns einvernehmlich getrennt“) ging die Initiative vom Arbeitgeber aus. Echte Beidseitigkeit heißt „in bestem gegenseitigen Einvernehmen“. Böse: Ein „schiefes“ Enddatum (= fristlose Kündigung). Saubere Trennungen erfolgen zum Monatsletzten oder zum 15. eines Monats. 

6. Dankes- und Bedauernsformel, Zukunftswünsche: Je üppiger, desto besser. Ganz schlimm: „Wir wünschen ihm alles Gute, insbesondere bei den weiteren Bemühungen.“ 

7. Signatur: Unterschrift (hochrangig), Ort, Datum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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