Laut und dann wieder lauschig

Arbeiten im Großraumbüro des Unternehmens oder doch lieber zu Hause im Home-Office?

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Früher hatten Großraumbüros gar kein gutes Images. Sie sind laut, ständig wird über zu viel oder zu wenig Licht, die optimale Raumtemperatur, offene oder geschlossene Fenster diskutiert. Dazu Kollegen, die so laut telefonieren, als müsste sie ihr Gesprächspartner in Übersee auch ohne Leitung hören. Oder solche, die glauben, ihre Pizza Tonno am Schreibtisch essen zu müssen.

Großraumbüros bergen viel Zündstoff, bieten aber auch viele Möglichkeiten des sozialen Austauschs und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Auch Studenten sehen in Großraumbüros mehr Vor- als Nachteile, und sie sind somit ihre beliebtesten Arbeitsplätze.

Das hat aber vor allem damit zu tun, dass das Großraumbüro des Jahres 2018 im Idealfall nichts mit den „Legebatterien“ der 1970er- und 1980er-Jahren zu tun hat. Heute treten moderne Großraumbüros immer gemeinsam mit anderen Räumen auf, die für bestimmte Tätigkeiten konzipiert sind: mit Besprechungsräumen, Telefonkammerln, Küche bzw. Cafeteria, in der Raum zum informellen Gespräch zwischen den Kollegen ist. Und manchmal auch mit Ruheräumen, in denen man ungestört bei einem Power-Nap neue Energie tanken kann.

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Niemals einsam

Berufsanfänger schätzen den Austausch und die Kommunikation mit Kollegen, netzwerken viel und legen besonders Wert auf Geselligkeit. 73 Prozent der Befragten einer groß angelegten Umfrage im deutschsprachigen Raum gaben an, dass ein Großraumbüro den idealen Arbeitsplatz darstelle. Mehr als die Hälfte bevorzugt hierbei einen zugewiesenen Schreibtisch, gut 20 Prozent hingegen schätzen Flexibilität und bevorzugen Open Workspaces ohne festen Sitzplatz.

Diese Form von Desk-Sharing ist für viele Jobeinsteiger gewöhnungsbedürftig. Platz für das Foto des Freundes oder der Freundin oder für die Lieblingspflanze gibt es dann nicht – zumindest am Abend muss alles in den Spind oder Rollcontainer. Auf dem dritten Platz der beliebtesten Arbeitsplätze landen kleinere Bürozimmer. Ein Zehntel teilt es sich am liebsten mit einem Kollegen, knapp jeder Zehnte (neun Prozent) arbeitet gern im Team mit bis zu vier Mitgliedern. Für sieben Prozent bilden Einzelbüros die optimalen Arbeitsbedingungen.

Flexibel

Arbeiten könne heute unabhängig von Zeit und Ort stattfinden, sagt Andreas Gnesda, Experte für Bürokonzepte. Entsprechend sind flexible Arbeitszeitmodelle und -orte ein Thema, das viele Unternehmen beschäftigt. Gnesda findet, dass jeder Mensch selbst am besten wisse, wie er am besten arbeiten könne.

„Die Aufgabe einer Firma ist es, jedem Mitarbeiter das Arbeitsumfeld zu bieten, in dem er optimal performen kann“, sagt der Bürogestalter, der sich zur besseren Konzentration auch gern einmal ins Kaffeehaus setzt. Oder eben auch von zu Hause aus arbeitet. Home-Office ist ebenfalls seit vielen Jahren ein Thema, doch wurde es noch nie so intensiv diskutiert wie heute.

Schnell einsam

Denn so lauschig es ist, sich zu Hause zum konzentrierten Arbeiten zurückzuziehen, der Kontakt mit den Kollegen, die man über den Schreibtisch hinweg um Rat fragen kann oder mit denen man beim Kaffee zwischendurch plaudert, fehlt vielen schnell einmal. Und noch etwas sollte man sich überlegen: Zu Hause verschwimmen Berufliches und Privates leichter, da das Wohnzimmer zum Büro wird und das Smartphone permanent geschäftliche E-Mails empfängt.

Wer von zu Hause aus arbeiten will (und sei es nur tageweise), sollte das auch rechtlich mit dem Arbeitgeber besiegeln. Geregelt werden sollten dabei der zeitliche, räumliche und inhaltliche Umfang der Telearbeit: Wann bin ich erreichbar, wer trägt die Kosten für Telefonrechnung und Datenvolumen und alles, was ich sonst an Büro- und Arbeitsmaterialien sowie -infrastruktur benötige? Wer haftet für Schäden an den Arbeitsmitteln? Und darf ich Arbeitsmittel, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt (in welchem Ausmaß?) privat nutzen? Wie führe ich die Arbeitszeitaufzeichnung?

Steuerlich interessant?

Was sich Jobeinsteiger ebenfalls überlegen sollten, die im Home-Office arbeiten wollen: Was bedeutet das alles steuerlich für mich? Kleiner Tipp: Wer den Steuerberater zur Beratung ins Home-Office lädt, sollte lüften, für den Fall, dass Pizza Tonno auf dem Speiseplan gestanden ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2018)

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