Gamification: Spielen um den Job

Was haben Unilever, LinkedIn und Tesla gemeinsam? Sie laden Bewerber ein, ein nettes Computerspiel mit ihnen zu spielen. Dahinter verbirgt sich ein Psychotest.

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Man muss die Recruiter verstehen: Tagein, tagaus öde Texte, die nicht die Bezeichnung „Motivationsschreiben“ verdienen. Ich bin teamfähig und ehrgeizig, steht da, und bewerbe mich hiermit für den Job xy. Wie langweilig!

Lustiger sind da Online-Spielchen, bei denen Bewerber mehr über sich verraten als ihnen recht ist. Sehr beliebt ist das des US-Unternehmens Pymetrics, das angeblich schon eine Millionen Menschen für Referenzkunden wie Unilever, Accenture, LinkedIn, Tesla oder Randstad gespielt haben. Im Rausch der Action vergisst der meist junge Bewerber – typisch sind diese Games für Uniabsolventen und Berufseinsteiger -, dass er gerade einen Persönlichkeitstest absolviert, der für das personalsuchende Unternehmen maßgeschneidert wurde. Dahinter steckt eine Künstliche Intelligenz (KI), die mit den Spielergebnissen jener Mitarbeiter gefüttert wurde, die besonders gut in ihrem Job sind.

Eine Alternative ist die KI hinter der deutschen Software Precire. Hier telefoniert die KI ein paar Minuten mit dem Bewerber und schließt aus Wortwahl, Satzkonstruktion und Tonfall auf den Charakter.

Noch eine Option: HireVue wertet Selbstdarstellungsvideos nach Sprache, Gestik und Mimik aus und selektiert so vor, wer ins nachfolgende Assessment Center eingeladen wird.

Warum KI im Recruiting so beliebt ist

Allen diesen Bewerbungstools ist eines gemeinsam: Sie dürfen nicht alleine entscheiden, wer den Job bekommt. Sie dürfen nur vorselektieren, wer die nächste Runde erreicht. Die Endauswahl muss immer ein Mensch treffen.

Personalisten lieben ihre Games aus zwei Gründen. Erstens, sie sparen ihnen Arbeit (besonders den langweiligen Teil). Zweitens und mindestens so wichtig: Jetzt bewerben sich ganz andere Menschentypen: internationaler - und nicht mehr so steif.

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