Unabhängig, und doch nicht ganz frei

Selbstständigkeit. Besonders die Generation 50 plus interessiert sich für Franchising: Sie will sich selbst verwirklichen und selbstständig arbeiten – ohne selbst eine Geschäftsidee haben zu müssen.

Grafik: Franchising in Österreich im Jahr 2017.
Grafik: Franchising in Österreich im Jahr 2017.
Grafik: Franchising in Österreich im Jahr 2017.

Wer bei Hagebau oder OBI einkauft, bei McDonald's oder Subway isst und bei Mrs. Sporty oder Bodystreet trainiert, der macht das bei einem Franchisenehmer. An rund 10.400 Standorten in Österreich sind Filialen der derzeit 440 aktiven Franchisesysteme zu finden. Sie erwirtschafteten zuletzt einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro.

Zwei Entwicklungen registriert Barbara Rolinek, Generalsekretärin des Österreichischen Franchise-Verbandes (ÖFV): Die Franchisenehmer werden jünger – und sie werden älter.

In zumindest einem Motiv finden sich diese beiden konträren Altersgruppen: Sie wollen selbstständig arbeiten, sie wollen keinen direkten Vorgesetzten haben und sich die Zeit selbst einteilen können. Und sie wollen – trotz aller Unabhängigkeit – doch nicht ganz allein operieren, sondern mit einer (mehr oder weniger) erfolgreichen Geschäftsidee im Rücken. Die zwar Vorgaben macht und damit die unternehmerische Freiheit limitiert, dabei aber doch freie Hand lässt.

Besserwisser haben es schwer

Umgekehrt, sagt ÖFV-Präsident Andreas Haider, „ein Selfmademan, der alles besser weiß und nicht auf das Know-how der Experten und Franchisegeber setzt, wird es schwer haben“.

Ob Franchising für die Unternehmer ideal ist, um Beruf, Freizeit und Familie unter einen Hut zu bringen, wie von vielen versprochen wird, hängt aber sehr stark von der Persönlichkeit, dem unternehmerischen Geschick und dem Organisationstalent des Franchisenehmers ab.

Für die Generation 50 plus ist Franchise auch deswegen interessant, weil sie in den verbleibenden Berufsjahren Selbstverwirklichung anstrebt und eher weniger Schwierigkeiten hat, die Anfangsinvestitionen von durchschnittlich 120.000 Euro zu finanzieren. Ebenso die durchschnittliche Einstiegsgebühr von rund 18.000 Euro, um sich in das System „einzukaufen“ – abhängig von der Bekanntheit der Marke, dem Entwicklungsstand des Franchisesystems und dem anfänglichen Leistungspaket des Franchisegebers. Sie kann auch die erforderliche Eigenkapitalquote von rund 31 Prozent garantieren.

Und sie bringt Erfahrung mit: Die meisten Gründer in dieser Gruppe verfügen über knapp 20 Jahre Berufs- und 14 Jahre Branchenerfahrung. Rund 75 Prozent starten aus einer unselbstständigen Beschäftigung.

Voraussetzung aber bleibt: Der Franchisenehmer muss ein unternehmerischer Typ sein. Und darauf würden auch die Franchisegeber achten, sagt Rolinek.

Social Franchise kommt

Den Großteil der Franchisesysteme stellen weiterhin der Handel und die Gastronomie. Derzeit entdecken verstärkt Dienstleister und Berater das Franchising für sich.

Und noch ein Zweig etabliert sich: Social Franchising. Systeme, die mit ihrer Tätigkeit gesellschaftliche Herausforderungen lösen oder Fragen der sozialen Inklusion, Umwelt oder Bildung beantworten. Paradebeispiel ist das Grazer Franchise Atempo, das für Unternehmen und öffentliche Stellen Know-how in Bezug auf barrierefreie Kommunikation sowie Qualitätsevaluierung liefert.

 

Auf einen Blick

Rund 440 Franchisesysteme sind derzeit in Österreich vertreten. Sie verfügen im Schnitt jeweils über 25 Standorte und beschäftigen jeweils rund 240 Mitarbeiter. 59 Prozent davon sind weiblich. Mit 43 Prozent weiblichen Führungskräften liegt die Quote höher als in der Gesamtwirtschaft.


[OP0VZ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2018)

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