Co-Living: Gemeinsam arbeiten, gemeinsam leben

Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier über einen neuen Trend in der Digital- und Kreativszene.

Groß wie eine Hotellobby: der Eingangsbereich des Londoner Old Oak Co-Living-Space
Groß wie eine Hotellobby: der Eingangsbereich des Londoner Old Oak Co-Living-Space
Groß wie eine Hotellobby: der Eingangsbereich des Londoner Old Oak Co-Living-Space

Sie arbeiten zusammen, sie leben zusammen. Der neue Lebensentwurf heißt Co-Living, die Weiterentwicklung von Co-Working. Dass Arbeits- und Privatsphäre kaum mehr zu trennen sind, stört die Protagonisten nicht.

In Berlin etwa bietet das Start-up Happy Pigeons vier Wohnungen und zehn Einzelzimmer ab 550 Euro monatlich inklusive Nutzung des Co-Working-Raums an. Auch Rent24, einer der größten deutschen Anbieter von Co-Working-Spaces, ist auf den Zug aufgesprungen. Im Berliner Stadtteil Tempelhof-Schöneberg eröffnete er ein Co-Living-Haus mit 52 Zimmern und mehr als 150 Betten. Wie bei einem Hotel kostet die Nacht rund 127 Euro, der Monatspreis ist mit 1500 Euro vergleichsweise wohlfeil. Dafür darf am auch an den mehr als 500 Events teilnehmen, die die Gruppe jedes Jahr veranstaltet.

Homogener Mikrokosmos

150 Betten sind mickrig im internationalen Vergleich. Old Oak in London hat 546 Einzelzimmer, auf zehn Stockwerke verteilt, und bezeichnet sich als den weltgrößten Co-Living-Space. Das Studio mit eigener Kitchenette kostet ab umgerechnet 1424 Euro, samt Co-Working-Space, Fitnessclub, Lounge und Kino. Wer nicht will, braucht seinen kleinen Mikrokosmus gar nicht mehr zu verlassen.

Falls er denn überhaupt aufgenommen wird. Bei den Happy Pigeons ist die Nachfrage so hoch, dass man sich leisten kann zu selektieren. Mittels Fragebogen und Interview wird abgeklopft, ob der Bewerber bereit ist, sich der Communitykultur unterzuordnen. Bevorzugte Zielgruppe sind die „Digitalen Individualisten“, Freelancer, die neuen Wanderarbeiter der Digital- und Kreativbranche, die ohnehin bald weiterziehen. Die sparen sich so die Wohnungssuche und das zeitraubende Bemühen um Anschluss.

(red.)

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