Wenn Start-ups auseinanderdriften

Ab einer gewissen Größe geht die Nähe verloren. Ein Wiener Start-up fand eine Lösung.

(c) Pixabay

Entwachsen Start-ups ihren Kinderschuhen, verlieren sie, was ursprünglich ihren Reiz ausgemacht hat: das Improvisieren, das Jeder-kennt-Jeden, das Es-geht-uns-nicht-ums-Geld-sondern-um-die-Vision. Die Sinnfrage geht neben Umsatz und Gewinn verloren.

So mag es auch Ready2order ergangen sein. 2015 rechtzeitig vor Einführung der Registrierkassenpflicht gegründet, bringt das Start-up Kassensysteme auf Smartphones und Tablets zum Laufen. Nun schwappt die Welle in Deutschland hoch. Bis Jahresende will die österreichische Gründung, die vorausschauend von A1 unter die Fittiche genommen wurde, von 50 auf 80 Mitarbeiter wachsen.

Social-Pionier im Tech-Bereich

Bereits bei dieser Größe geht die Nähe verloren. Strukturen und Hierarchien müssen eingezogen werden, der enge Kontakt reißt ab. HR-Manager Thomas Kohler fand die Lösung bei einer inzwischen global tätigen CRM-Plattform aus Palo Alto (auch sie war einmal ein Start-up). Sie heftet sich soziales Engagement auf die Fahne.

Letzteres ist im Tech-Bereich selten, fiel Kohler auf: „Der Markt ist voll mit Social-Start-ups“, sinniert er, „aber im Tech-Bereich engagieren sich nur wenige für Soziales oder für die Umwelt. In Österreich ist das noch nicht angekommen.“

Teambuilding aus sozialem Gedanken heraus

Er verband den sozialen Gedanken mit einem Teambuilding-Ansatz, der sein Problem von schnellem Wachstum und Entfremdung löste: Nun renoviert das Team mit vereinten Kräften die Räumlichkeiten sozialer Einrichtungen, es paniert Schnitzel für Bedürftige, hilft bei der Kleiderausgabe der Caritas und spendet Hardware für soziale Einrichtungen. Damit sind beide Zwecke erfüllt: Gutes tun und wieder zusammenwachsen.

Kohler wünscht sich Nachahmer für seine Kombination aus Teambuilding plus Sozial- oder Umweltengagement. Seinem Team tat sie gut.


[OKJ7D]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2018)

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