Zeitarbeit: Innovatives „Zweiklassensystem“

Die Branche wird unterschiedlich wahrgenommen. Ihre Bedeutung wird allerdings zunehmen.

Zeitarbeit Innovatives Zweiklassensystem
Zeitarbeit Innovatives Zweiklassensystem
(c) EPA (Rolf Vennenbernd)

Differenziert“ sei das Bild der Zeitarbeit noch immer – das attestiert auch Gerhard Flenreiss, Fachgruppenobmann der gewerblichen Dienstleister in der Wirtschaftskammer Wien, anlässlich der Präsentation der Studienergebnisse von „Zeitarbeit in Österreich“ letzte Woche in Alpbach. „Tendenziell“ gehe die Entwicklung aber ins Positive, betont er gleich darauf: So könnten sich zwar noch immer nahezu drei Viertel (72 Prozent) der Befragten nicht vorstellen, als Zeitarbeiter zu arbeiten. Jedoch meinte jeder zweite der insgesamt 1000 Befragten, dass die Bedeutung von Arbeitskräfteüberlassung – teilweise deutlich – zunehmen werde.

Freiheit geschätzt

Laut Flenreiss sind derzeit zu Spitzenzeiten während des Jahres bis zu 100.000 Zeitarbeiter und -angestellte im Land beschäftigt. Die „differenzierte“ Wahrnehmung zeigt sich auch, wenn man nach den mit der Branche am stärksten assoziierten Begriffen fragt: Zweiklassensystem (40 Prozent) und Ausbeutung (35 Prozent) werden dabei ebenso genannt wie flexibel (54 Prozent), an die Arbeitsmarktherausforderungen ange-passt (54 Prozent) sowie modern und innovativ (40 Prozent).

Personen mit Erfahrung in diesem Bereich bewerten die Branche tendenziell positiver als Menschen, die damit noch nie in Berührung gekommen sind. „Zeitarbeit ist etwas, was die Bedürfnissen der modernen Gesellschaft sehr nahe kommt“, sagt Flenreiss. Ähnlich auch die Einschätzung des Unternehmensberaters Thomas Schmutzer: Zeitarbeit sei – wie auch der mobile Arbeitsplatz und eine stärkere Projekt-Orientierung – mittlerweile Teil der neuen Arbeitswelt geworden.

„Diese Dinge bringen stellen die Organisationen ebenso wie das Management vor große Herausforderungen“, sagt Schmutzer. Bereits jetzt wollen einige Experten und Fachkräfte lieber als Zeitarbeiter oder Selbstständige für ein Unternehmen arbeiten, als bei ihm angestellt zu sein. „Diese Personen schätzen vor allem ihre Freiheit“, sagt der auf neue Arbeitsformen spezialisierte Berater.

Vertrauen notwendig

Beide Manager heben allerdings hervor, dass diese neuen Arbeitsformen – im Besonderen auch die Zeitarbeit – Vertrauen aller Beteiligten benötigen, um funktionieren zu können. Das schließe das beschäftigende Unternehmen ebenso ein wie den Arbeitskräfteüberlasser sowie die Zeitarbeiter selbst. Wenn dieser sich nicht darauf verlassen könne, dass er kontinuierlich – für welche Unternehmen auch immer – beschäftigt werde, könne das Konzept Zeitarbeit nicht funktionieren.

Im Unternehmen, fügt Schmutzer an, seien vor allem die Führungskräfte gefordert. Diese benötigten allerdings oft einen gewissen „Leidensdruck“, um mehr Vertrauen in ihren Management-Stil zu bringen. Der Fachkräftemangel beginne einen solchen Druck bereits zu erzeugen, ist sich der Fachmann sicher.

Zu den Personen

Gerhard Flenreiss (li) ist Fachgruppenobmann der gewerblichen Dienstleister in der Wirtschaftskammer Wien und geschäftsführender Gesellschafter des Zeitarbeitsunternehmens MediCare.

Thomas Schmutzer (re) ist Geschäftsführer und Gesellschafter der HMP BeratungsGmbH. Seine Beratungsschwerpunkte sind Unified Communications und die New World of Work mit Fokus auf Mobility und Zusammenarbeit.

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