Warum Ihr Startup wahrscheinlich scheitert – und fünf Tipps, damit dies nicht passiert

Sehen Sie der Tatsache ins Auge: die Chancen, dass Sie mit Ihrem Startup scheitern, sind um ein Vielfaches höher als Ihre Erfolgschancen. Müsste man auf den potenziellen Erfolg eines Startups wetten, erhöht das Setzen auf „Scheitern“ das Gewinnpotenzial mindestens um das Zehnfache.

Ein paar Horrozahlen gefällig? Laut dem etablierten Branchen-Blog Gründerzene scheitern elf von zwölf Startups. Oder, anders formuliert: die Ablebens-Chance eines Unternehmens im Online- und Mobile-Bereich liegt bei über 90 Prozent.

Für nicht viel mehr Stimmung bei allen motivierten Gründern sorgen die Statistiken des U.S Bureau of Labor Statistics und eine Erhebung der Entrepreneurship Stiftung Ewing Marion Kauffman Foundation. Laut dieser Quellen überleben 60 Prozent der neugegründeten Unternehmen drei Jahre lang, 35 Prozent bleiben immerhin 10 Jahre am Markt.

Richtig miese Laune bekommt der Exit-orientierte Gründer aber beim Blick auf folgende Statistik: Zwischen den 2006 und 2011 mit Venture Capital finanzierten Startups in den USA wurden lediglich elf Prozent verkauft oder an die Börse gebracht. Wie viele dieser Exits für die Gründer tatsächlich das finanzielle „live changing“ Ereignis brachten, ist hierbei noch völlig offen. Die subjektive Beobachtungen der letzten Jahre legt nahe, dass es mit Sicherheit nicht einmal jeder hunderste Gründer zu einem finanziell signifikanten Exit schafft.

Wenn Sie ein Online- oder Mobile-Startup gründen, dann werden Sie also mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Und sollten Sie es schaffen, unternehmerisch zu überleben, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:10, dass Sie Ihr Unternehmen irgendwann mal gewinnbringend verkaufen werden. Dass Sie danach nie wieder finanzielle Sorgen haben, bleibt dabei höchst ungewiss. Der Überlebenskampf ist also hart. Hier fünf Tipps, mit denen Sie Ihre Erfolgswahrscheinlichkeit signifikant erhöhen können.

1) Arbeiten nur mit den Besten
Arbeiten Sie ausschließlich mit den besten Leuten, die Sie bekommen können. Holen Sie sich als Gründer den besten Geschäftsführer, den Sie bekommen können. Seien Sie ehrlich zu sich selber und akzeptieren Sie die Rolle, die Sie am besten ausfüllen. Beim Team darf es keinen Kompromiss geben. Ein gutes Team kann auf (fast) jede Herausforderung reagieren und sogar Gefahren in Möglichkeiten umpolen. Ein schlechtes Team wird mit einer guten Geschäftsidee in einem perfekten Marktumfeld scheitern.

2) Volles Commitment!
Wenn Sie gründen, dann gründen Sie und machen nichts anderes. Kein Nebenjob, keine anderen beruflichen Verpflichtungen. Kein Netz und kein doppelter Boden. Verlangen Sie das auch von Ihren Mitgründern und von ihren Mitarbeitern. Nur so werden Sie alle Potenziale, bei sich selbst und bei anderen, voll ausschöpfen. Gründen ist ein Spiel mit hohem Einsatz – akzeptieren Sie das.
 
3) Think big
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Online- oder Mobile-Unternehmen mit dem österreichischen Markt und den hier vorhandenen Ressourcen und Strukturen das Auslangen findet, geht gegen Null. Denken Sie also von Beginn an über die Grenzen hinweg und agieren Sie auch so!

4) Nutzen Sie Netzwerke
Sie müssen nicht alle Fehler selber machen und jedes Netzwerk auf eigene Faust etablieren. Wenn Sie es beispielsweise schaffen, mit Ihrem Unternehmen in das Portfolio eines Inkubators zu schlüpfen, dann sind Sie zwar ein paar Prozent Ihres Unternehmens los, haben aber auf der anderen Seite vom Tag Null weg ein Netzwerk, einen Erfahrungspool und einen professionellen operativen Support, der nicht hoch genug zu bewerten ist.

5) Der Kunde ist König
Was gut ist, entscheiden nicht Sie, sondern der Nutzer. Deshalb messen und beobachten Sie viel und genau und ziehen Sie daraus Ihre Schlüsse. Sie können Ihre Idee für noch so genial halten; wenn der User sie offensichtlich nicht nutzt, dann hat Sie keine Berechtigung. Halten Sie nicht zu sehr an Ihren Vorstellungen fest. Ich habe noch kein erfolgreiches Startup gesehen, dass die Gründungsidee nicht irgendwann einmal signifikant adaptiert hätte ...

Bernhard Lehner ist Kommunikationsexperte bei i5invest.

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