"Ich kann hantig werden"

Die Wiener Hofburg-Chefin Renate Danler** ist eine sehr disziplinierte Person. Als solche legt sie Wert auf Pünktlichkeit. Wer sich mehr als 10 Minuten verspätet, findet den Executive Lunch-Tisch leer vor.

kann hantig werden
kann hantig werden
Danler – (c) Jana Madzigon

Mit wem haben Sie Executive Lunch?
Mit Kunden, das sind Kongress- oder Eventveranstalter und mit Kollegen und Partnern aus der Branche. Wir haben auch viele Probe-Essen im Haus vor Awards und Gala-Dinners. Bei einigen Bällen bitte ich im kleinen Kreis in unseren Weinkeller, wo es nur einfache Speisen zu essen gibt, die gemütliche Atmosphäre und die Exklusivität des Rahmens und der Gesellschaft aber sofort zusammenschweißt. Zudem haben wir sechs Gesellschafter und zwei offizielle Generalversammlungen jährlich. Unterm Jahr bittet je ein Gesellschafter einmal zu einem informellen Arbeitsessen.

Wer zahlt, wenn Sie außer Haus geschäftlich essen?

In der Regel ich, ich werde aber auch immer wieder von Kunden und Partnern eingeladen, was mich ganz besonders freut.

Wohin führen Sie Ihre Gäste?
In gute Lokale in Gehweite von der Hofburg - vom Procacci, über das DO & CO Albertina sowie im Haas-Haus bis hin zum Hotel Sacher und "Das Schick" am Parkring.

Wie lange dauert ein Executive Lunch idealerweise?
Eineinhalb bis zwei Stunden.

Wie können Sie Ihre Modelfigur - Sie tragen Kleidergröße 34-36 - bei fast täglichen Geschäftsessen halten?
Ich frühstücke reichlich und nehme mittags,  wenn kein Geschäftsessen am Programm steht, nur Obst zu mir.  Abends esse ich entweder zu Hause oder auswärts, jedoch wenn ich die Wahl habe, immer leichte Kost.

Worauf muss jemand achten, der Sie zum Geschäftsessen bittet?
Ich bin ein Mensch, der lieber klein aber fein ist und auf Esskultur inklusive schön gedeckter Tafel wert legt. Das hat mich in den USA sehr gestört, dass dort im Deli erstandene riesige in Plastik verpackte Portionen verschlungen werden, oft gar im Gehen. Ich lege Wert darauf, beim Essen zu sitzen und zu reden, das ist Wertschätzung, wie sie früher in Familien üblich war. Darin haben wir in Österreich und in Italien eine Kernkompetenz. Und im Gegensatz zum angelsächsischen Raum ist Auswärts-Esskultur bei uns noch erschwinglich. Der französische Schriftsteller Jean-Anthelme Brillat-Savarin (Anm.: 1756 bis 1826) drückte in seiner "Physiologie des guten Geschmacks mit der Aufforderung" die Wichtigkeit der Nahrung für viele Dimensionen des menschlichen Lebensso aus: "Sage mir, was Du isst und ich sage Dir wer Du bist". Der Philosoph Ludwig Feuerbach (Anm.: 1804 - 1872) hatte recht mit dem Satz "Du bist was Du isst". Nicht nur wegen der schlanken Linie, sondern auch für ein gutes Leben. Man ist glücklicher, ausgeglichener und sowohl körperlich wie geistig leistungsfähiger, wenn man bewusst auf die richtige Nahrung setzt.

Die Don'ts beim Executive Lunch?
Ich bin ein sehr disziplinierter Mensch. Ich komme pünktlich und wenn jemand nach zehn Minuten noch nicht da ist, gehe ich, weil ich das ganz unrühmlich finde. Ich kann auch hantig werden, wenn jemand ständig telefoniert oder sein Handy vor sich auf den Tisch legt und statt mit mir Augenkontakt zu halten eingehende E-Mails liest. Dann  pflege ich zu sagen "Ich widme Ihnen meine Zeit und meine Aufmerksamkeit und möchte nicht, dass Sie sich ständig mit Ihrem Handy beschäftigen!". Außerdem stören mich fehlende Tischmanieren. Ich habe sogar schon Minister erlebt, die ihr Messer abgeschleckt haben.

Worüber sollte bei Tisch gesprochen werden?
Drei Themen sind tabu: Politik, Sex und Religion. In den USA ganz besonders. Ich erinnere mich an eine Einladung, die ich für fünfzehn Personen ins Generalkonsulat in New York aussprechen durfte. Da wäre es mir fast passiert, über Obama zu sprechen. Das kommt bei eingefleischten Republikanern gar nicht gut.

Hofburg
Hofburg
Hofburg – Hofburg

Ihre Kunden kommen aus allen Teilen und Kulturen der Welt.  Wie meistern Sie als Hofburg die unterschiedlichsten Erwartungen?
Wir werden immer globaler und als Eventlocation müssen wir dem internationalen Gedanken Rechnung tragen. Bei einer Gala mit 600 Gästen unterschiedlichster Religionen haben wir zum Beispiel auf den Rückseiten der Lehnen farbige Punkte angebracht, wer welches Essen serviert bekommen soll.

** Zur Person:
Renate J. Danler  ist seit 2007 Geschäftsführerin der Wiener Hofburg. Die Tochter der Besitzer eines Hotels in Neustift Stubaital begann ihre Tourismus-Karriere mit dem Zimmer-Verkauf im elterlichen Betrieb. Während und nach dem BWL-Studium arbeitete sie in Paris, London, New York und Florenz. Im Kongressgeschäft, einer der wichtigsten Einnahmequellen der Hofburg, sammelte sie im Innsbrucker Kongresszentrum, in Kitzbühel und als Tourismusdirektorin von Alpbach Erfahrung. Als Geschäftsführerin der Wiener Hofburg ist sie für die Verwertung der 35 großen und kleineren Säle und Salons verantwortlich, die Kongresse und Messen, Bälle und Galadiners beherberge. "70 Prozent der Veranstaltungen sind international“, sagt sie.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      "Ich kann hantig werden"

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.