Kind und Karriere – „inkompatibel“

Wienerin Summit. Am 4. April ist die britische Sozialwissenschaftlerin Catherine Hakim Hauptrednerin am internationalen Frauengipfel im Haus der Industrie.

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(c) Charles Shearn

Nur 20 Prozent aller berufstätigen Frauen können wirklich Karriere machen, sagt Catherine Hakim. „Wirklich Karriere machen“ heiße an die Spitze zu kommen, CEO zu werden, Aufsichtsrätin oder vielleicht Vorstandsvorsitzende. Der Preis dafür: Verzicht auf Familie, konsequent und kompromisslos. Und tatsächlich ist die Hälfte der realen Top-Frauen kinderlos.

Arbeitsmarkt, Frauenbeschäftigung und die Stellung der Frau in der Gesellschaft sind die Hauptthemen der Sozialwissenschaftlerin und eifrigen Publizistin. Jahrelang lehrte Hakim an der London School of Economics, betrieb Studien am Londoner Centre for Policy Research und am Berliner WZB Forschungsinstitut. Um überall zum selben Ergebnis zu kommen:

  •  20 Prozent aller Frauen wollen ganz nach oben und sind bereit, den Preis dafür zu zahlen.
  •  Weitere 20 Prozent entscheiden sich für Kinder und Familie und verzichten auf eine Karriere.
  •  Die verbleibenden 60 Prozent wollen beides verbinden – und werden scheitern.


Denn Kind und Karriere seien nun einmal „grundsätzlich inkompatibel“. Davon ist die Wissenschaftlerin überzeugt. Kompromisslösungen wie befristete Babypausen, Teilzeitjobs und ein engagierter Einsatz an beiden Fronten brächten die Frauen nicht weiter – „ihr Ehrgeiz zielt ins Leere“. Internationale Vorzeigeländer wie Schweden sind „in Wahrheit gescheitert“, stünden doch die Chancen schwedischer Frauen, die Unternehmensspitze zu erklimmen, noch schlechter als jene britischer oder amerikanischer Frauen. Als einzigen Erfolg der jahrelangen Bemühungen gesteht Hakim den Nordics eine höhere Geburtenrate als dem Rest Europas zu.

Auch ihre Haltung zur EU-Frauenpolitik ist denkbar skeptisch: „Gleichbehandlung über alles“, wie sie „von radikalen Feministinnen und jenen Politikern, welche die Europäische Kommission dominieren“, vorangetrieben werde, löse den Konflikt nicht. Ebenso wenig hilft es, die Verantwortung den Arbeitgebern zuzuschieben: „Die können auch keine Wunder bewirken.“ Frauen müssten sich für einen der beiden Wege entscheiden – Kind oder Karriere.

Infos zur Veranstaltung:
www.wienerin.at/summit2013

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)

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